Der SV Wacker Obercastrop steht nach dem Aufstieg in die Fußball-Westfalenliga vor neuen Herausforderungen. Nicht nur sportlicher Natur, sondern auch bei den Fahrten – bis ins tiefe Sauerland.

Obercastrop

, 26.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Groß war der Jubel im Juni, als für die Fußballer des Landesliga-Spitzenreiters SV Wacker Obercastrop der Aufstieg in die Westfalenliga feststand. Ihre Auftritte bekommen jetzt ganz andere Dimensionen. Weitgereiste Gäste schauen in der Erin-Kampfbahn vorbei. Und die Auswärtsfahrten werden länger – bis zu 111 Kilometer. Dabei können einige der Sportplätze – theoretisch – nach wie vor zu Fuß erreicht werden. Für andere Gastspiele müssen Spieler und Fans bis zu über eine Stunde Anreise einplanen. Wir haben uns bei den Wacker-Verantwortlichen umgehört, wie sie das Thema „Auswärtsfahrten“ angehen wollen.

Busfahrten machen Sinn

Fährt die Mannschaft zusammen in einem Bus zum Spiel? Wird für die Fans ein Bus angeboten? Trainer Aytac Uzunoglu ist sich eine Woche nach Bekanntgabe der Staffeleinteilung nicht sicher: „Das Thema ist noch neu. Allerdings bietet sich das an. Es macht ja keinen Sinn, dass wir alle mit dem Auto anreisen werden.“ Aber es war in der Vergangenheit auch schon so: Spieler, die bedeutend näher am jeweiligen Spielort wohnen, mussten nicht zur Abfahrt zur Karlstraße kommen. Uzunoglu nannte da das Beispiel Christopher Ebeling. Der Keeper wohnt in Soest. Wenn im Kreis Hamm gespielt wurde, musste er ja nicht erst nach Castrop-Rauxel fahren.

Müssen jetzt längere Auswärtsfahrten ihrer Spieler organisieren: die Wacker-Trainer Aytac Uzunoglu (l.) und Steffen Golob.

Müssen jetzt längere Auswärtsfahrten ihrer Spieler organisieren: die Wacker-Trainer Aytac Uzunoglu (l.) und Steffen Golob. © Volker Engel

In der Westfalenliga ist es noch komplizierter. Bis auf die Besuche bei den „Nachbarn“ SV Sodingen (Distanz: 2,7 Kilometer) und TuS Bövinghausen (4 km). Dorthin hatte ja im letzten Jahr der ehemalige Vorsitzende Elmar Bök mit einigen Wacker-Freunden nebst Bollerwagen und Erfrischungen einen Wandertag eingelegt. Auf diese Fan-Basis ist Wacker Obercastrops Vorsitzender Martin Janicki besonders stolz: „Unsere Anhänger werden immer mehr. Sie haben sich sogar ein Trikot von uns bestellt.“

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Janicki sagte auch, dass Planungen für gemeinsame Reisen zu entfernten Spielorten angedacht sind. Vor allem die sauerländischen Gegner, FC Lennestadt (111 km/rund 90 Minuten Fahrtzeit) und FSV Gerlingen (95 km), liegen da im Fokus. Steffen Golob, Sportlicher Leiter und Co-Trainer der Obercastroper, erzählte dazu: „Da können wir mit einem gemeinsamen Frühstück anfangen, die Spielerfrauen einen Aktiv-Tag zum Beispiel an der Lenne im Sauerland machen und mit einem Abendessen den Spieltag ausklingen lassen.“

Die Übersicht der Wacker-Fahrten.

Die Übersicht der Wacker-Fahrten. © Sauerland / Lukas

Ansonsten sind die Spielorte beim FC Iserlohn mit Neuzugang Dustin Wurst (vom FC Frohlinde), Borussia Dröschede oder der SC Neheim mit 50 bis 60 Kilometer Fahrstrecke gut mit dem PKW zu erreichen. Größere Kilometer-Ausreißer gibt es nicht. So zählen der DSC Wanne-Eickel (16,5 km), Concordia Wiemelhausen oder TuS Hordel (20 km) zur gefühlten Nachbarschaft.

In Englischer Woche über die A45 ins Sauerland

Die Verantwortlichen wollen es den Spielern überlassen, ob sie überhaupt mit dem Bus mitfahren möchten. Golob, der das Organisatorische in den Händen hält, meinte: „Das sollen die Spieler selbst entscheiden. Und wir müssen ja erst abwarten, ob wir bei den Englischen Wochen mittwochs vielleicht im Sauerland antreten müssen. Dann würden die Spieler über die A45 vielleicht am Abend lieber mit dem Auto fahren, um schneller zuhause zu sein.“

Auf jeden Fall wird die Westfalenliga ein neues und zeitaufwändiges Abenteuer. Auf alle Auswärtsspiele umgerechnet werden sich die Wackeraner bei rund 660 Kilometern elf Stunden in Bus oder Auto aufhalten. Eine Strapaze, die zum Beispiel Vereins-Chef Janicki gerne auf sich nimmt. Er schwärmte: „Ich hätte das nie gedacht, als ich vor Jahren aus der Jugend hochgezogen wurde und in der Ersten Mannschaft gegen den Abstieg in die Kreisliga B spielen musste. Heute sind wir als bester Castrop-Rauxeler Verein auf Verbandsebene am Ball.“

Der Wacker-Vorsitzende Martin Janicki (l.) ist traurig, dass der kürzlich verstorbener langjährige Geschäftsführer Theo Schürhoff die Westfalenliga-Ära des Vereins nicht mehr erleben konnte.

Der Wacker-Vorsitzende Martin Janicki (l.) ist traurig, dass der kürzlich verstorbener langjährige Geschäftsführer Theo Schürhoff die Westfalenliga-Ära des Vereins nicht mehr erleben konnte. © Volker Engel

Gedanken an Theo Schürhoff

Eines war dem Vorsitzenden auch noch wichtig zu erwähnen: „Schade, dass unser kürzlich verstorbener langjähriger Geschäftsführer Theo Schürhoff, als Wacker-Urgestein, das nicht mehr erleben durfte. Wenigstens eine Saison hätte ich es ihm noch so gewünscht.“

Denn es wird schon etwas Besonderes für den heimischen Verein auf Verbands-Ebene. Nicht nur wegen der weiten Fahrten. Sportlich kommt einiges auf das Team aus der Erin-Kampfbahn zu. Trainer Aytac Uzunoglu hat sich schon drei Favoriten aus dem großen Kreis herausgepickt: „Für mich ist der DSC Wanne der Top-Favorit, gefolgt vom TuS Hordel und dem TuS Bövinghausen.“ Die Dortmunder Vorstädter sind ja als Tabellenzweite hinter Obercastrop mit in die Westfalenliga gekommen. Uzunoglu weiter: „Wenn die sich mit ihren Stars zu einem Team finden, werden die ganz oben mitmischen.“

Neben Bövinghausen, Borussia Dröschede, Spvg Hagen und RW Deuten sind die Obercastroper das fünfte neue „Pferd“ auf der Rennbahn Westfalenliga. Wie können die Europastädter das Tempo mitgehen? Im Umfeld der Erin-Kampfbahn ist man sicher, dass die Formation gut mithalten kann. Das Wacker-Team ist eine gewachsene Einheit, in der viele Spieler schon höherklassige Erfahrungen gemacht haben.

Dass sich nicht nur die Obercastroper um die Fahrtstrecken kümmern, zeigt eine Nachricht auf der Homepage des FSV Gerlingen. Die Sauerländer haben zum Beispiel noch einen größeren Packen an Kilometern vor der Brust. Dort ist zu lesen: „Die beiden Aufsteiger aus Dröschede und Hagen sind uns aus früheren Duellen bekannt. Neu sind der SV Wacker Obercastrop, der SV RW Deuten (nördlich von Dorsten) und der TuS Bövinghausen. Deuten dürfte mit 145 km einfache Fahrt die längste Auswärtsfahrt werden.“

So lang sind die Wacker-Auswärtsfahrten

  • 2,7 km: SV Sodingen
  • 4,0 km: TuS Bövinghausen
  • 16,5 km: DSC Wanne-Eickel
  • 18,0 km: Conc. Wiemelhausen
  • 20,0 km: DJK TuS Hordel
  • 21,0 km: FC Brünninghausen
  • 26,0 km: BSV Schüren
  • 30,0 km: YEG Hassel
  • 34,0 km: BV Westfalia Wickede
  • 40,0 km: FC Bor. Dröschede
  • 40,3 km: SV Hohenlimburg
  • 41,0 km: SpVg. Hagen 11
  • 47,0 km: SV RW Deuten
  • 51,0 km: FC Iserlohn
  • 65,0 km: SC Neheim
  • 95,0 km: FSV Gerlingen
  • 111,0 km: FC Lennestadt
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