Das lustigste Elfmeterschießen aller Zeiten?

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Das längste Elfmeterschießen der Welt war es nicht. Doch die schier unglaubliche Fehlschuss-Serie der Altliga-Kicker aus Barkenberg und Schermbeck ist ebenfalls rekordverdächtig.

Dorsten

, 27.08.2019, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den Rekord für das längste Elfmeterschießen aller Zeiten halten der SK Batov und der FC Frystak. In der fünften tschechischen Liga traten sie am 4. Juni 2016 an den Punkt und brauchten sage und schreibe 52 Strafstöße, ehe Batov den Sieg feiern durfte. Der Unterschied zum Halbfinale der Dorstener Altliga-Stadtmeisterschaft? Die Tschechen trafen 43 ihrer 52 Strafstöße, in Barkenberg legten die heimischen Oldies dagegen am Samstag bei der Stadtmeisterschaft eine schier unglaubliche Fehlschuss-Serie hin.

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„Die ersten Vier waren auf beiden Seiten drin“, erinnert sich Barkenbergs Vorsitzender Frank Hofmann an das, was sich im Halbfinale seiner Mannschaft gegen den SV Schermbeck abspielte. Er erinnert sich gut, denn so etwas − und da war Hofmann, nicht der einzige − so etwas hatte er noch nie erlebt.

Ausgerechnet Schnippi patzt

Dann fingen die Fehlschüsse an, und das ausgerechnet mit mir“, schildert Barkenbergs Torwart Andre „Schnippi“ Wienkötter den Beginn der unglaublichen Serie. Er selber hatte daran nicht nur als Schütze großen Anteil. „Schnippi könnte, wenn mal Not am Mann ist, sogar noch in der Ersten mitspielen“, lobt Frank Hofmann seinen Keeper: „Er hat schon vorher überragend gehalten. In der Vorrunde hat er uns gegen den BVH und Lembeck überhaupt erst ins Halbfinale gebracht.“

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Und dort wuchs Schnippi dann über sich hinaus. „Zwei hab‘ ich gehalten“, meint er bescheiden. Denn es habe ja noch viel mehr Fehlschüsse gegeben. Jedes Mal legte Barkenberg vor, und mit jedem Fehlschuss hatte Schermbeck anschließend die Möglichkeit, das Spiel für sich zu entscheiden. Doch jedes Mal vergaben die SVS-Schützen ihren Matchball − insgesamt sechs Mal.

„Dabei standen da doch zum Teil frühere Oberliga-Cracks am Punkt“, wundert sich Frank Hofmann.

Nur einer traf zweimal

Aber auch für die wurde das Tor offenbar immer kleiner, je näher sie dem Neunmeter-Punkt kamen. Und so eröffnete Thomas Schröder den Reigen der Schermbecker Fahrkarten. Ihm folgten Marcus Dargel und Oliver Deus. Selbst Christoph Schmidt, ansonsten der Torschützenkönig des Teams, versagte bei seinem zweiten Strafstoß. Jörg Fröhlich schoss danach buchstäblich „den Vogel ab“. „Den Ball suchen wir heute noch“, sagt Schnippi Wienkötter über Fröhlichs Schuss in die Barkenberger Wolken. Das Schermbecker Leiden hatte damit aber noch kein Ende. Dino Venezia vergab die nächste Chance, Thomas Schröder scheiterte auch bei seinem zweiten versuch, und schließlich musste Jürgen Pliete plötzlich treffen. Denn unter dem − erleichterten? − Jubel der Zuschauer hatte Barkenbergs Frank Hofmann die schier endlose Trefferflaute beendet und nach 14 vergebenen Elfmetern wieder getroffen. „Als einziger zweimal“, wie er nicht ohne Stolz anmerkt.

Zum Trost gab‘s eine Kiste Bier

Kurz darauf war das Elfmeter-Drama dann auf jeden Fall beendet. Jürgen Pliete verschoss für Schermbeck auch den achten Strafstoß in Folge, und Barkenbergs Finaleinzug war perfekt.

Als die Grün-Weißen sich im Endspiel ihre klare 1:5-Niederlage gegen den SV Hardt abholten, saßen die Schermbecker Helden längst bei der Kiste Bier, die die Barkenberger ihnen kredenzt hatten. „Für den einmaligen Unterhaltungswert“, wie SVS-Obmann Oliver Deus augenzwinkernd anmerkt.

Denn schon lange vor dem Ende des einmaligen Strafstoß-Krimis konnten alle Beteiligten darüber vor allem eines: lachen. Und Frank Hofmann meint: „Das war ein Turnier, wie es sein soll: total freundschaftlich, ohne Meckereien und mit sehr guten Schiedsrichtern.“

Und wenn es bei Dorstener Altliga-Stadtmeisterschaften demnächst wieder mal zu einem Elfmeterschießen kommt, dann werden sicher alle sagen: „Weißt du noch?“

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