Gegner-Porträt: Das ist SV Schermbecks Westfalenpokal-Halbfinal-Gegner

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Im Halbfinale des Westfalenpokals trifft der Oberligist SV Schermbeck am Samstag auf die SpVg Hagen. Auf dem Papier ist das der leichteste Gegner – aber auch nur dort.

von Ralf Weihrauch

Schermbeck

, 13.08.2020, 17:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als dem SV Schermbeck im Frühjahr die SpVg Hagen 1911 für das Westfalenpokal-Halbfinale zugelost worden ist, kam in der Volksbank-Arena mehr als verhaltener Jubel auf. Der damalige Landesligist wurde als der leichteste Gegner angesehen, doch mit links wird die Elf von Trainer Sleiman Salha dieses wichtige Match nicht gewinnen.

Hagens Trainer Stefan Mross gibt zu, dass er nach der Auslosung ein ähnliches Gefühl hatte wie seine Kollegen in Schermbeck: „Damals hätten wir uns wegen des zu erwartenden großen Publikums über Meinerzhagen gefreut, Rödinghausen wäre wegen des professionellen Umfelds reizvoll gewesen. Für uns als Landesligist war im Frühjahr das Los SV Schermbeck aber sportlich das einfachste.“

Zwei Aufstiege in Serie

Die Hagener sind mittlerweile in der Westfalenliga angekommen. Zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs stand die Mannschaft von Trainer Mross mit 18 Spielen und 43 Punkten (2,39 Durchschnittspunkte) auf Rang eins. Die Quotientenregel bescherte zwar dem FC Dröschede (41 Punkte aus 17 Spielen, 2,41 ∅) den ersten Platz, doch der Verband nahm Hagen mit in die Westfalenliga. Es war der zweite Aufstieg in Serie für die Hagener, die in der Saison 18/19 mit großem Abstand Meister der Bezirksliga wurden.

Viele Spieler mit Regionalliga- und Profierfahrung

Für die neue Saison hat sich der Schermbecker Gegner erneut verstärkt, nachdem er schon für die Landesliga-Saison mit Gaetano Manno (Wuppertaler SV), Serafettin Sarisoy (u.a. Wattenscheid 09) und Hari Coric (Schalke II und Greuther Fürth II) einige Fußballer mit Regionalliga- und Profierfahrung verpflichtet hatte.

Hagens Neuzugang zur kommenden Saison Berkant Canbulut hat für Haltern und Wattenscheid 148 Spiele in der Regionalliga bestritten. Tim Bodenröder, der für Wuppertal und Greuther Fürth II in der Regionalliga spielte, wird am Samstag eventuell nicht antreten können. Trainer Mross verlässt sich auf Bodenröders Selbsteinschätzung: „Er weiß es selber am besten, ob er spielen kann oder nicht.“

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Auf dem Weg ins Halbfinale schalteten die Hagener einige höherklassige Vereine aus. Sie machten dabei ihrem Kurznamen „Elfer“ alle Ehre. Gleich dreimal mussten sie ins Elfmeterschießen.

Gegen den Oberligisten ASC Dortmund hieß es nach 90 Minuten 3:3, nach einem endlosen Elfmeterschießen gewann Hagen mit 14:13. In Runde zwei bezwang Hagen den Westfalenligisten Sodingen, und gegen den SC Neheim folgte ein 5:3 im Elfmeterschießen.

Noch keine optimale Vorbereitung

Auch im Viertelfinale erwiesen sich die Hagener gegen RW Maaslingen als nervenstark vom Elfmeterpunkt. Alle fünf Schützen trafen, mit einem 7:6 zog die Spielvereinigung ins Halbfinale eine. Mross gibt zu: „Uns hat sicher in die Karten gespielt, dass es keine Verlängerung mehr gibt, doch das macht den Pokal noch reizvoller.“

Die Saisonvorbereitung lief für den Aufsteiger dagegen noch nicht optimal. Zwar gab es gegen unterklassige Vereine deutliche Sieg, doch gegen den Oberligisten TuS Haltern verlor das Team mit 0:4, gegen die TSG Sprockhövel ging es mit 1:3 vom Platz. Trotzdem war der Trainer nicht unzufrieden: „Zumindest die erste Halbzeit in Haltern hat mich zuversichtlich gestimmt.“

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Der Hagener Coach hat den SV Schermbeck zweimal in der Vorbereitung beobachtet. In Ennepetal sah er eine SVS-Elf, in der nur wenige Stammkräfte zum Einsatz kamen. In Mönchengladbach konnte er mehr Erkenntnisse sammeln: „Sleiman Salha hat einen gestandenen Oberliga-Kader, der sich aber auch noch in der Findungsphase befindet. Nichtsdestotrotz sind wir als Westfalenligist klarer Außenseiter. Der SVS wird sicher nicht abwarten, was wir machen, sondern selber die Initiative ergreifen.“

Keine große Unterstützung durch die eigenen Fans

Auf große Unterstützung durch die eigenen Fans können die Hagener nicht hoffen, da die Zuschauerkapazität in der Volksbank-Arena durch die Corona-Krise begrenzt ist – und die vorhandenen Karten schon seit Tagen vergriffen sind. Von den 300 Tickets gingen lediglich 50 nach Hagen.

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Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen wird die Partie aber mit Kommentar live im Internet übertragen. Im Hagener Vereinsheim findet ein Public-Viewing statt. Mross kündigt an: „Dieses Halbfinale ist nach dem Aufstieg in die Verbandsliga der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Wir werden nach unserer Rückkehr auf jeden Fall feiern. Egal ob wir gewinnen oder verlieren.“

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