Der Dorstener Martin Sterzenbach ist ein echter Champion

hzDas Sportportrait

Nach 50 Jahren im Sattel gelang dem in Dorstener Reitlehrer Martin Sterzenbach in diesem Frühjahr der ganz große Coup. Er gewann das deutsche Championat der Berufsreiter im Springen.

Dorsten

, 26.06.2019 / Lesedauer: 4 min

2015, bei seinem ersten Auftritt beim Championat, musste er sich am Ende nur dem späteren Sieger Felix Hassmann geschlagen geben. Ein Jahr später konnte er mit gleicher Platzierung seine Leistung bestätigen. Nach 2017 und 2018 wollte er es in diesem Jahr noch einmal wissen und trat erneut an. Am ersten Turniertag ging der 13-jährige Holsteiner Hengst „Balougraf ESC“ schon hervorragend, und Martin Sterzenbach schuf sich eine gute Ausgangsbasis. Am Freitag schaffte er in dem schweren Springen auf S**-Niveau mit zwei weiteren guten Platzierungen den direkten Einzug ins Finale der drei besten Reiter, das in einem dramatischen Kopf-an-Kopf Stechen endete.

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Nach Nullrunden aller Reiter im ersten Durchgang wurden die Pferde getauscht. Dabei galt es die vier erlaubten Probesprünge bestmöglich zu nutzen. Nach zwei weiteren Durchgängen standen alle auf Gleichstand, doch die Vorjahressiegerin Sandra Auffarhrt legte einen weiteren Null-Fehler-Ritt vor. Bei Michael Gols fiel eine Stange. Dadurch konnte Sterzenbach als letzter Starter mit einem fehlerfreien Ritt ein Stechen um die Meisterschärpe erzwingen. Und das gelang. Jetzt wieder auf eigenem Pferd hatte er nur noch den Gedanken: „Diesmal ist das mein Ding.“

Auffarth patzt am letzten Hindernis

Auffahrt begann die letzte Runde mit einem couragierten Ritt patzte aber beim letzten Hindernis. Jetzt hatte Sterzenbach alle Karten in der Hand und entschied sich statt auf Sicherheit „Vollgas“ zu reiten. „Wenn eine Stange fällt, kann ich durch einen schnelleren Ritt immer noch gewinnen „.Am Ende passte alles zusammen. In einem wahren Parforceritt flog das Paar nur so über die sieben Hindernisse, blieb dabei fehlerfrei, und beim Angalopp zum letzten Sprung war er sich sicher: „Es reicht auf jeden Fall.“ In dem Moment kehrte in ihm eine tiefe innere Freude ein: „Jetzt habe ich es endlich geschafft.“ Die feierliche Siegerehrung mit der Nationalhymne erlebte er wie im Rausch. „Das war ein ganz besonderer Moment“, erinnert er sich. Und neben seinem persönlichen Erfolg wurde „Balougraf ESC“ auch bereits zum dritten Mal als bestes Pferd im Championat ausgezeichnet.

Das erste Reitpony mit 10

Begonnen hat alles, als er mit 10 Jahren mit der Stute „Fara“ sein erstes eigenes Reitpony bekam. Schon beim ersten Turnierstart trug sie Sterzenbach zum Sieg. „Das war wohl ein Schlüsselmoment“, sagt er rückblickend. Nach drei erfolgreichen Jahren wechselte er zu einem Großpferd und nutzte das im Fahrverein in Mülheim-Saarn angebotene Dressurtraining. Mit 18 Jahren holte er auf „Artist“ mit dem zweiten Platz bei den Rheinischen Meisterschaften auch seinen ersten großen Erfolg.

Das blieb nicht unbemerkt, und Edda Rösener, die Leiterin des „Fördervereins für Turnier und Reitsport in Mülheim“ unterstützte fortan den jungen Reiter. Sie stellte ihm mit „Calders“ und „Steppenwolf“ zwei hervorragende Springpferde zur Verfügung mit denen er schnell weitere Turniererfolge errang. Nach Lehrgängen in den Reitställen von Gert Wildfang und Franz Ligges, kam er auch in Kontakt mit dem bekannten Reitmeister Karl Heinz Giebmanns. Von ihm übernahm er vor allem die methodische Perfektion der Ausbildung.

Turnierstarts waren ein großer Ansporn

Nach der erfolgreichen Ausbildung zum Bereiter (Pferdewirt) im Stall der bekannten Dressurreiterin Inge Schulze-Willbrenning begann er als Bereiter im professionellen Sprungstall von Reiner Subhahn. „Du kannst bei mir so viele Turniere reiten wie du willst“, war für ihn dabei ein großer Ansporn. Nach weiteren Stationen als Bereiter hat er sich mittlerweile sein Domizil im Stall am Dorstener Philosophenweg eingerichtet, wo er mit viel Geschick aktuell 10 Pferde ausbildet die dann in die Hände erfolgreicher Reiter gehen.

Und auch hier hat Sterzenbach schon viele Erfolge erzielt, aber mit der Ausbildung des Hannoveraner Wallachs „Dulf“ wohl sein Meisterstück abgelegt. „Dulf“ ging später unter der Britin Lesley McNaught, die zu Ihrer Zeit eine der weltbesten Springreiterinnen war. Sie wurde mit „Dulf“ 1999 Europameisterin und holte mit ihm 2000 Silber bei der Olympiade in Sydney.

Sportlich hat er alles erreicht, hegt aber den Wunsch noch einmal ein Pferd wie „Dulf“ zu bekommen. Dafür arbeitet er gerne weiter.

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