Mit Euphorie und Eigengewächsen: SpVgg Vreden mischt die Oberliga auf

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Es sind erst 7 Spiele gespielt, 33 stehen noch aus. Doch bis jetzt hat Aufsteiger SpVgg Vreden seine Oberliga-Tauglichkeit unter Beweis gestellt. Wir haben die wichtigsten Faktoren gesucht.

Vreden

, 06.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dass nach sieben Spieltagen der achte Platz unter den in diesem Jahr 21 westfälischen Oberligisten für Aufsteiger SpVgg Vreden zu Buche stehen würde, damit hätte vor der Saison sicher nicht jeder gerechnet. „Wir wussten ja gar nicht so genau, was uns erwartet, vor allem nach dem Corona-Stopp“, sagt der Vereinsvorsitzende Christoph Kondring. Aber: „Wir hatten schon gehofft, dass die Jungs ihr Potenzial abrufen können. Bisher haben sie in jedem Spiel gezeigt, dass sie in dieser Liga mithalten können.“

Die Ausgangslage: Nach vielen Jahren in der Westfalen- und Landesliga ist der SpVgg in diesem Jahr erstmals der Sprung in die Oberliga gelungen. Dort warten Klubs mit großen Namen, mit denen sich die Vredener noch nie im Ligabetrieb messen durften: SG Wattenscheid, Sportfreunde Siegen oder Westfalia Herne. Dazu kleinere Vereine mit großen Zielen wie der RSV Meinerzhagen oder auch der FC Kaan-Marienborn. Ein Abenteuer über 40 Spieltage.

Der Saisonstart: Wie sich die Vredener in dieser illustren Runde einordnen können, war schwer vorherzusagen. Als die Saison dann direkt mit zwei Niederlagen gegen den FCE Rheine und ASC Dortmund begann, hätten schon erste Sorgen aufkommen können. Doch dann legten die Blau-Gelben los, verloren seitdem kein Spiel mehr, gewannen zuletzt drei Heimspiele in Serie und stehen nun bei elf Punkten. „Besser geht‘s eigentlich nicht“, sagt Klubchef Kondring.

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Der Kader: Kondring sieht sich bislang darin bestätigt, dass er und seine Mitstreiter, in erster Linie der 2. Vorsitzende Christian Bengfort, trotz des Aufstiegs fast komplett am bisherigen Kader festgehalten haben. Leistungsträger wie Mario Worms und Cihan Bolat standen nicht mehr zur Verfügung. Mit den Coesfeldern Lars Ivanusic und Timo Grabowsky, dem Gescheraner Torwart Tom Breuers und dem Eperaner Angreifer Maximilian Hinkelmann wurde der Kader mit Leuten aus der Region verstärkt.

Die Eigengewächse: Dass beim 3:0-Sieg gegen den TuS Haltern am vergangenen Sonntag neun Spieler im Kader standen, die schon in der eigenen Jugend gespielt hatten, macht die Vereinsführung besonders stolz, wie Christoph Kondring sagt: „Für unser Konzept, das wir damals mit der Sporthochschule Köln erarbeitet haben, ernten wir jetzt die Früchte. Spieler wie Verwohlt, Ostenkötter, Kondring, Korthals, Hakvoort oder Ottink waren alle schon damals im Verein. Das hat dann auch was mit guter Ausbildung zu tun.“

Mit dem Saisonstart bestens zufrieden: Christian Bengfort (2. Vorsitzender) und Klubchef Christoph Kondring (r.).

Mit dem Saisonstart bestens zufrieden: Christian Bengfort (2. Vorsitzender) und Klubchef Christoph Kondring (r.). © Sascha Keirat

Der Trainer: Dass die Vredener das Aufstiegsteam von Trainer Rob Reekers in die Hände des jungen Engin Yavuzaslan gegeben haben, der bis dahin als Spielercoach „nur“ bis zur Bezirksliga trainiert hatte – eine Entscheidung mit einem gewissen Risiko. „In welcher Liga er vorher trainiert hat, war uns nicht so wichtig. Er hat in den Gesprächen einen guten Eindruck hinterlassen, uns ein gutes Konzept präsentiert“, so Kondring. Bisher sei die Verpflichtung voll aufgegangen. „Engin ist sehr ehrgeizig, impulsiv und hat eine klare Ansprache. Gerade die jungen Spieler profitieren von der Arbeit mit ihm.“

Für die Vredener sicherlich eine Umstellung: War Rob Reekers ein sehr ruhiger Vertreter an der Seitenlinie, so ist Yavuzaslan so ziemlich das genaue Gegenteil: ständig im Dialog, ständig in Bewegung und oft kurz vor dem Verlust der Stimme.

Die Grundtugend: Der Trainer selbst betont, dass auch seine Vorgänger großen Anteil am derzeitigen Erfolg haben. Doch die Handschrift des 39-Jährigen ist schon jetzt erkennbar. „Für mich ist Leidenschaft mit das Wichtigste. Wenn ich die nicht bei jedem einzelnen Spieler sehe, werde ich böse. Das ist man allein schon den Zuschauern schuldig, die einen großen Teil ihres Sonntags opfern und auch Eintritt zahlen, um die Mannschaft spielen zu sehen.“

Seine eigene Arbeit will er dabei nicht in den Vordergrund stellen: „Mein Co-Trainer Yuzuru Okuyama und mein Torwarttrainer Steffen Warneke tragen einen großen Anteil zum Erfolg bei. Und das Wichtigste ist natürlich die Mannschaft. Ich bin sicher der Regisseur im Hintergrund, aber die Spieler sind die Hauptdarsteller.“

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Die Euphorie: Die Spieler machten bisher fast durchgängig einen richtig guten Job. Gerade in den Heimspielen wurde das Publikum teilweise verwöhnt: Vier Spiele, drei Siege, 11:5 Tore. Dass die Mannschaft, wie zuletzt nach dem Sieg gegen Haltern, geschlossen zur Tribüne geht und von den Zuschauern gefeiert wird – in den vergangenen Jahren sicher kein alltägliches Bild im Hamalandstadion. Auch das zeugt von der derzeitigen Euphorie. „Das war eine klasse Kulisse. Es ist doch das Schönste, wenn man nach einem Spiel in lachende Gesichter schaut“, sagt Yavuzaslan.

Der Trainer spricht angesichts des derzeitigen achten Tabellenplatzes von einer „super Momentaufnahme, die die Spieler genießen sollen“. Machen die so weiter, dann werden Vereinsführung und Zuschauern noch viel Freude an dieser ersten Oberliga-Saison der Vereinsgeschichte haben.

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