Gefährlicher Kunstrasen: Fußballvereine in Dorsten machen sich große Sorgen

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Die EU will ab 2022 Mikroplastik in Kunstrasenplätzen verbieten. Das würde auch einige Vereine in Dorsten teuer zu stehen kommen. Selbst von „Ruin“ ist bereits die Rede.

von Niklas Berkel

Dorsten

, 22.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Kunstrasenplätze dürfen bald kein Gummi-Granulat mehr enthalten. So will es die Europäische Union. Mikroplastik wurde auch in Dorsten oft als Unterlage für die pflegeleichten Sportplätze verwendet. Eine Sanierung würde hundertausende Euro kosten. Einige Vereine sind alarmiert und in Sorge, andere haben rechtzeitig reagiert.

Kunstrasenplätze, die mit Sand befüllt werden, sind von der geplanetn EU-Verbot nicht betroffen. Der SV Altendorf ist also aus dem Schneider. Der SV Schermbeck aber nicht. Für seinen Kunstrasenplatz wurde Gummi-Granulat vewendet. "Wir werden uns kommende Woche im Vorstand treffen und versuchen, einen Termin mit der Gemeinde auszumachen. Wir wollen wissen, was die Politik sagt", bestätigte Schermbecks Vorsitzender Michael Steinrötter.

Innenminister und DFB plädieren für eine Übergangsfrist

Bundesinnenminister Horst Seehofer und der Deutsche Fußball Bund (DFB) plädieren bereits für eine Übergangsfrist von sechs Jahren. "Als Sportminister werbe ich für einen vernünftigen Ausgleich zwischen Umweltschutz und den berechtigten Interessen des Sports", sagte der CSU-Politiker der "Welt am Sonntag". "Viele tausend Sportanlagen in deutschen Kommunen wären sonst von der Schließung bedroht."

Das sieht Schermbecks Vorsitzender Steinrötter ähnlich: "Ein Sportverein kann nicht mal eben ein paar hunderttausend Euro für den Umbau aufbringen." Noch deutlicher wird SV Hardts Vorstands-Beisitzer Dieter Pannebäcker: "Das würde die Vereine in den Ruin treiben."

"Die können ja auch nicht alle Plätze dicht machen."
Michael Richter
Vorsitzender SV Hardt

Pannebäcker versteht ohnehin die Problematik nicht so recht. "Ich kann es mir kaum vorstellen, dass so viel Granulat herumfliegt, dass es ins Grundwasser gelangt." So viel schleppe ein Spieler nicht vom Platz. Außerdem sagt sein Vorsitzender Michael Richter: "Die können ja auch nicht alle Plätze dicht machen."

Doch Harald Nonn, Vorsitzender der Deutschen Rasengesellschaft und Mitglied in den Kommissionen des Deutschen Fußball-Bundes (Faktencheck Spielflächen) und der Deutschen Fußball Liga (Expertenkommission Rasen) sieht das komplett anders. Gegenüber der Halterner Zeitung erklärte er bereits vor Monaten: "Von den Gummi-Granulaten halte ich nichts. Das Material bleibt nicht nur auf dem Platz. Wir sprechen hier über Mikro-Plastik und das gehört nicht in die Umwelt."

Gefährlicher Kunstrasen: Fußballvereine in Dorsten machen sich große Sorgen

In drei Jahren dürfte Raphael Niehoff (rot) hier nicht mehr dribbeln: Kunstrasenplätze wie der beim SV Schermbeck sind von dem Verbot von Mikro-Plastik betroffen. © Ralf Pieper

In einer Studie des Frauenhofer Institus (Juni 2018) wurden „74 potenzielle Quellen für primäres Mikroplastik ausgewählt“ (Nonn). Die Verwehungen von Sport- und Spielplätzen, darunter fällt auch der Kunstrasenplatz, belegen hier den fünften Rang. „Das sind Zahlen, die kann man ja nicht wegdiskutieren“, sagt Nonn. „Mit der Belagsauswahl muss man sich kritisch auseinandersetzen.“

Alternativen sind Kork und Sand

Alternativ können Kunstrasenplätze mit Kork oder Sand befüllt werden. Kork hat allerdings den Nachteil, besonders teuer zu sein. Außerdem schwimmt es aus. Das bedeutet, dass es passieren kann, dass das Material nach einem Regen komplett auf einer Spielfeldseite liegt. "Mit dieser Alternative haben wir uns auch beschäftigt", sagt Dieter Pannebäcker (SV Hardt). "Es war einfach zu teuer."

"Wir haben die Diskussionen um Mikro-Plastik schon lange wahrgenommen. Wir werden auf keinen Fall das Gummi-Granulat verwenden."
Manfred Badde
BW Wulfens Jugendgeschäftsführer

Auf Sand greifen dafür wohl zwei andere Fußballvereine in Dorsten zurück, die noch keinen Kunstrasen haben, aber einen bauen wollen: die Kreisligisten BW Wulfen und RW Dorsten. "Wir haben die Diskussionen um Mikroplastik schon lange wahrgenommen", sagt Wulfens Jugendgeschäftsführer Manfred Badde. "Deswegen greifen wir auf Quarzsand zurück. Wir werden auf keinen Fall das Gummi-Granulat verwenden."

Und RW Dorstens Vorsitzender Stefan Cremer sagt: "In den Planungen, die wir bisher hatten, hat nur Sand eine Rolle gespielt. Gummi-Granulat ziehen wir nicht in Erwägung."

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