Corona macht’s nötig: Schermbecker rast virtuell über den Nürburgring

hzMotorsport

Corona legt selbst Motoren lahm. Am Nürburgring wurden die Rennen der Langstreckenserie auf der Nordschleife abgesagt. Doch es gibt eine Alternative für die Fans. Digital im Internet.

Schermbeck

, 09.04.2020, 09:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die VLN-Langstreckenserie ist tot. Es lebe die „Digitale Nürburgring-Langstreckenserie powered by VCO“! Nachdem die Corona-Krise auch das Renngeschehen auf dem Nürburgring lahmgelegt hat, haben die Veranstalter der Langstreckenrennen auf der legendären Nordschleife aus der Not eine Tugend gemacht und eine virtuelle Rennserie ins Leben gerufen. Bei der Premiere im März verfolgten 80.000 Fans den Livestream, beim zweiten Rennen war dann auch der Schermbecker Moritz Oberheim dabei – als Fahrer.

In dem illustren Starterfeld befanden sich mit Mike Rockenfeller (Phoenix Racing eSport), Timo Scheider (Team Nürburgring), Bruno Spengler (Team BMW Bank) und Martin Tomczyk (BMW Team Green Hell) gleich vier ehemalige DTM Champions. Moritz Oberheim startete bei seiner virtuellen Premiere für „Manthey-Racing“. Der Traditionsrennstall aus der Eifel feierte mit einem Porsche 911 GT3 Cup sein eSport-Debüt in der Klasse Cup 2. Seinen Startplatz erkämpfte sich Oberheim zuvor durch einen Sieg bei einem firmeninternen Ausscheidungsrennen.

Jetzt lesen

An seinem alten Rennsimulator zu Hause in Schermbeck begann für Oberheim am frühen Samstagmorgen sein erstes virtuelles Rennabenteuer mit dem „Teamspeak“, also der Fahrerbesprechung im Chatbereich der Simulationsplattform. Mit dabei waren, ebenfalls von ihrem jeweiligen Zuhause aus, seine Teamkollegen Matt Campbell, Porsche Werksfahrer aus Australien, und der erfahrene deutsche SimRacer - also Simulations-Rennfahrer - Martin Krönke.

Startfahrer Campbell stellte den Boliden im Qualifying mit der passablen Rundenzeit von 8:06 Minuten auf Platz fünf in der Klasse, obwohl er in seiner „fliegenden Runde“ extrem viel Verkehr hatte.

Kollision kostet auch im virtuellen Rennen Sekunden

Moritz Oberheim verfolgte den Start aus verschiedenen Perspektiven am Bildschirm mit, musste aber leider zum Ende von Campbells Turn dessen Kollision miterleben die mit einer Zeitstrafe von 55 Strafsekunden geahndet wurde. Diese musste der Schermbecker dann nach seinem Wechsel ins Cockpit zuerst an der Box „absitzen“, bevor er selbst dem virtuellen Feld hinterher jagen durfte.

Unterwegs fühlte er sich noch nicht so recht wohl und vermisste auf der Strecke vor allem das gewohnte Cockpitgefühl. „Das fühlt sich für mich noch nicht so richtig an. Mir fehlt zum Beispiel der Pedaldruck auf der Bremse und der Widerstand am Lenkrad. Ich fühle mich wie bei meinem allerersten Autorennen.“

Trotzdem kämpfte er sich von Position sieben aus bis zur fünften Rennrunde weiter nach vorn, doch dann verließ ihn bei der Einfahrt zur „Hohenrain-Schikane“ das Rennglück. Er kam zu weit auf die rot-weißen „Curbs“ am Fahrbahnrand, war ab da nur noch Passagier und schlug in die Leitschiene ein.

Zurück in der Box gelang es dem Team nicht auf Anhieb, das richtige „Fast Repair“-Programm einzuspielen, und so verlor das Team weitere wertvolle Zeit in der Box.

Mit Krönke übernahm ein erfahrener SimRacer

Ab da übernahm Krönke, der sich als erfahrener SimRacer von solchen Zwischenfällen nicht aus der Ruhe bringen ließ. Er brachte den Manthey-Porsche mit kontinuierlich schnellen Runden vom letzten Platz aus wieder nach vorn und fuhr am Ende mit Platz 11 in der Klasse doch noch ein einigermaßen versöhnliches Rennerergebnis ein.

Jetzt lesen

Moritz Oberheim freute sich mit dem Team, das man so trotz aller Beschränkungen Motorsport noch sehr realitätsnah ausüben konnte. Simracing ist zwar kein echter Motorsport, doch das Rennen in der digitalen Welt hat auch dem Schermbecker richtig Spaß gemacht. Er glaubt, mit etwas mehr Übung solche Vorkommnisse vermeiden zu können.

Jetzt will der Schermbecker möglichst schnell viele weitere digitale Runden abspulen und sagt: „Bei meinem Debüt in dieser neuen Rennserie habe ich wichtige Erfahrungen gemacht, die ich gerne bei einer möglichen weiteren Teilnahme mit einem besseren Ergebnis umsetzen würde.“

Lesen Sie jetzt