Fußballer Devin Helmig (26): „Das Verletzungspech ist mental sehr belastend“

hzKarriere-Ende mit 26 Jahren

Mit 26 Jahren ist Devin Helmig eigentlich im besten Fußballer-Alter. Doch statt weiterzukicken beendet der Castrop-Rauxeler seine Karriere. Einem Rückschlag folgte nämlich stets der nächste.

Castrop-Rauxel

, 26.02.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Der Castrop-Rauxeler Devin Helmig feiert am Mittwoch, 26. Februar, seinen 26. Geburtstag. Es ist sein erster Geburtstag seit dem Beginn seines fünften Lebensjahres, den er nicht als Fußballer feiert. Denn der Spieler des Bezirksligisten SG Castrop hat plötzlich seine Karriere beendet.

Warum hört ein Fußballer, der in der Jugend beim VfL Bochum und im Senioren-Alter in der Westfalenliga gespielt, plötzlich mit dem Fußballspielen auf? Wir sprachen mit Devin Helmig über die Gründe dafür und über die schwache Saison der SG Castrop.

Hallo Devin, mit Mitte 20 beendest Du deine Fußballkarriere. Wie kam das zustande?

Das ist hauptsächlich dem Verletzungspech der vergangenen Jahre geschuldet. Im Jugendbereich hatte ich damit eigentlich nie Probleme. Im ersten Seniorenjahr habe ich mir dann in der Vorbereitung auf die Rückrunde das rechte Wadenbein gebrochen. Ich bin dann die komplette Rückrunde ausgefallen. Seitdem geht es gefühlt von einer Verletzung zur nächsten. Ausschlaggebend war jetzt mein inzwischen dritter Nasenbeinbruch, den ich mir im Oktober zugezogen habe. Zuvor hatte ich mir in der Sommervorbereitung schon das Innenband gerissen und bin zwölf Wochen ausgefallen.

Danach kam dann bei dir der Gedanke auf, dass es keinen Sinn mehr macht? Vielleicht auch aus beruflichen Gründen?

Das ist auch ein Argument. Ich habe im Oktober an der Uni meinen Master abgeschlossen und bewerbe mich nun. Die potenziellen Arbeitgeber hören es natürlich nicht so gerne, wenn jemand dauerhaft verletzt ist. Ich muss aber auch sagen, dass dies nicht der ausschlaggebende Grund war: Fußball ist seit meinem fünften Lebensjahr ein maßgeblicher Teil meines Lebens. Aber wenn man seit Jahren in diesem Prozess ist - ich verletze mich, kämpfe mich wieder zurück und mache dann keine fünf Spiele ehe ich mich wieder verletze - da verliert man zunehmend die Lust. Es ist mental sehr belastend.

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Aber ist es nicht schade, mit lediglich 26 Jahren die Fußball-Karriere zu beenden?

Schade ist es, ja. Aber seit meiner Verletzung im Oktober hat mir das Fußballspielen gar nicht so sehr gefehlt. Bis es jetzt bei unserem ersten Ligaspiel in diesem Jahr (2:2 gegen die SG Suderwich, Anm.d.Red.) zum ersten Mal wieder etwas in den Beinen gejuckt hat, wenn man nur am Seitenrand steht. Aber die große Fußball-Karriere, also dass ich in diesem Bereich auch hauptberuflich Geld verdiene, ist sowieso ad acta gelegt. Die Zeit, in der das im Raum stand, ist lange her.

Du hast nämlich schonmal höher gespielt, in der Westfalenliga bei Mengede 08/20. Warum folgte dann 2017 der Schritt zwei Ligen runter zur SG Castrop?

Fußballerisch war es definitiv etwas für mich, allerdings muss ich sagen, dass es ein anderer Aufwand war als in der Bezirksliga. Wir hatten drei- bis viermal die Woche Training und dazu weite Auswärtsfahrten. Zu der Zeit habe ich gerade meine Bachelor-Arbeit geschrieben und in Teilzeit gearbeitet, weswegen es schwierig war, alles unter einen Hut zu bringen. Allerdings hat mich auch immer dieser gesellige Faktor gereizt, dass man nach dem Spiel noch zusammensitzt. Das kam in der Westfalenliga kürzer als nun in der Bezirksliga.

Seit der Saison 2017/18 spielt der Castrop-Rauxeler Devin Helmig bei der SG Castrop in der Bezirksliga. In dieser Saison lief der 26-Jährige verletzungsbedingt nur zweimal für die SG auf.

Seit der Saison 2017/18 spielt der Castrop-Rauxeler Devin Helmig bei der SG Castrop in der Bezirksliga. In dieser Saison lief der 26-Jährige verletzungsbedingt nur zweimal für die SG auf. © Volker Engel

Doch in dieser Saison hat die SG Castrop enorme Schwierigkeiten und kämpft gegen den Abstieg. Ist das dem großen Umbruch im Sommer nach dem Abgang der Trainer Dennis Hasecke und Marco Taschke geschuldet?

Unabhängig von der Tatsache, dass wir nicht gerade im Guten auseinandergegangen sind, haben Dennis Hasecke und Marco Taschke viel für den Verein geleistet und waren einige Jahre da. Die beiden hatten auch abseits des Platzes viele Aufgaben übernommen und da ist es als Verein einfach schwierig, solch einen Umbruch unmittelbar erfolgreich zu gestalten. Dazu kommt auch, dass einige Spieler mit den beiden nach Schwerin gegangen sind, das tut einer Mannschaft natürlich weh. Für Tino Westphal und Dennis Dannemann ist es die erste Trainerstation im Seniorenfußball. Die beiden machen das sehr gut, aber lernen auch von Tag zu Tag noch dazu.

Zur Person

Das ist Devin Helmig

  • Devin Helmig feiert am Mittwoch, 26. Februar, seinen 26. Geburtstag. Der Castrop-Rauxeler hat Wirtschaftswissenschaften an der Ruhr-Universität in Bochum studiert und mit dem Master im Oktober abgeschlossen.
  • Er begann mit fünf Jahren das Fußballspielen bei der Spvg Schwerin. Im zweiten C-Junioren-Jahr wechselte er für ein Jahr zum VfB Waltrop, dann ging es für ein Jahr zum VfL Bochum.
  • Danach wechselte Helmig wieder zurück zum VfB Waltrop, bei dem er sechs Jahre blieb. Nach einem Jahr bei Mengede 08/20 in der Westfalenliga wechselte Devin Helmig zur Saison 2017/18 zur SG Castrop.

Die SG Castrop hat mit 51 Gegentoren nach 16 Spielen die schlechteste Abwehr der Liga. Du bist selbst Defensivspieler, warum funktioniert die SG-Defensive nicht so gut?

Es ist immer leicht, die vielen Gegentore auf die Vierer-Abwehrkette herunterzubrechen. Die vielen Gegentore sind ein Produkt der gesamten Mannschaft. Es ist ja generell so, das ist nicht allein auf die SG Castrop gemünzt: Wenn du wenig Entlastung nach vorne hast und quasi unter Dauerdruck stehst, dann kann die Abwehr noch so erfahren sein. Irgendwann kassierst Du mal ein Gegentor. Dazu kam auch, dass Stammspieler wie Benedikt Meyer-Drabert und Ingmar Holtkamp entweder aus beruflichen Gründen nicht richtig trainieren konnten oder ebenfalls mit Verletzungen zu kämpfen hatten.

Hätte ein Verein wie die SG Castrop letztlich auch die Chance in der Landesliga zu bestehen?

Die Qualität für die Bezirksliga ist auf jeden Fall da. Für die Landesliga sind höhere Investments nötig, das sieht man beispielsweise beim FC Frohlinde und dem SV Wacker Obercastrop. Beide Vereine holen regelmäßig Spieler aus höheren Ligen. Die Mittel dafür hat die SG Castrop einfach nicht. Ich bin eher der Meinung, dass man solide wirtschaften sollte, als mit allen Mitteln zu versuchen in die Landesliga aufzusteigen. Denn wenn dann auf einmal das Geld nicht mehr da ist, kommt es häufiger vor, dass ein Verein meist sogar komplett zusammenbricht.

Auf dem Fußballplatz sieht man Dich künftig nicht mehr, aber weiterhin noch am Seitenrand als Zuschauer?

Die Heimspiele der SG werde ich mir definitiv noch anschauen. Ich habe zwar jetzt erst mein drittes Seniorenjahr in Castrop gespielt, aber ich kenne hier viele Leute und fühle mich im Verein sehr wohl. Allerdings wird man mich mit Sicherheit nicht nur bei der SG, sondern auch auf anderen Castrop-Rauxeler Fußballplätzen sehen. Und sonst lege ich natürlich den Fokus auf unseren Kegelclub (Kegelclub die Vollen, Anm. d. Red.).

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