Beim SV Schermbeck herrscht nicht nur im Interview Aufbruchstimmung

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Das Interview mit Vorstand und Trainer des Oberligisten SV Schermbeck kurz vor Saisonbeginn hat Tradition. Diesmal ging es natürlich auch ums Finale des Westfalenpokals, der Schwerpunkt lag aber auf der Liga.

Schermbeck

, 21.08.2020, 14:06 Uhr / Lesedauer: 3 min

Thorsten Schröder, mit Sleiman Salha übernimmt ein 32-Jähriger die Oberliga-Mannschaft des SVS. Ganz schön jung, oder?

Schröder: Ja, sicher. Aber beim SV Schermbeck scheuen wir uns nicht vor solchen Entscheidungen. Thomas Falkowski etwa war ja auch noch jung, als er zu uns kam.

Wir haben als Vorstand, glaube ich, einen ganz guten Draht zur Mannschaft. Wir haben reingehört und dann entschieden. Das war keine Entscheidung gegen Thomas Falkowski, eher eine Entscheidung des Gefühls. Wir wollen den Weg weitergehen, junge Leute einzubauen, und da hat Slei seine Qualitäten schon vergangene Saison bewiesen.

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Wenn Spieler eingewechselt werden, bekommen sie beim SVS jetzt mehrere Seiten Skript gezeigt mit Anweisungen. Fast wie in der Bundesliga. Was ist sonst noch neu unter dem neuen Trainer?

Salha: Das mit dem Skript machen wir, weil wir feste Prinzipien im Trainerteam haben, was wir spielen wollen. Bei Einwechselungen wollen wir Impulse setzen, Systemwechsel vornehmen und die Veränderbarkeit des Spiels nutzen. Jeder bekommt deshalb noch mal gezeigt, wo und wie er sich auf dem Feld zu bewegen hat. Das macht auch die Analyse hinterher einfacher.

Schröder: Bei so einer Videoanalyse bin ich kürzlich dabei gewesen und war beeindruckt. Das war qualitativ wirklich sehr hochwertig.

Genau wie die Trainingseinheiten: extrem individuell, vielschichtig und spannend. Stand heute sind wir nach vier Wochen Training extrem zufrieden. Ich habe auf jeden Fall noch nicht erlebt, dass sich vier Leute aus dem Vorstand das Training anschauen, weil das schlichtweg Spaß macht.

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Kommen wir zum Kader. Im Sommer haben den SVS mit den Rudolph-Brüdern und Dominik Milaszewski tragende Säulen der vergangenen Saison verlassen. Wie weh hat das getan?

Salha: Mit einigen Spielern, die uns verlassen haben, hatte ich eh nicht geplant, weil sie nicht das widerspiegeln, was ich auf den Platz bringen will. Ich wusste, welche Spielertypen ich benötige und habe das dem Vorstand mitgeteilt.

Und haben diese Typen bekommen?

Salha: Ja, ich bin sehr zufrieden. Bernard Gloggjani und Mike Jordan sind zum Beispiel absolute Wunschspieler.

Wobei der Wechsel von Jordan oder Florian Kraft als gestandenen Regionalliga-Spielern ja auch Fragen aufgeworfen hat. Immerhin hatte der Vorstand im Sommer als Ziel auch Einsparungen ausgegeben ...

Schröder: Dieses Ziel gilt auch nach wie vor. Man muss ja sehen, dass die Verpflichtung von Mike Jordan nur deshalb zustande kam, weil er sich mehr auf seine berufliche Ausbildung konzentrieren und fußballerisch deshalb ein wenig kürzer treten will. Das waren also glückliche Umstände.

Salha: Mike ist uns nicht zugeflogen. Wir mussten schon um ihn kämpfen, aber die Gründe für sein Kommen waren keine monetären.

Schröder: Auch bei den anderen Spielern halten wir uns an unsere Vorgaben. Ich denke, die Spieler haben aber auch begriffen, dass sie sich in Schermbeck auf getroffene Zusagen verlassen können. Andere Clubs melden Insolvenz an, wir zahlen pünktlich. Diesen guten Ruf hat sich der SVS in langen Jahren erarbeitet. Bei uns können zudem die Trainer in Ruhe arbeiten.

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Von denen es neben Sleiman Salha ja noch zwei neue gibt. Wie ist da die genaue Aufgabenverteilung?

Salha: Richard Weber ist für die Analysen zuständig. Sowohl der Gegner als auch unserer eigenen. Mit mir zusammen macht er die Videoanalysen. Christopher Pache ist für die Athletik der Spieler verantwortlich.

Beide machen einen Riesenjob und haben bei allen Entscheidungen absolutes Mitspracherecht, weil sie unglaublich viel Qualität mitbringen. Das geht nach außen leider immer etwas unter.

Sie haben vorhin schon die Prinzipien des Trainerstabes erwähnt. Marek Klimczok freute sich neulich im Interview, dass der Ball beim SVS endlich nicht mehr so oft lang nach vorne geschlagen wird. Wie sehen die Prinzipien aus?

Salha: Die hängen an unserer Kabinenwand. Jeder hat aber die Freiheit, mal auszubrechen. Wenn er das dann viermal macht und es klappt nicht, müssen wir reden.

Grundsätzlich wollen wir hinten immer spielerisch heraus kommen. Den Gegner locken und Räume öffnen.

Vorm Pokalspiel gegen Hagen sagte mir der Schiedsrichter, er pfeife nicht gerne in Schermbeck: „Schlechter Platz, nur lange Bälle.“ Ich sagte: „Wart mal ab.“ Nach dem Spiel meinte er: „Jetzt weiß ich, was du meinst.“

Die Mannschaft ist also schon da, wo Sie hin wollen?

Salha: Nein, noch lange nicht. Wir müssen taktisch noch sehr viel vermitteln. Da stehen wir noch ganz am Anfang.

Wo soll es denn enden? Was sind die Ziele für die Oberliga-Saison?

Salha: Über einen Tabellenplatz zu rden, wäre jetzt noch zu früh. Wir wollen klare Strukturen schaffen und eine gute Atmosphäre. Die Spieler sollen sich weiterentwickeln, so wie es der Verein als Gesamtkonstrukt gerade auch tut. Da wollen wir nicht nachstehen.

Zuletzt dann doch noch von der Liga zum Pokal: Ist es Fluch oder Segen, dass der SVS so weit gekommen ist? Befürchten Sie nach dem Finale ein psychologisches Loch?

Salha: Nein. Wir treffen im Finale auf eine Mannschaft mit brutaler Qualität, die in der Oberliga eigentlich nichts zu suchen hat. Gegen die zu verlieren, wäre keine Schande. Trotzdem ist es in meinen Augen ein 50:50-Spiel, weil meine Spieler eine extreme Mentalität besitzen und sehr hungrig und fokussiert sind.

Schröder: Ein Loch hätte es geben können, wenn wir das Halbfinale gegen Hagen verloren hätten. Jetzt nicht mehr.

Dann vielen Dank fürs Gespräch und viel Glück für die Liga und das Pokalfinale!

Salha und Schröder: Danke!

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