Fußballer handeln sich freiwillig „Gelb“ ein, um zu tricksen

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Einige heimische Fußballer haben am Sonntag nicht nur mit dem Ball getrickst. Sie sorgten dafür, dass sie einer Sperre entgehen können.

Castrop-Rauxel

, 19.11.2019, 16:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Schelm ist, wer Böses dabei denkt. Amateurfußballer, die die 5. Gelbe Karte sehen, werden mit einer Sperre von zehn Tagen belegt. Sollte in diesem Zeitraum keine Begegnung stattfinden, kommt der Kicker effektiv ungestraft davon.

Das bedeutet zum Beispiel: Fußballer, die eine Woche vor dem spielfreien Totensonntag oder unmittelbar vor Beginn der dreimonatigen Winterpause vier Gelbe Karten auf dem Konto haben, könnten clever sein. Wenn sie sich dann die 5. Gelbe abholen, greift die Sperre nicht.

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Dennis Hasecke, der Trainer des Fußball-Bezirksligisten Spvg Schwerin meint dazu mit einem Lächeln: „Natürlich ist eine 5. Gelbe Karte ärgerlich. Aber in diesem Fall würden wir dem Spieler nicht böse sein und als Trainer darüber hinwegsehen – wenn er eine Karte nach einem Zweikampf sieht.“ Denn zwei seiner Schützlinge haben am vergangenen Sonntag von dem Trick Gebrauch gemacht: Youngster Justin Strahler und Routinier Andre Pape.

Keine Trainer-Anweisung


Vom abstiegsgefährdeten Liga-Rivalen SG Castrop hat kein Spieler die 5. Gelbe Karte gezogen. Das berichtete Trainer Dennis Dannemann. Er sagte: „Tino Westphal und ich sind keine Fans davon, Spielern die aktuell vier Gelbe Karten haben, zu sagen, dass sie sich eine Karte abholen müssen, damit sie diese über Totensonntag absitzen.“

Fußballer handeln sich freiwillig „Gelb“ ein, um zu tricksen

Handelten sich „gemeinsam“ jeweils die 5. Gelbe Karte ein: Justin Strahler (l) und Andre Pape von der Spvg Schwerin. © Jens Lukas

Vom Landesliga-Spitzenreiter SV Wacker Obercastrop haben sich die Offensivspieler Elvis Shala und Marc Schröter am Sonntag beim 3:0-Sieg gegen den SV Hilbeck jeweils die 5. Gelbe eingehandelt. Wacker-Co-Trainer Steffen Golob nimmt es mit Humor und sagte dazu: „Zur Strafe werden beide im Kreispokal-Spiel auf Asche bei ETuS Wanne in der Start-Elf stehen.“ Vom Klassenkameraden FC Frohlinde „trickste“ kein Spieler, um einer Sperre zu entkommen.

Absichtlich die 5. Gelbe Karte vor einem spielfreien Wochenende kassieren. Das sei im Fußball stets ein heißes Thema, weiß Klaus Overwien, Staffelleiter der Landesliga 3 und der Bezirksliga 9. „Das sollte aber nicht zu hoch aufgehängt werden.“ Overwien hat in seinen Ligen vor dem spielfreien Totensonntag jedenfalls nicht mehr Gelbe Karten als an jedem anderen Spieltag verbucht.

Der Staffelleiter sieht in dieser Hinsicht jedoch durchaus eine Lücke, die der ein oder andere Spieler mit dem Ausziehen des Trikots in der 90. Minute auch ausnutzt. Overwien berichtete, dass man sich beim Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) dem Thema mit der umgangenen Sperre aktuell annimmt. Eine kurzfristige Lösung sei derzeit aber noch nicht in Sicht.

Kurioser Anruf


In den Kreisligen A und B hat kein Castrop-Rauxeler Fußballer am Sonntag getrickst, berichtete Andreas Pelzing (Frohlinde), Staffelleiter der Kreisliga A. Im Gegenteil. In seiner Liga seien vor dem Spieltag Tim Kuit, Dirk Vierhaus (beide FC Frohlinde II), Chris Kasprzak, Ayhan Celik (beide FC Castrop-Rauxel) sowie Marvin Wikczynski (SuS Merklinde) mit jeweils vier Gelben Karten vorbelastet gewesen. Aber keiner von ihnen zog nunmehr die 5. Karte.

Als kurios bezeichnete Pelzing den Anruf eines Vorstandsmitgliedes des ETuS Wanne. Dieser wollte wissen, ob denn „die Regel mit dem Totensonntag noch besteht“.

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