Leon Wohlfarth kickte in Südafrika - und geht nun nach Holland

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Nach dem Abitur 2018 spielte Leon Wohlfarth in der 4. Liga Südafrikas. Er wollte über Ostern zurück, doch die Corona-Krise kam dazwischen. Den FC Frohlinde muss er trotzdem verlassen.

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, 19.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Freud und Leid liegen manchmal sehr eng beieinander. Leon Wohlfarth vom FC Frohlinde musste erst seine Reiseplanungen verschieben, dann hat sich eine andere Tür geöffnet.

Denn am Mittwoch kam eine wichtige Nachricht aus den Niederlanden: Er kann ab Herbst in Nijmegen Psychologie studieren. Den FCF-Trainern Michael Wurst und Stefan Hoffmann steht er ab Sommer nicht mehr zur Verfügung. „Sie wussten aber von Anfang an, dass ich mich in Holland beworben habe und gegebenenfalls dorthin gehen würde", sagte Wohlfarth.

Einige Tage bevor die frohe Botschaft aus Nijmegen kam, wurde dem 20-jährigen Frohlinder jedoch klar, dass ein anderer Wunsch zunächst auf Eis gelegt werden muss: seine zweite Teilnahme am „Easter Tournament" in Südafrika. Aber der Reihe nach.

Auslandsjahr nach dem Abitur

Nach seinem Abitur am Adalbert-Stifter-Gymnasium (ASG) im Sommer 2018 legte Wohlfarth ein Auslandsjahr in Südafrika ein. Es ging mit dem Bundesfreiwilligendienst „Weltwärts“ über die Organisation ASC Göttingen 1846 e.V. in den Südosten des Landes. Der Frohlinder sollte an einer Schule arbeiten und ein Nachmittagsprojekt für Schüler sportlich unterstützen.

Aber nicht nur das. Auf dem Schulhof im Township sprach ihn jemand vom lokalen Fußball-Klub Mighty Forest F.C. an. Er ging zum Training und schloss sich dem Team an. Vierte südafrikanische Liga - als erster Weißer seit den 1990er-Jahren. „Das war total ungewohnt für mich, da ich plötzlich bei jedem Spiel im Mittelpunkt stand", sagt Wohlfarth. „Ich habe es dann aber sehr genossen."

Leon Wohlfarth (oben, 3.v.l.) mit seinen Teamkollegen vom Mighty Forest F.C.. Das Foto entstand nach dem Klassenerhalt in der SAB League, der vierten Liga in Südafrika.

Leon Wohlfarth (oben, 3.v.l.) mit seinen Teamkollegen vom Mighty Forest F.C.. Das Foto entstand nach dem Klassenerhalt in der SAB League, der vierten Liga in Südafrika. © privat

Der Fußball dort sei ungefähr auf einem Niveau mit der Landesliga in Deutschland, unterscheidet sich aber fundamental im Spielstil. Der sogenannte „Kasi Flava" - zu deutsch: „Geschmack des Townships" - ist eine Attraktion.

„Es geht zwar um Punkte und Siege, aber vor allem darum, den Zuschauern im Stadion mit spektakulären Tricks eine Show zu bieten", erklärt Wohlfarth. „Wenn die Leute fünf Tage auf einer Baustelle schuften, wollen sie samstags beim Fußball unterhalten werden." In Deutschland würden die Schiedsrichter diese Tricks wohl als Unsportlichkeit werten und unterbinden.

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Leon Wohlfarth musste mitten in der Nacht ein Ritual vollbringen

Auf dem Feld sollen darüber hinaus spirituelle Rituale Glück bringen. Jede Mannschaft hat ihr eigenes. Einmal, erinnert sich Wohlfarth, musste er mitten in der Nacht den Sportplatz mit einer Flüssigkeit einschmieren, die nach traditionellen Regeln hergestellt worden ist.

Die Saison in Südafrika ist in zwei Phasen aufgeteilt. Die Liga wird im Sommer ausgespielt, der in unsere Wintermonate fällt. Hier hat Wohlfarth mit Mighty Forest gespielt. Im südafrikanischen Winter finden im Land regionale Turniere statt. Man ist hier nicht an einen Verein gebunden.

So sieht es bei einem klassischen Ligaspiel in der vierten südafrikanischen Liga aus. Zum Zeitpunkt der Aufnahme im "Magogo Stadium" in Ndlovini (Port Alfred) spielte der Mighty Forest F.C. gegen United Eleven.

So sieht es bei einem klassischen Ligaspiel in der vierten südafrikanischen Liga aus. Zum Zeitpunkt der Aufnahme im "Magogo Stadium" in Ndlovini (Port Alfred) spielte der Mighty Forest F.C. gegen United Eleven. © Leon Wohlfarth

Ostern 2019, kurz vor der Rückkehr nach Deutschland, hatte der 20-Jährige beim genannten „Easter Tournament" mitgespielt. Im Viertelfinale ist seine Mannschaft unglücklich ausgeschieden. „Da war eine so krasse Energie vor 700 Zuschauern unter Flutlicht auf dem Feld", so Wohlfarth. Die wollte er unbedingt noch mal erleben und fasste einen Entschluss: Ein Jahr später, über Ostern 2020, wollte er einen neuen Versuch starten. Dann kam die Corona-Krise dazwischen.

Südafrika ist aktuell im strengen Lockdown

Ende Februar hatte Wohlfarth seinen Flug gebucht. „Da schien ja alles noch in Ordnung zu sein", blickt er zurück. Die Lage spitzte sich rasant zu. Südafrika befindet sich im strengen Lockdown. Flughäfen sind geschlossen worden. Nur zum Arbeiten und Einkaufen darf man vor die Tür. Das Turnier ist dementsprechend auch abgesagt worden. Am 1. April sollte Leon Wohlfarth eigentlich in Südafrika landen.

Ganz die Hoffnung hat er aber noch nicht aufgeben, seine Freunde vor Ort bald wiederzusehen: „Vielleicht klappt es ja noch im Sommer." Ansonsten freut er sich nun auf das Studium in den Niederlanden.

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