Schwarze Haut, falsche Aussprache: Warum Yannick Grondin immer wieder angefeindet wird

hzRassismus auf Sportplätzen

Der Franzose Yannick Grondin lebt seit 18 Jahren in Deutschland. Über den Fußball hat er schnell Anschluss gefunden. Doch immer wieder wird er angefeindet - nur aufgrund seiner Hautfarbe.

Castrop-Rauxel

, 16.07.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In seiner Jugendzeit galt Yannick Grondin als verheißungsvolles Talent. Mit 17 Jahren trat er der Fußballschule des französischen Topklubs Paris St. Germain bei. Er war in einem Jahrgang mit dem späteren Nationalspieler und Europameister von 2000, Nicolas Anelka. „Wir haben anfangs zusammen gespielt, dann ging es für ihn aber zu den Profis“, sagt Yannick Grondin.

Für Grondin ging es damals in die zweite Mannschaft der Pariser, wo er sich allerdings so schwer am Knie verletzte, dass er seine Fußballkarriere beenden musste.

Yannick Grondin ist im Pariser Vorort Cergy aufgewachsen

Heute ist Yannick Grondin 41 Jahre alt und Co-Trainer beim A-Kreisligisten FC Castrop-Rauxel. Wie er selbst sagt, hat er sich ein dickes Fell zugelegt: „Ich bin in Paris im Vorort Cergy aufgewachsen - ein Problembezirk.“ Wer es hier raus schafft, hat laut Grondin schon viel für das Leben gelernt. Denn: Cergy hat 137,62 kriminelle Zwischenfälle pro 1000 Einwohner und liegt damit weit über dem nationalen Durchschnitt (83 pro 1000).

Der Fußball bestimmte schon immer Grondins Leben, obwohl er es auch in Frankreich nicht leicht hatte. „Es gab dort viele verschiedene Nationalitäten und Kulturen. Aber als Schwarzer hatte ich öfter Probleme“, so Grondin. Er beschreibt eine Szene, wo nach einem Foul an ihn Bananenschalen auf das Spielfeld geworfen und er als „Affe“ beleidigt wurde.

Schwarze Haut, falsche Aussprache: Warum Yannick Grondin immer wieder angefeindet wird

Yannick Grondin (l.) trainiert zusammen mit Patrick Stich den Fußball-A-Kreisligisten FC Castrop-Rauxel. © Volker Engel

„Probleme gab es in Frankreich nicht nur zwischen Schwarz und Weiß, sondern auch zwischen den Kulturen“, sagt Yannick Grondin. Mit dem Schritt nach Deutschland hatte er gehofft, den Rassismus hinter sich zu lassen. Doch auch heute noch begleitet ihn dieser fast täglich - im Fußball und im Job.

Patrick Stich

Das sagt der Trainerkollege über Yannick Grondin

„Wir sind damals 2013 als Trainerteam zusammen gewürfelt worden in Ickern. Ich kannte weder ihn noch er mich. So verschieden wir auch sind, so gut ergänzen wir uns in der täglichen Trainerarbeit. Er ist kein Hütchenaufsteller, sondern ein enger Vertrauter bei jeder Entscheidung. Er ist mehr als nur ein Co Trainer. Er ist einer richtig guter Freund und auch deswegen macht die Zusammenarbeit so viel Spaß.“

Ein prägendes Ereignis gab es für den 41-Jährigen bei einem Auswärtsspiel in Herne. Sein Trainerkollege Patrick Stich, mit dem er seit vielen Jahren gemeinsam an der Seitenlinie beim SC Arminia Ickern und beim FC Castrop-Rauxel steht, war bei der Partie nicht vor Ort. „Die Leute haben mich die ganze Zeit beleidigt. ‚Der Schwatte‘ war noch das harmloseste, was ich mir anhören durfte“, so Grondin.

Grammatikalische Fehler werden von Anderen ausgenutzt

Der 41-Jährige ist wahrlich kein ruhiger Geselle an der Seitenlinie. Man merkt Grondin an, dass er den Fußball lebt und alles für sein Team geben möchte - auch wenn er selbst nicht mehr vor den Ball treten kann. In seinen 17 Jahren hat der Franzose gut die deutsche Sprache gelernt, aber in der Hektik eines Fußballspiels passieren ihm schon einmal grammatikalische Fehler. „Die Leute nehmen das direkt zum Anlass, mich zu beleidigen. ‚Lern mal deutsch‘ kann ich mir öfters anhören“, sagt Grondin.

Die Beleidigungen kommen von gegnerischen Spielern, aber auch von Zuschauern. Ähnlich wie zuletzt beim Stadtmeisterschafts-Spiel zwischen dem VfB Habinghorst und Eintracht Ickern, wo Zuschauer, die dem VfB zuzuordnen sind, Spieler der Ickerner als „Scheiß Türken“ beleidigten.

Yannick Grondin hat auch in seinem Job Probleme

Yannick Grondin hat sich mit den Beleidigungen auf dem Sportplatz mittlerweile abgefunden. „Das gehört leider dazu“, sagt er. Auch in seinem Job in der Veranstaltungsbranche akzeptiert er widerwillig, dass er aufgrund seiner Hautfarbe nicht immer gleich behandelt werde wie andere Menschen. „Andere Leute arbeiten weniger als ich, werden aber schneller befördert“, sagt Grondin - und schickt schnell hinterher: „Ich möchte aber nicht als Opfer dastehen.“

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Stattdessen ist er stolz, dass er durch den Fußball in Deutschland, speziell in Castrop-Rauxel eine neue Heimat gefunden hat. Und sieht die Vorteile der Multikulturalität in der Europastadt: „Jede Kultur bringt etwas anderes ein, auch auf dem Fußballplatz. Das macht es doch aus.“ Die Probleme auf den Sportplätzen werden Grondin aber wahrscheinlich trotzdem weiterhin begleiten.

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