Massenschlägerei bei BW Wulfen - wer war der Auslöser?

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Mit einem Polizeieinsatz endete am Sonntag die Partie zwischen Blau-Weiß Wulfen und Fenerbahce Istanbul Marl. Sie wird demnächst nicht nur das Sportgericht beschäftigen.

Wulfen

, 07.09.2020, 12:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er kam wie aus dem Nichts. Doch eines steht wohl fest: Der Zuschauer, der am Sonntagnachmittag beim Spiel zwischen Blau-Weiß Wulfen und Fenerbahce Istanbul Marl den Platz stürmte und damit eine Schlägerei und einen Spielabbruch auslöste, muss wohl dem Wulfener Lager zugerechnet werden.

„Warum sollte er sonst einem Marler Spieler in den Rücken springen“, fragte sich etwa Staffelleiter Franz-Josef Humme, nachdem er den Sonderbericht von Schiedsrichter Marius Burrichter gelesen hatte.

Auch Wulfens Vorsitzender Dennis Pohlmann räumte am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion ein, dass der Mann offenbar ein „Verwandter oder guter Bekannter“ eines Wulfener Spielers sei: „Ich habe ihn aber vorher noch nie auf unserer Anlage gesehen. Deshalb konnte ich ihn im ersten Moment nicht zuordnen.“ Andere Aussagen bestätigen, dass es sich um den Bruder eines Spielers handeln soll.

Beleidigungen als Auslöser?

Auslöser für den Ausraster seien wohl Beleidigungen gewesen, die ein Marler Spieler auf Türkisch einem Wulfener Akteur an den Kopf geworfen habe, nachdem der Schiedsrichter auf Elfmeter für Blau-Weiß entschieden hatte, vermutete Pohlmann.

Rasch habe sich dann daraus ein allgemeines Gerangel entwickelt. „Wir hatten in Spielfeldnähe drei Leute postiert, die bei solchen Fällen eingreifen sollten. Einer davon ist sogar Polizist“, sagte der Wulfener Vorsitzende. Ordner-Binden hätten die drei allerdings keine getragen: „Sie waren aber unverzüglich auf dem Platz, und das Ganze war nach 20, 30 Sekunden schon wieder beendet.“

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Den Anfang der Turbulenzen beschreibt auch die Marler Seite so. Nach dem ersten Aggressor seien allerdings zunächst noch weitere Wulfener Zuschauer auf den Platz gestürmt. Daraufhin seien Marler Spieler zum Ort des Geschehens geeilt. Trainer Ilker Ciloglu habe sich bei dem Versuch, die Streitenden zu trennen, einen Schlag ins Gesicht und ein blaues Auge eingehandelt, sagt Fenerbahces Trainer, der am Sonntagabend noch zur Untersuchung ins Krankenhaus wollte. Auch drei seiner Spieler seien verletzt worden: „Einer hat eine dicke Lippe, ein anderer womöglich die Nase gebrochen, noch ein anderer einen Zahn abgebrochen“, sagte Ciloglu fassungslos. „Ich und zwei meiner Spieler haben Anzeige bei der Polizei erstattet.“

Die bestätigte das in ihrem Bericht am Montag, in dem ebenfalls von drei Verletzten die Rede ist.

Spruchkammersitzung muss noch terminiert werden

Die Vorfälle werden neben den strafrechtlichen Konsequenzen natürlich auch sportgerichtliche haben. Wann die fällige Spruchkammersitzung angesetzt wird, konnte Staffelleiter Franz-Josef Humme am Montag noch nicht sagen. „Wir treffen uns am Dienstagabend zur turnusmäßigen Vorstandssitzung. Danach wissen wir vielleicht mehr“, sagte Humme.

Auch der Staffelleiter hatte da schon ein Kurzvideo von dem Vorfall gesehen, das am Montag in den Sozialen Medien rasch die Runde machte und auch unserer Redaktion vorliegt. „Viel ist darauf leider nicht zu erkennen“, sagte der Staffelleiter. Den ein oder anderen Aufschluss verspricht er sich aber schon davon. Die beiden beteiligten Vereine stehen den Aufnahmen deutlich ablehnender gegenüber.

Vereine wollen keine Videos

So habe der Wulfener Vorstand alle, die Handy-Videos gemacht haben, aufgefordert, diese nicht zu verbreiten, sondern zu löschen, erklärte Dennis Pohlmann. Fenerbahces Geschäftsführer Ertugrul Salbas kündigte an, Personen, die entsprechende Videos verbreiten, juristisch zu belangen: „Das darf gar nicht so aufgenommen werden, und schon gar nicht ohne Erlaubnis der Gefilmten in den Sozialen Medien verbreitet werden.“ Zur Wahrheitsfindung vor Gericht könne man die Videos dagegen gerne einsetzen.

Dem Wulfener Vorstand machte Salbas keinen Vorwurf: „Die machen das alle ehrenamtlich und können nichts dafür. Man kann nicht jeden einzelnen Zuschauer festbinden. Da waren um die 200 Leute.“

Dennis Pohlmann kündigte an, dass sich der Wulfener Vorstand umgehend mit der Aufarbeitung des Vorfalls beschäftigen werde: „Wir müssen das aufdröseln und unsere Lehren daraus ziehen.“ Dem SC-Vorsitzenden ist aber klar, dass es damit nicht getan sein wird: „Da wird leider noch was kommen.“

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