Dorstens Mister Olympia trainiert wieder

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Er war Bundestrainer und bei Olympia dabei. Jetzt hat Michael Seibert den selbst verhängten „Vorruhestand“ beendet – und trainiert seinen eigenen Sohn.

Dorsten

, 24.05.2020, 11:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich hatte der Dorstener Michael Seibert seine Trainerlaufbahn beendet. Er hatte die Nationalmannschaften von Deutschland und Österreich betreut, war bei Weltmeisterschaften und Olympia dabei gewesen. Doch dann sollte Schluss sein. Sollte. Denn Seibert hat ein neues Talent unter seine Fittiche genommen – seinen Sohn Josef.

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Noch vor Corona erarbeitete Seibert senior zu Beginn des Jahres einen Plan für das Wintertraining, nach dem der 13-jährige Joseph auch in der kalten Jahreszeit dreimal die Woche im Boot saß. „Vornehmlich geht es dabei um ein fundiertes Ausdauer und Grundlagentraining“, sagt Trainer Seibert. Gepaddelt wird dabei auf der Lippe, aber auch regelmäßig auf den offenen Wildwasserstrecken in Hohenlimburg und Neuss.

Joseph Seibert

Einstiegsstelle Maria Lindenhof. Seine Trainingsfahrten führen Joseph Seibert von Dorsten bis Schermbeck. © Privat

Wie kalt das Wasser trotz Neoprenanzug dabei noch sein konnte, durfte der junge Kanute im Januar erleben, als er in Hohenlimburg unversehens in Schwierigkeiten geriet. Er hatte sich beim Warmfahren im Flachwasser verschätzt und ein Tor falsch angefahren, bekam Oberwasser und kenterte. Geistesgegenwärtig öffnete er unter Wasser blitzschnell die Spritzdecke, stieg aus und erreichte schwimmend das rettende Ufer. Doch nachdem auch das Boot geborgen war, nahm er das Training einfach wieder auf und fuhr weiter.

Neues Boot zum Testen besorgt

Michael Seibert hatte noch zwei Tage vor dem Corona-Lockdown ein neues Kanumodell zum Testen besorgt, mit dem das Team nun aktuell unterwegs ist. Die rund einstündigen täglichen Trainingstouren beginnen oft an der offiziellen Einstiegsstelle in Dorsten, Höhe Maria Lindenhof. Einmal im Wasser folgen nach dem Warmfahren zunächst wechselnde Belastungseinheiten. In anschließenden Sprintsequenzen muss der Junior dann bis zum „Anschlag“ Gas geben und spult danach des Restprogramm in Dauerfahrt mit etwas reduzierter Leistung ab.

Dabei hält er sich streng an die väterlichen Trainingsvorgaben, gönnt sich aber in den etwas ruhigeren Passagen auch ein paar Takte Musik aus den Kopfhörern des Handys. Der 13-Jährige hat dabei auch immer ein Auge für die Natur. Kürzlich befreite er etwa eine Schildkröte, die sich in den Ästen des Ufergestrüpps verfangen hatte.

Vater Michael beobachtet vom Ufer aus immer noch die ersten Paddelschläge seines Sohnes , fährt dann aber schon mal voraus Richtung Schermbeck, wo er später Sohn und Boot wieder aufsammelt. Auf der Heimfahrt im Auto folgt dann die erste gemeinsame Trainingsanalyse.

Wann Joseph wieder wettkampfmäßig unterwegs sein wird, steht noch in den Sternen. Gerade erst wurde die Deutsche Schülermeisterschaft abgesagt. Doch der junge Dorstener hofft, dass sie nachgeholt wird: „Dafür trainieren wir schließlich.“

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