Schermbecker träumt vom Ironman auf Hawaii

hzDas Sportporträt

Seit er seinen ersten Triathlon bestritten hat, hat Prof. Dr. Stephan Petrasch aus Schermbeck einen Traum. Den Traum, einmal bei der Mutter aller Ironmans auf Hawaii dabei zu sein.

Schermbeck

, 25.09.2019, 19:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sport spielte im Leben des heute 65-Jährigen schon immer eine große Rolle. Als Austauschschüler kam er in den USA zum Mittel- und Langstreckenlaufen, und die Freude am Laufen blieb.

„Das war und ist für mich eine echte Lebenshilfe und der ideale Ausgleich für die hohe berufliche Belastung“, sagt der Chefarzt der Onkologie des Duisburger Sana-Klinikums. Doch Petrasch hat längst eine andere Sportart für sich entdeckt: den Triathlon. Und sein großer Traum heißt „Ironman auf Hawaii“.

2007 mit dem Triathlon-Virus infiziert

Im Jahr 2007 infizierte sich der Schermbecker, der schon damals die Strecke von zu Hause zur Arbeit, wann immer möglich, mit dem Rennrad zurücklegte, mit dem Virus. Beim Besuch eines Fußballspiels in Hamburg verlief die Strecke der Triathlon-WM direkt an seinem Hotel vorbei. Nach Gesprächen mit Insidern stand für ihn schnell fest: „Das ist mein Ding!“

Schermbecker träumt vom Ironman auf Hawaii

Stephan Petrasch ist stolz auf seine Trophäen. Doch ein Ziel hat er noch: die Teilnahme am Ironman Hawaii. © Horst Lehr

Das Problem: Petrasch war kein geübter Schwimmer. Deshalb nahm er Einzelunterricht, und schon 2008 bestritt er seinen ersten Triathlon über die Volksdistanz. Das gute Körpergefühl und Platz vier gaben den Ausschlag: Er begann, gezielt zu trainieren. Doch weil er beruflich bedingt nur fünf bis sechs Stunden pro Woche investieren konnte, dauerte es bis 2016, bis der Schermbecker beim ELE-Triathlon in Gladbeck in der Altersklasse M60 endlich einmal ganz oben auf dem Treppchen stand. „Das war Emotion pur“, erinnert er sich.

Desaster auf Mallorca

Und so traute sich Petrasch ab da auch an die Langdistanz, den Ironman. Mallorca sollte 2016 seine Premiere werden. Eine, bei der er viel Lehrgeld zahlte, und die er − obwohl auf Anhieb Finisher − als echtes Desaster bezeichnet.

Weil das Verbot für Neoprenanzüge erst unmittelbar vor dem Start aufgehoben wurde, ging Petrasch als einziger Teilnehmer ohne einen solchen Anzug ins Wasser. Auf der Radstrecke durchs Tramuntana-Gebirge gerieten die Athleten in ein Unwetter mit Kälte und Hagelschauern. Beim abschließenden Marathon musste sich Petrasch erst einmal wieder warmlaufen. Doch er kam ins Ziel und nahm die nächste Herausforderung in Australien ins Visier. Dort erging es ihm aber nicht viel besser. Wegen eines Hai-Alarms mussten die Triathleten bei 40 Grad im Schatten zwei Stunden auf ihren Start warten. Petrasch ging danach die Radstrecke zu schnell an, und bei der Hälfte der Laufstrecke spielte der Kreislauf nicht mehr mit.

In Barcelona passte alles

Doch auch davon ließ sich der Schermbecker nicht entmutigen. Ostern 2018 finishte er auf Mallorca über die Halbdistanz, und im selben Jahr passte es dann in Barcelona endlich auch beim Ironman. Seine Zeit von 12:06 Stunden gab ihm neuen Mut, sein neues großes Ziel weiter zu verfolgen: die Qualifikation für die Mutter aller Ironmans, Hawaii.

Beim Wettkampf in Vitoria-Gasteiz im spanischen Baskenland sollte es in diesem Juli so weit sein. Die äußeren Bedingungen waren gut. Moderate Temperaturen, eine schnelle Radstrecke. Petrasch war optimistisch. Doch dann fielen beim Radfahren sein Watt- und sein Pulsmesser aus. Er musste sich allein auf sein Körpergefühl verlassen, kam aber trotzdem nach einer passablen Zeit in der Wechselzone zum Laufen.

“Das war bis heute das Größte“

Bei Kilometer 18 erwischte ihn noch einmal ein toter Punkt. Doch seine Tochter motivierte ihn: „Du bist Zweiter mit 21 Minuten Rückstand und von hinten droht keine Gefahr.“ So lief Petrasch den Marathon in gedrosseltem Tempo zu Ende − und lag am Ende trotzdem nur noch eine Minute hinter dem Sieger seiner Altersklasse.

Die Hawaii-Quali war damit futsch. Trotzdem ballte der Schermbecker bei der Siegerehrung stolz die Becker-Faust: „Das war für mich bis heute das Größte.“ Und Hawaii laufe ihm ja nicht weg: „Ich habe es nicht eilig. Wenn ich so weiter mache, schaffe ich die Qualifikation für Hawaii auf jeden Fall.“ Nächste Chance: am 1. Dezember in Mar del Plata, Argentinien.

Stephan Petrasch hat dabei nur ein Bild vor Augen: „In Hawaii muss der Sieger dem Letzten gratulieren.“

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