Wirtschaftliche Einbußen für Fußballvereine – werden die Spieler weiter bezahlt?

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Der Lockdown könnte auch für die Fußballvereine zur wirtschaftlichen Herausforderung werden. Doch was bedeutet das für Vereine, die ihren Spielern Prämien und Aufwandsentschädigungen zahlen?

Castrop-Rauxel

, 07.11.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kein Fußball auf unbestimmte Zeit. Das scheint die Perspektive, mit der sich die Fußballvereine in Castrop-Rauxel aktuell auseinandersetzen müssen. Zwar ist auch der Sport-Lockdown vorerst lediglich bis Ende November begrenzt, ob die Saison danach aber ohne Weiteres fortgesetzt werden kann, erscheint äußerst zweifelhaft.

Für die Vereine, die ihren Spielern Aufwandsentschädigungen oder gar Prämien zahlen, könnte der Lockdown auch zu einem wirtschaftlichen Problem werden. Doch wie ist die Situation in Castrop-Rauxel? Wir haben uns umgehört.

Martin Janicki (Vorsitzender des Westfalenligisten SV Wacker Obercastrop): „Wir besprechen bald mit dem Mannschaftsrat wie es sich mit den Zahlungen verhält. Mit den Trainern haben wir Verträge mit Laufzeit. Daher werden sie weiterhin bezahlt. Unsere Spieler sind eine Sport-Leistungs-Vereinbarung mit uns eingegangen. Jetzt ist es im November anders als noch beim generellen Lockdown ab März. Denn sie haben ein Trainingsprogramm aufbekommen, das überprüft wird. Deshalb werden wir für die Vergütung eine Lösung suchen.“

Im Frühling war es noch so gewesen, dass sich Janicki mit einem vierseitigen offenen Brief an die Spieler seines Kaders gewandt hatte - mit der vollen Unterstützung der Trainer Aytac Uzunoglu und Steffen Golob. Darin stellt er die Lage dar, in der sich der Club aktuell ohne Einnahmen befindet - und die Situation mit den durch die Sportplatzrenovierung fehlenden Heimspiele meistern musste. Janicki erklärte plausibel, warum sein Club bis zum Ende des Lockdowns Aufwandsentschädigung zahlen könne.

Janicki legt Wert darauf zu erklären, dass keiner der Spieler Vertragsamateur sei und die Kicker für ihren Lebensunterhalt nicht von der Aufwandsentschädigung abhängig seien. Der Vorsitzende erklärt: „Einige unserer Spieler können damit vor allem ihre Spritkosten decken und machen in ihrem Hobby kein Minus.“

Martin Janicki, der Vorsitzende und Stadionsprecher des SV Wacker Obercastrop.

Martin Janicki, der Vorsitzende und Stadionsprecher des SV Wacker Obercastrop. © Jens Lukas

Sphend („Siggi“) Morina (Sportlicher Leiter des Landesligisten FC Frohlinde: „Im März hatten alle Spieler auf ihre Aufwandsentschädigung verzichtet. Ich bin noch nicht so lange dabei und habe mir das sagen lassen. Ich denke, so wird es jetzt auch so im November - solidarisch. Denn die Mannschaft hat kein Training und keine Spiele. Der Verein hat keine Einnahmen, also können wir auch kein Geld ausgeben.“

Peter Wach (Geschäftsführer des Bezirksligisten Spvg Schwerin): „Wir zahlen unseren Spielern grundsätzlich nur eine Aufwandsentschädigung. Dazu zählen beispielsweise Fahrt- und Spritkosten. Angesichts des neuerlichen Lockdowns werden wir uns mit dem Mannschaftsrat in einer Videokonferenz über das weitere Vorgehen austauschen. Da durch den Wegfall von Trainingseinheiten und Spielen allerdings auch kein Aufwand für die Jungs entsteht, muss normalerweise aber auch keine Entschädigung gezahlt werden. So haben wir es auch im Frühjahr schon gehandhabt und damit hatten die Spieler damals schon überhaupt kein Problem, deshalb werden wir es nun vermutlich ähnlich handhaben.“

Der Geschäftsführer der Spvg Schwerin will in einer Videokonferenz mit dem Mannschaftsrat über das weitere Vorgehen beraten.

Der Geschäftsführer der Spvg Schwerin will in einer Videokonferenz mit dem Mannschaftsrat über das weitere Vorgehen beraten. © Volker Engel

Björn Klieve (Vorsitzender des Bezirksligisten SG Castrop): „Als Bezirksliga-Mannschaft bewegen sich die finanziellen Aufwendungen im Bereich der Mannschaft lediglich in einem kleinen Rahmen. Unsere Spieler haben keine Verträge und bis auf die Fahrtkosten gibt es für die Jungs auch keinerlei Erstattungen. Deshalb haben wir mit diesem Thema glücklicherweise momentan gar keine Last. In unserem Fall hält sich zudem auch der wirtschaftliche Schaden durch den Lockdown in Grenzen. Durch den fehlenden Spielbetrieb haben wir zwar keine Einnahmen, allerdings entstehen auch keine zusätzlichen Kosten, beispielsweise durch die Entschädigung für die Schiedsrichter. Aus diesem Grund halten sich die Einnahmen und Ausgaben momentan bei uns durchaus die Waage.“

Für die SG Castrop-Rauxel entstehen laut dem Vorsitzenden Björn Klieve durch den Lockdown keine wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Für die SG Castrop-Rauxel entstehen laut dem Vorsitzenden Björn Klieve durch den Lockdown keine wirtschaftlichen Schwierigkeiten. © Jens Lukas

Uwe Blase (Vorsitzender FC Castrop-Rauxel): „Zu finanziellen Aspekten möchte ich mich in der Öffentlichkeit eigentlich nicht äußern. Das sind private und vertrauliche Angelegenheiten, die es zwischen dem Verein und den jeweiligen Spielern zu klären gilt. Das habe ich in meiner aktiven Zeit schon so gemacht und werde es nun auch als Vorsitzender auf diese Art und Weise weiterführen.“

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