Im Topspiel der Bezirksliga-Aufstiegsrunde der B-Junioren merkte man den Kickern der SG Castrop und der Westfalia Wethmar ihre Nervosität über 80 Minuten an. Dennoch fielen sechs Tore.

Castrop

, 23.06.2019, 15:02 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der ehemalige Berufs-Fußballer Norbert Witczak (u.a. Viktoria Köln) verließ bereits zur Pause das Stadion an der Bahnhofstraße. „Das ist hier maximal Magerquark“, sagte der 77-Jährige, der in den 1970er-Jahren selbst als Coach Meister-Teams der SG Castrop formte, „da fahre ich lieber nach Hause zum Mittagessen. Da wird mir mehr geboten.“

Marc Kruska hielt bis zum Ende durch

Bis zum Schlusspfiff schaute sich ein anderer heimischer Vorzeige-Fußballer die wichtige Partie an: Marc Kruska (31 Jahre), der dieser Tage seine Profi-Laufbahn beim Luxemburg-Meister F91 Düdelingen beendete und derzeit an seiner Sportberufs-Zukunft werkelt. Sein Urteil fiel nicht so harsch aus. Er attestierte den Gästen aus Lünen „gute Ansätze in den Spielzügen und drei recht gute Akteure“ in ihren Reihen.

Letztlich endete das Duell der SG Castrop mit dem TuS Westfalia Wethmar mit einem 3:3 (1:2). Dadurch verpasste die Mannschaft von SG-Trainer Timo Muth die Übernahme der Tabellenführung und muss als Zweiter zumindest diese Position halten. Es stehen noch die Duelle beim Tabellendritten BV Rentfort (Mittwoch, 26. Juni, 19 Uhr) sowie daheim gegen Schlusslicht BSV Menden (Sonntag, 30. Juni, 11 Uhr) aus. Schützenhilfe kam am Sonntag vom SC Obersprockhövel (3.), der Rentfort mit 2:0 besiegte. Jetzt reicht der SG bereits ein Sieg in Rentfort zum Aufstieg.

Wiedersehen mit Coach Daniel Nowak

Gegen Wethmar trafen die Castroper auf einen alten Bekannten: Westfalia-Trainer Daniel Nowak betreute in der Saison 16/17 sowie bis Januar 2018 die A-Junioren der SG Castrop. Nowak stand vor rund 200 Zuschauern im Stadion an der Bahnhofstraße fast die gesamten 80 Minuten unter Dampf. Und auch nach dem Abpfiff war er nicht zu beruhigen. Vor allem über ein Foul von Castrops Ben Böhm ereiferte er sich. Tatsächlich hatte der eingewechselte Rechtsverteidiger mit einer energischen Grätsche Niklas Tittelbach zu Fall gebracht. Nowak forderte eine Rote Karte. Schiedsrichter Dmitri Trahtenberg (Herne) urteilte anders und zeigte „Gelb“.

SG Castrop und Westfalia Wethmar bieten Magerkost

Castrops Ben Böhm (3.v.r.) unterlief nach seiner Einwechselung ein hartes Foul, für das man durchaus auch die Rote Karte hätte geben könne. © Jens Lukas

Frühes 1:0 der Gäste

Zu Beginn der Partie versuchte Wethmar mit den Antreibern Niklas Tittelbach und Leon Beile der Partie einen spielerischen Stempel aufzudrücken, während die Castroper mit Athletik und Kampfeswille dagegenhielten. Die Gäste gingen bereits in der dritten Minute mit 1:0 in Führung. Tittelbach stand am zweiten Pfosten frei und drückte den Ball nach einer weiten Flanke aus kurzer Distanz über die Linie. Zum Castroper Glück hatte Goalgetter Luis Rädecke eine schnelle Antwort parat: Zwei Minuten später nahm er 20 Metern vor dem Tor auf Linksaußen dem Verteidiger Sebastian Czarnietzki dem Ball ab und schoss aus acht Metern flach gegen Keeper Paul Sikora ein.

SG Castrop und Westfalia Wethmar bieten Magerkost

Die B-Junioren der SG Castrop (rote Trikots) kamen im Aufstiegsspiel zur Bezirksliga gegen Westfalia Wethmar nicht über ein 3:3 hinaus. © Jens Lukas

Ein Sahnestück war das Tor von Wethmar zum 2:1 (38.) kurz vor der Pause. Nach zwei Querpässen von Tittelbach und Jason Jäger stand Leon Beile mutterseelenallein vor SG-Keeper Marius Menne und schob aus elf Metern ein. Marc Kruska meinte: „Das war überragend herausgespielt.“

Ausgleich per Elfmeter

Die zweite Halbzeit war erst vier Minuten alt, da glich Castrop wieder aus. Beim 2:2 verwandelte Rädecke einen Elfmeter, nachdem Kapitän Luca Seegers von Benedikt Lehn gefoult worden war. Der Linksschuss schlug unten rechts im Gehäuse ein.

Frischer Wind durch Yassin Bouchantiya

In der Folgezeit war Wethmar mit einigen Torannäherungen gefährlich. Das nächste Tor erzielte allerdings die SG Castrop - auch weil der eingewechselte Yassin Bouchantiya über die rechte Seite für frischen Wind sorgte. Nach einer Ecke nickte Dawid Lewandowski, der mittlerweile die Kapitänsbinde vom ausgewechselten Seegers übernommen hatte, zum 3:2 (68.) ein.

Schuss aus 25 Metern landet zum 3:3 im Winkel

Die Zeichen standen auf „Sieg“. Da hatten die Castroper allerdings die Rechnung ohne Wethmars Niklas Tittelbach gemacht. Er zog sieben Minuten vor dem Abpfiff aus 25 Metern ab. Der Ball schlug rechts oben unhaltbar für Menne ein.

SG Castrop und Westfalia Wethmar bieten Magerkost

Castrops Trainer Timo Muth © Jens Lukas

SG-Trainer Timo Muth, der an der Seitenlinie von Darwin Könnecke und Nils Nölle unterstützt wurde, sagte nach der Partie: „Über 80 Minuten gesehen ist das Unentschieden gerecht.“ Schon vor dem Duell hatte Muth betont, dass er mit einem Punktgewinn gegen die starken Gäste aus Lünen zufrieden wäre. Timo Muth: „In der zweiten Halbzeit haben wir uns gesteigert und auch leichte Vorteile gehabt. Die erste Halbzeit ging definitiv an Wethmar.“ Und der Coach gestand auch ein, dass sein Team Glück hatte, dass Ben Böhm nach seinem Foul nicht „Rot“ sah. Muth: „Wichtig ist: In den beiden abschließenden Spielen haben wir den Aufstieg noch in der eigenen Hand.“

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