Corona bedroht den Olympia-Traum dreier Dorstener

hzTokio 2020

Dabei sein ist alles, heißt es so schön über die Olympischen Spiele. Für drei Dorstener steht dieser Lebenstraum auf dem Spiel. Nicht wegen ihrer sportlichen Leistung, sondern wegen Corona.

Dorsten

, 18.03.2020, 05:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Alles lief gut für Christopher Reinhardt im Trainingslager auf dem Lago Azul in Portugal. Trotzdem ist die Stimmungslage bei dem Dorstener Weltklasse-Ruderer aktuell gedrückt. Denn ob er sein großes Ziel, die Teilnahme an den Olympischen Spielen von Tokio in diesem Sommer erreicht, steht in den Sternen.

Wie gesagt: Nicht, weil Reinhardt nicht die erforderliche Leistung brächte. Nachdem er seinen Platz im Deutschland-Achter verloren hatte, zeigten er und seine neuen Bootskameraden im Doppelvierer sich in Portugal in sehr guter Verfassung. Doch dann kam Corona.

Kein Tag in der vergangenen Woche verging ohne Hiobsbotschaft, eine Absage reihte sich an die andere. Der erste Weltcup, dann der zweite und der dritte – abgesagt. Und schließlich traf es dann auch die finale Olympia-Qualifikation. Vom 17. bis 19 Mai hätten sich Christopher Reinhardt und Co. dabei auf dem Rotsee in Luzern ihren Startplatz in Tokio erkämpfen sollen. Doch daraus wird nun nichts. Aus. Aber auch vorbei?

Das hat der Weltruderverband FISA am Dienstag mit dem Internationalen Olympischen Kommitee besprochen. Gemeinsam sollten neue Kriterien für die Olympia-Qualifikation erarbeitet werden. Das Ergebnis? Noch sehr unverbindlich. Doch damit hatte Christopher Reinhardt schon gerechnet.

Christopher Reinhardt

Christopher Reinhardt (M.) weiß noch nicht, wie die Qualifikation für Olympia ablaufen soll. © Detlev Seyb

Die Entscheidung soll nach unseren Informationen bis zum 5. April fallen“, erklärte Reinhardt im Gespräch mit unserer Redaktion. Am Montag war der Dorstener mit dem Team Deutschland-Achter wieder in Düsseldorf eingetroffen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte die Athleten wegen Corona nach Hause beordert. „Ob unsere Boote überhaupt aus Portugal raus kommen, müssen wir sehen“, sagte Reinhardt. Wenn ja, dann soll ab Donnerstag wieder am Dortmunder Leistungsstützpunkt trainiert werden.

„Wir trainieren auf jeden Fall weiter“, gibt sich Reinhardt kämpferisch. Die aktuelle Situation sei natürlich bitter, sagt er, doch der 22-Jährige geht die Sache auch mit viel Pragmatismus an: „Ich habe es mir zum Grundsatz gemacht, mich nur über Dinge aufzuregen, die ich selbst beeinflussen kann. Und das kann ich in diesem Fall nicht.“

Um einen Startplatz bei Olympia kämpfen würde auch Christina Honsel gerne. Wie Christopher Reinhardt hat auch die Dorstener Hochspringerin vom TV Wattenscheid das Tokio-Ticket noch nicht in Händen und wird von Corona nun mächtig zurückgeworfen.

Christina Honsel

Hochspringerin Christina Honsel braucht Meetings. Doch die werden gerade reihenweise abgesagt. © imago images / Beautiful Sports

„Es gibt zwei Wege zur Qualifikation“, erklärte sie uns am Dienstag: „Entweder ich springe 1,96 m. Dann bin ich automatisch qualifiziert. Doch das ist schon ein ganz schönes Brett.“ Honsels Bestleistung liegt derzeit bei 1,92 m.

Der andere Weg schien realistischer: bei gut besetzten Leichtathletik-Meetings mit guten Leistungen die nötigen Punkte sammeln, um sich übers Ranking einen Platz für Tokio zu sichern. Doch von diesen Meetings sind zwei nun schon Corona zum Opfer gefallen, und wie es mit den anderen aussieht, ist zumindest fraglich.

Auch Christina Honsel – wie Christopher Reinhardt am Montag vorzeitig aus einem Trainingslager zurückgekommen – will versuchen, „so gut wie möglich weiterzutrainieren. Doch die Motivation“, sagt sie, „ist natürlich erst einmal im Keller.“

Jetzt lesen

Mit Tokio schon fast abgeschlossen hat unterdessen einer, der sein Ticket für Olympia bereits in der Tasche hat: Jason Osborne. „Ich gehe ganz ehrlich davon aus, dass es mit Olympia so kommen wird wie mit den Weltcups“, sagt der Ruderer. Er weiß, dass das für die eigene Motivation „eigentlich falsch“ ist, und hält das Training auch in vollem Umfang aufrecht. Zumindest auf dem Ergometer.

Dass die Einheiten auf dem Wasser fehlen, fürchtet er nicht: „Jonathan Rommelmann und ich sind mit nur ein paar Hundert Trainingskilometern Europameister geworden. Solange die Physis nicht verloren geht, mache ich mir keine großen Sorgen.“

Moritz Moos und Jason Osborne

Jason Osborne (r.) war mit Moritz Moos (l.) schon 2016 in Rio de Janeiro bei Olympia dabei. Er gehört in Tokio zu den Medaillen-Kandidaten. © picture alliance / dpa

Womit aber auch die Krux für Osborne deutlich wird: Er und sein Partner gehören im Leichtgewichts-Doppelzweier zu den Medaillen-Kandidaten. Eine solche Chance lässt man nicht mit einem Achselzucken ziehen. Jason Osborne hat deshalb auch seine Zukunfstpläne der Lage angepasst. Eigentlich wollte er nach Tokio aus dem Boot aufs Rennrad umsteigen. „Aber wenn die Olympischen Spiele nun um ein oder zwei Jahre verschoben werden, wäre das nicht so schlau.“ Osborne bliebe dann Ruderer, um die Chance auf die Olympia-Medaille zu nutzen.

Einen Funken Hoffnung auf Spiele in diesem Sommer hat er zudem noch: „Da hängt so viel dran. Die werden alles versuchen, die Spiele stattfinden zu lassen.“ Doch genau deshalb werde die Entscheidung auch sehr spät fallen. Bis dahin gelte: „Hoffen wir das Beste!“

Lesen Sie jetzt