Tennisspieler lüften Geheimnis: So viel Geld fließt an die Spitzenspieler

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Es ist ein offenes Geheimnis in der Tennis-Szene: Spieler werden dafür bezahlt, dass sie für einen bestimmten Verein spielen. Wir haben herausgefunden, um wie viel Geld es dabei geht.

Castrop-Rauxel

, 29.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Akteure und Funktionäre sprechen meist nur hinter vorgehaltener Hand über dieses Thema Halbwegs konkrete Summen werden kaum genannt. Aber das Motiv scheint allen gemein: bezahlte Gastspieler sollen die heimische Mannschaft entweder in eine höhere Amateur-Spielklasse bringen oder sie dort halten.

Als die Herren des TC GW Frohlindes im Jahr 2016 noch einmal in die Westfalenliga zurückkehrten, sicherte man sich an der Merklinder Straße die Dienste von Yuri Soberon. 700 Kilometer legte der Belgier an seinen Einsatz-Sonntagen zurück. Dass der heute 43-Jährige das nicht bloß für ein kühles Bier und ein paar warme Worte tat, liegt auf der Hand.

Ein Festbetrag für den Antritt sowie eine Prämie im Erfolgsfall

„Nach dem Aufstieg brauchten wir Verstärkung, unser damaliger Geschäftsführer hat damals den Kontakt hergestellt“, erklärt Ex-Kapitän Endric Hetterscheid, „eine konkrete Summe, was Yuris Einsätze angeht, kenne ich aber nicht.“ Vom Prinzip laufe es aber stets gleich. „Üblich ist ein Betrag für das Antreten am Spieltag, sowie eine Prämie, falls der Spieler sein Einzel gewinnt“, erläutert Hetterscheid.

Dreimal kam Soberon damals zum Zuge, Frohlinde stieg trotzdem ab. „Ich weiß von Bekannten, dass in höheren Ligen kleine, vierstellige Summen pro Spieltag gezahlt werden“, verrät Hetterscheid. Auch Ulrich Viefhaus, damals GW-Sportwart, inzwischen zudem Vorsitzender, kann keine konkreten Zahlen nennen. „Das Honorar für Soberon stammte von externen Sponsoren“, betont er, „das Thema bezahlte Spieler ist für uns nun abgeschlossen.“

Bezahlte Akteure und Vereine finden entweder durch Beziehungen oder konkrete Anfragen bei den Vereinen zueinander. Nicht nur die Beträge sind frei verhandelbar, ebenso die Anzahl der Einsätze sowie gesonderte Prämien für Einzel-, Doppel- oder Mannschaftssiege.

Keine Gelder für den jungen Ukrainer Vadym Ursu beim TuS Ickern

Tennis-Platzhirsch in Castrop-Rauxel ist derzeit der TuS Ickern. Sowohl die Herren als auch die Damen stiegen mit spielerischer Leichtigkeit aus der Verbands- in die Westfalenliga auf. Mit sechs Einzelsiegen hatte der junge, ukrainische Spitzenspieler Vadym Ursu (Jahrgang 1997) deutlichen Anteil am sportlichen Erfolg des TuS Ickern.

Prämien oder andere geldwerte Vorteile sollen am Kattenstätter Busch jedoch nicht geflossen sein, erklären Geschäftsführer Heiko Sobbe sowie die beiden Abteilungsleiter Ralph Potthof-Kowol und Andreas Schumacher unisono. Lediglich die Auslagen der Spieler für Reisekosten und Verpflegung bei Mannschaftsspielen würde der Verein erstatten. Und zwar allen Spielern.

„Es gibt nur zwei Schnitzel und eine Tankfüllung“, rechnet Sobbe vor, „das macht bei einem Spiel in Herford rund 100 Euro.“ Außerdem habe der junge Ukrainer jederzeit die Möglichkeit auf der TuS-Anlange zu trainieren.

Tennisspieler lüften Geheimnis: So viel Geld fließt an die Spitzenspieler

Vadym Ursu hatte mit sechs Einzelsiegen einen großen Anteil am Erfolg des TuS Ickern. Ein Honorar bekam er laut dem Verein für seine Einsätze nicht. © Volker Engel

Also keine Gelder? Keine Sponsoren? Kein Sponsorenpool? Kein dem Verein verbundenes Unternehmen, das Geld dafür gibt? Keine Übernahme von Turniergebühren und Reisekosten bei Einzelturnieren? Alle TuS-Funktionäre verneinen. Ursu, Nummer 74 der deutschen Rangliste, habe bei seinem Trainer Oleg Mannapov zudem die Verpflegung und Übernachtung frei. Das sei dann aber auch alles.

Auch die drei neuen EU-Ausländer im Team würden nicht bezahlt. Weder Vakso Mladenov (Bulgarien/Jg. 1989/Nummer 115), noch Dan-Alexandru Tomescu (Rumänien/1999) oder Ivan Kosec (Slowakei/1991/246). „Wir sind nicht wie andere Vereine“, betont Schumacher. Und Potthof-Kowol ergänzt: „Dan ist ein ganz toller Typ, der kommt ja auch nicht bloß für ein Spiel hierher.“

Vereinstrainer Emil Hnat habe immer noch ausgezeichnete Kontakte nach Rumänien, fügt Sobbe ein: „Er fragt dann seine Trainerkollegen, wer vielleicht gerade für ein Turnier hier sei und Lust habe für uns zu spielen.“ Die Spritkosten von Westfalenliga-Spielerin Laura Hnat, um Tomescu vom Flughafen abzuholen, habe der Verein übernommen.

So viel verdiente ein Spitzenspieler beim RV Rauxel

Doch selbst in den höchsten Altersklassen wird Geld in die Hand genommen, um höhere Spielklassen zu bespielen. Georg Sonsalla schlug 2016 bei RV Rauxels Herren 70 in der Regionalliga auf. „Rund 2000 Euro inklusive sämtlichen Kosten hat er bei uns für die Saison gekriegt“, verrät RVR-Kapitän Rolf Harms, der damit kein Problem hat, „das Geld haben wir Spieler selbst aufgebracht.“

Inzwischen halten sich die Rauxeler auch ohne ihn in der Regionalliga – bei den Herren 75. Die für diese Saison geplante Rückkehr Sonsallas zur Wartburginsel könnte am Geld gescheitert sein. Bei Espelkmap-Mittwald sei mit einem Saison-Honorar im niedrigen fünfstelligen Bereich zu rechnen, so Harms.

Tennisspieler lüften Geheimnis: So viel Geld fließt an die Spitzenspieler

Georg Sonsallas Einsätze ließen sich die Spieler des RV Rauxel einen vierstelligen Betrag kosten. © Angelika Thiele

Natürlich existieren weitere Möglichkeiten, wie Vereine Spitzenspieler an sich binden können. 1998 schwang der Australier Adam Barnes erstmals den Schläger für den TC GW Frohlinde. Eigentlich war er nach Europa gekommen, um eine Profikarriere zu beginnen, wurde dann Trainer und Spitzenspieler an der Merklinder Straße. „Soweit ich weiß, ist für Adams Spiele niemals Geld geflossen“, sagt Hetterscheid, „auch seine australischen Kumpel haben bloß für Kost und Logis gespielt.“

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Dass Barnes in Frohlinde sowohl als Trainer wie auch als Spitzenspieler antrat, wurde offenbar von ihm erwartet. „Das ist nicht überall so, das ist aber auch manchmal Wunsch des Vereins. Das ist also nicht unüblich“, so Barnes. Als er 2017 zum Huckarder TC wechselte, betonte er noch: „Ich verdiene mein Geld als Trainer, nicht als Spieler.“ Inzwischen hat sich das geändert. Der Australier tritt in diesem Sommer für die Herren 30 des TC Eintracht Dortmund in der Regionalliga an. „Bei Eintracht spiele ich natürlich für Geld“, so Barnes, „wie viel das ist, muss man nicht unbedingt wissen.“

Die Einsätze von Tiro Vilen wurden mit Überschüssen finanziert

Etwas konkreter werden die Zahlen im Fall des Finnen Tiro Vilen, der in den 2000er-Jahren für den RV Rauxel aufschlug. Der RVR-Vorsitzende Günther Scheuermann berichtete, dass der Verein für Vilen für die Flüge aufkam, zudem einen Gebrauchtwagen besorgte und aus den Überschüssen des Vereinsmagazins „Die Insel“ fiel auch noch ein Trainer-Honorar ab. „Inzwischen geben wir das Doppelte für unsere Jugendarbeit aus“, sagt Scheuermann, „als Vorsitzender muss man rechnen können, was wichtiger ist.“

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Ebenfalls Geld mit dem Tennissport verdient Andreas Thivessen. Er spielt im Winter für den TC GW Frohlinde in der Verbandsliga. Im Sommer greift der mehrfache Hallen-Westfalenmeister in der Bundesliga zum Schläger, für die Herren 30 des TV Espelkamp-Mittwald. 2017 wurden sie Meister.

„Ein höherer dreistelliger Betrag“, antwortet Thivessen auf die Frage nach seinem Salär beim Bundesligisten, „ich bin mit meinem Vertrag zufrieden, weil das Gesamtpaket stimmt.“ Die Mannschaft reise am Abend vor den Auswärtsspielen an und unternehme gemeinsam was vor Ort.

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Andreas Thivessen spielt aus Leidenschaft für den TC GW Frohlinde. Sein Geld im Tennissport verdient er woanders. © Volker Engel

Ehemalige Top-100-Weltranglistenspieler, wie Henri Leconte oder Stefan Koubek, kämen auf ganz andere Summen. „Das können schon 4000 oder 5000 Euro pro Spieltag sein“, so Thivessen.

Und schließlich gehe es ihm nicht nur ums Geld. Für sein Winter-Engagement in Frohlinde gebe es keinerlei finanzielle Anreize. Seit 2002 spielt er – mit dreijähriger Unterbrechung - für Frohlinde unter dem Hallendach. Thivessen sagt: „Ich würde auch für ein paar hundert Euro nicht wechseln, weil es mir in Frohlinde einfach zu viel Spaß macht.“

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