Furiose Rettung: 2010 war VfB Habinghorst während des letzten Spiels mehrfach abgestiegen

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Die Fußballer des VfB Habinghorst waren in der Saison 2009/10 Landesligist. Vor genau zehn Jahren stand das allerdings mächtig auf der Kippe - bis kurz vor Abpfiff des finalen Spieltages.

Habinghorst

, 26.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der abschließende Spieltag der Landesliga-Saison 2009/10 war für die Fußballer des VfB Habinghorst ein Krimi, wie ihn ein Regisseur nicht hätte besser inszenieren können. Im Fernduell gegen den Abstieg mit Vorwärts Kornharpen war das letzte Saisonspiel gegen die SG Herten-Langenbochum wie ein Wechselbad der Gefühle. Der damalige VfB-Trainer Dieter Beleijew sagte jetzt im Rückblick: „Das war ein Riesen-Erlebnis, von der Spannung kaum zu toppen.“ Und: Die Spvg Schwerin war bereits vor dem finalen Spieltag abgestiegen.

So sahen die Zeitungsberichte 2010 aus.

So sahen die Zeitungsberichte 2010 aus. © jens lukas

Die Habinghorster hatten sich durch drei Niederlagen in Folge in die Bedrängnis gebracht, einen guten Vorsprung auf die Abstiegsplätze verspielt. Erst ein 1:3 gegen Weitmar 45, dann das gleiche Resultat gegen den VfB Günnigfeld. Als am vorletzten Spieltag ein 0:4 gegen SSV Buer folgte, titelte unsere Zeitung vor zehn Jahren: „Das Eingemachte ist aufgebraucht.“ Die komfortablere Situation war weg. Chancen auf den Klassenverbleib nur minimal vorhanden. Selbst die neutralen Beobachter malten ein düsteres Bild.

Bochumer Teams hätten mauscheln können

So stand über einen Kommentar nach diesem Spieltag „Schwerin steigt ab, Habinghorst wohl auch.“ Die VfB-Elf ging nur noch als Tabellenvorletzter (13.) in die letzte Runde, Kornharpen übernahm den ersten Nichtabstiegsplatz. Der letzte Spieltag der Saison musste nun den zweiten Absteiger finden. Habinghorst erwartete die starke Mannschaft aus Langenbochum, von der Beleijew jetzt sagte: „Die Langenbochumer haben gekämpft, als ob sie gegen den Abstieg spielten.“ Die vermeintlich leichtere Aufgabe schien Kornharpen mit dem SC Weitmar vor der Brust zu haben. Der Tenor auf der Habinghorster Tribüne war dann auch, „zwei Bochumer Vereine werden sich schon nicht wehtun.“

Selbst Beleijew war skeptisch („Es wurde ja schon oft gemauschelt“), aber er hatte vom Weitmarer Trainer gehört, dass alles regulär zugehen wird. Die Spannung war zum Greifen nah. Ein Live-Ticker dieser Zeitung brachte das zeitnah herüber. Der Habinghorster Trainer hatte einen Informanten in Bochum, der ihn über das Handy laufend berichtete.

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Als es zur Halbzeit in die Kabine ging, stand der VfB als Absteiger fest. Zum Glück nur da. Was war passiert? Weitmar hatte mit dem 1:0 (3.) die Habinghorster Hoffnungen genährt, Marc Olschewski hatte nur drei Minuten später auch für den VfB eingenetzt - 1:0. Natürlich Olschewski, der sich immer wieder durch wichtige Tore auszeichnete. Sein Trainer Beleijew erwähnte, dass er den „Olek“ aus der Reserve der Spvg Schwerin holte, weil der sich dort nicht mit dem Trainer verstand. Und weiter: „Marc hat in drei Jahren 100 Tore gemacht.“ Das zählte vor Anpfiff nichts mehr. Langenbochum glich aus, wie auch Kornharpen in Weitmar vor der Pause. Die Mannen um Kapitän Gordon Schwarze schlichen quasi als Absteiger in die Kabinen zur Halbzeitpause.

Erleichtert kämpfte Trainer Dieter Beleijew (r) mit seinen Tränen. Marc Olschewski umarmte ihn innig.

Erleichtert kämpfte Trainer Dieter Beleijew (r) mit seinen Tränen. Marc Olschewski umarmte ihn innig. © Volker Engel

Und: Um zwölf nach Vier wurde es zappenduster im „Habichthorst“, Kornharpen ging in Führung. Der VfB am Boden? Nein, Philipp Nährig macht das 2:1, was aber noch nicht für die Rettung reichte. Ein Elfmetertor für Weitmar zum 2:2, doch der 2:2-Ausgleichstreffer für Langenbochum in Habinghorst sorgt weiter für zittrige Minuten. Ein Treffer des Castrop-Rauxeler Marcus Hasecke für Weitmar zum 3:2 und das 3:2 für den VfB durch Björn Schmidt sorgen für Entspannung. Weitmar machte noch das 4:2 und den Habinghorster Jubeltränen waren Tür und Tor geöffnet.

2010 feierten MarcOlschewski (Mitte) und Philipp Nährig (l) ihre Tore jeweils mit einem Tänzchen.

2010 feierten MarcOlschewski (Mitte) und Philipp Nährig (l) ihre Tore jeweils mit einem Tänzchen. © Engel

Als Beleijew nach Abpfiff seinem Kapitän Schwarze mit Tränen in den Augen zurief „Gordon wir bleiben drin“, fiel die Last der Anspannung allen Protagonisten von den Schultern. Tanzeinlagen folgten, die VfB-Kicker bildeten Spielertrauben im Liegen auf dem Rasen, Marc Olschewski wollte bei einer Umarmung seinen Trainer gar nicht mehr loslassen. Nach dem Aufstieg in der Saison 2007/08, war somit das vierte Landesliga-Jahr gerettet. Dass es dann das letzte sein sollte, ist eine andere Geschichte.

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Marc Olschewski, der heute als Trainer den VfB Habinghorst von der Kreisliga B ins Kreisliga-Oberhaus brachte, erinnert sich auch an den Abstiegsknaller 2010: „Eigentlich hatten wir eine gute Saison gespielt. Dass es dann solch ein Finale geben würde, war nicht abzusehen. Und die Langenbochumer haben dann auch ganz schön geholzt. Einige von denen wollten uns als Absteiger sehen.“ Heute als Coach des VfB hat er schon das Ziel vor Augen, in die Bezirksliga aufzusteigen. Landesliga, wie damals? „Das ist nur schwierig zu erreichen“, erzählte der Habinghorster weiter.

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