Jennifer Heckert kämpft gegen das schlechte Image des Sportkegelns

Was macht eigentlich...?

Anfang der 2000er-Jahre war Jennifer Heckert eine der besten Sportkeglerinnen Deutschlands. Allerdings störte die Castrop-Rauxelerin das schlechte Image ihres Sports - bis heute.

Castrop-Rauxel

, 24.07.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jennifer Heckert kämpft gegen das schlechte Image des Sportkegelns

Jennifer Heckert wurde U23-Weltmeisterin im Einzel der Sportkeglerinnen. © Archiv

Fußball, Handball, Basketball, Tennis, liegen schon immer im Trend, wenn es bei Kindern darum geht, einen Sport zu finden. Bei Mädchen gehören auch Turnen, Reiten oder Ballett dazu - Sportkegeln eher nicht. Das hat die Castrop-Rauxelerin Jennifer Heckert trotzdem nicht abgeschreckt, eben diesen Sport in den 1990er-Jahren für sich zu entdecken - und dabei zu bleiben. Es war die richtige Entscheidung.

Gekegelt hat sie auf Topniveau, wurde U23-Weltmeisterin im Einzel und holte weitere Medaillen bei Weltmeisterschaften und deutschen Titelkämpfen. Jennifer Heckert versichert: „Dass Sportkegeln in der breiten Öffentlichkeit nur wenig wahrgenommen wurde, hat mich nicht weiter gestört. Geärgert hat mich allerdings, wenn Leute ohne wirkliche Ahnung abschätzig behauptet haben, dass Sportkegeln kein richtiger Sport ist.“

Trainer musste Heckert am Disko-Besuch hindern

Denn beim Sportkegeln sind, wie in jeder anderen Sportart, Talent, Ehrgeiz und Training gefragt, um an die Spitze zu gelangen, bei Meisterschaften auf nationaler und internationaler Ebene, in der Bundesliga, oder bei Ländervergleichs-Kämpfen spielen zu dürfen. Jennifer Heckert hatte Talent. Sogar so viel, dass sie es mit dem Training nicht übertreiben musste. Wenngleich: „Als Jugendliche, die irgendwann auch Diskos toll fand, musste mich mein Trainer manchmal daran erinnern, dass ohne Training nichts geht.“

Zum Sportkegeln ist Jennifer Heckert eher zufällig gekommen: „Als ich zwölf Jahre alt war, gab es in Castrop-Rauxel das Casterix-Programm, mit dem die Kinder verschiedene Sportarten ausprobieren konnten. Bei meiner Runde landete ich irgendwann bei Ottilie Kraemeyer und dem Sportkegeln. Die Trainerin fand, dass ich Talent habe, obwohl ich die kleine Kugel anfangs oft zwischen die Kegel durchspielte ohne dass eine Puppe umfiel. Ich hatte aber schnell den Bogen raus, setzte die Kugel anders auf und schon purzelten die Kegel“, sagt Jennifer Heckert.

Jennifer Heckert kämpft gegen das schlechte Image des Sportkegelns

Jennifer Heckert ist heute Senior Vertriebsbeauftragte bei einer Dortmunder Logistikfirma. © Jennifer Heckert

Alsbald zeigte die Leistungskurve der Castroperin steil nach oben. Im Jahr 1998 berichtete die Westdeutsche Kegler-Rundschau von einem Ländervergleichskampf zwischen den Niederlanden und Westdeutschland in Kerkrade lobend: „Jennifer Heckert war der Star des Tages und setzte mit 810 Holz das Glanzlicht.“

Für die SK Castrop-Rauxel spielte sie in Mannschaften und bei Meisterschaften, später bei der VHK Herne und in der Bundesliga für Fortuna Lünen. Im Jahr 2000 spielte Jennifer Heckert dann als erste Europastädterin bei einer Weltmeisterschaft. In Oberthal stellte sie im Tandem mit Kerstin Hens mit 679 Punkten einen heute noch gültigen deutschen Rekord für U23-Juniorinnen auf. Der sportliche Höhepunkt im belgischen Eupen: Jennifer Heckert wurde U23-Weltmeisterin im Einzel. „Von deutschen Titelkämpfen kehrte ich nie ohne Medaille zurück“, sagt Heckert.

Das frühere Karriereende der erfolgreichen Sportkeglerin

Obwohl erst 24 Jahre alt, beendete Jennifer Heckert im Jahr 2002 ihre Karriere als Sportkeglerin. Das lag nicht an der vielen Fahrerei zu den Bundesliga-Spielen. Vielmehr schmerzten Knie und Hüfte immer öfter heftig. „Also habe ich die Reißleine gezogen und Schluss gemacht mit dem Sport, um nicht vielleicht irgendwann operiert werden zu müssen.“ Aktuell kegelt sie zwar weiter, nach eigener Aussage „aber nur noch zum reinen Freizeitvergnügen“.

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In Castrop-Rauxel wohnt Jennifer Heckert nicht mehr. „Ich habe in Castrop-Rauxel trotz längerer Suche keine passende Wohnung gefunden und bin dann eben in die Nachbarschaft gezogen.“ Die dortige Bleibe ist jedoch auch nur noch so etwas wie der Zweitwohnsitz für die Senior Vertriebsbeauftragte, die seit über 18 Jahren bei der Dortmunder Logistikfirma proLogistik beschäftigt ist. „Mein Lebensgefährte lebt in Halle und im Vertrieb ist es fast egal, wo man seine Arbeit verrichtet. Daher pendel ich zwischen der Heimat, Dortmund und Halle.“

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