Kommt Corona verletzten Spielern vielleicht sogar gelegen?

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Egal wie der Verband mit der laufenden Spielzeit umgeht: Erst im September wird es wohl frühestens für die Fußballer weitergehen. Was bedeutet das für vor der Pause verletzte Spieler?

Dorsten

, 04.05.2020, 11:46 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Coronavirus-Pause als Fluch oder als Segen? Diese Frage stellt sich für (langzeit-)verletzte Spieler oder Vereine mit vielen verletzten Akteuren.

Die Saison 2019/20 wird nicht fortgesetzt. Das steht nach der Empfehlung des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes (FLVW) seit vergangenen Donnerstag fest. Wann es mit dem Fußball weitergeht, steht hingegen noch in den Sternen. Ein Start vor September ist höchst unwahrscheinlich. Es stellt sich die Frage, was das für (langzeit-)verletzte Spieler bedeutet?

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Nicolas Grewe, Stürmer des A-Kreisligisten BW Wulfen, beispielsweise absolvierte seit August vergangenen Jahres kein Spiel mehr. Er zog sich im ersten Ligaspiel gegen den SC Marl-Hamm einen Knorpelschaden im rechten Knie zu. Damals erzählte er: „In meiner Kindheit muss da mal irgendwas passiert sein, das ich gar nicht bemerkt habe. Auf jeden Fall hat sich der Knochen irgendwie verschoben und den Knorpel aufgerieben.“

Nach der Operation im Herbst vergangenen Jahres sollte Grewe laut den Ärzten sechs Monate nicht Fußball spielen können, die Saison schien für den Stürmer beendet. Die Coronavirus-Pause hätte demzufolge einen positiven Nebeneffekt für den Wulfener haben können: Er hat nun Zeit, um fit zu werden.

“Situation ist für mich nicht optimal“

Doch ist die Pause aufgrund der Pandemie nun wirklich mehr Segen als Fluch? „Für mich ist die ganze Situation nicht optimal“, sagt Grewe heute. Zwei Wochen, bevor die Saison eingestellt wurde, nahm er erstmals wieder am Mannschaftstraining teil. „Meine Reha und alles, was ich zuhause gemacht habe, war bereits abgeschlossen.“ Das große Ziel, endlich wieder auf dem Platz zu stehen, rückte für den Stürmer immer näher. „Ende März hätte ich die ersten paar Minuten Spielpraxis bekommen sollen“, sagt Grewe. Die Sehnsucht danach war groß – und ist es nach wie vor.

Bis zum Saisonende hätte Grewe immer mehr spielen sollen. Nächste Saison hätte er dann wieder durchstarten wollen. Seit vergangenen August stand der Angreifer nicht mehr in einem Fußballspiel auf dem Rasen. Eine lange Zeit für einen Vollblutstürmer wie ihn. Dass die Motivation, sich mittlerweile fitzuhalten, an dem einen oder anderen Tag auch mal kleiner ausfällt, wundert da nicht. „Aktuell halte ich mich mit Krafttraining und Joggen fit“, berichtet er. Allerdings auch nur, „sofern es meine Motivation zulässt“.

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Um die zuhause zu steigern, lässt sich Wulfens Trainer Daniel Schikora schon mal das eine oder andere einfallen. „Der Trainer hat uns zwar keinen Trainingsplan gegeben“, sagt Grewe, „aber die eine oder andere Challenge haben wir schon mit ihm gemacht.“ Das kann zum Beispiel bedeuten, dass Schikora einen Sechs-Kilometer-Lauf anordnet – und wer langsamer als der Trainer ist, am Ende eine Kiste Bier ausgeben muss. Natürlich erst, wenn die Coronavirus-Krise wieder vorbei ist.

Solche Arten von Challenges will Schikora in den kommenden Wochen weiter durchführen. „Ich mache mir da neue Gedanken, was man da noch so alles machen kann“, so der Trainer. Ihm ist auch bewusst, „dass die Motivation des einen oder anderen nicht mehr so groß ist“. Auf der anderen Seite sagt er auch: „Jeder ist froh, wenn er sich momentan mal ein bisschen bewegen und mal raus kann. Sogar ich gehe ab und zu mal laufen.“

Auch der SV Hardt hatte viel Verletzungspech

Ein Team, das in der aktuellen Saison ebenfalls großes Verletzungspech hatte, war der Landesligist SV Dorsten-Hardt. Die Hardter standen nicht nur mitten im Abstiegskampf, sondern mussten ihren ohnehin kleinen Kader regelmäßig mit Spielern aus der Reserve aufstocken. Viele wichtige Spieler fielen verletzungsbedingt aus. Doch einen Vorteil durch die Pause will auch der Hardter Trainer Martin Stroetzel nicht erkennen.

Das Problem ist einfach, dass nur Laufen und Kräftigungsübungen nicht die Arbeit auf dem Platz ersetzen. Um die Spieler, vor allem die vor der Krise Verletzten, wieder fit zu bekommen, müssen wir eine ganz neue Vorbereitung starten“, so der erfahrene Trainer.

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Stroetzel und sein Trainerteam haben den Spielern trotzdem weiter individuelle Trainingspläne an die Hand gegeben. Acht-Kilometer-Läufe in einer bestimmten Zeit, Kräftigung- und Stabilitätsübungen und Sprinteinheiten sind im Programm. Ob seine Spieler das alles so durchziehen, weiß der Trainer aber nicht. „Wir kontrollieren sie momentan auch nicht. Wir lassen ihnen ihre Ruhe.“ Auch er weiß, dass die Motivation der Spieler kleiner wird bei dem Gedanken, dass es erst in frühestens vier Monaten weitergeht. Und der mittlerweile feststehende Abbruch der Saison 2019/20 hat diesen Aspekt natürlich noch verstärkt.

Die Sehnsucht wächst weiter

Der Krise etwas Positives abgewinnen können also nicht einmal Vereine mit verletzten Spielern, auch die Spieler selber nicht. Die Sehnsucht danach, wieder auf die Plätze zu gehen und gegen einen Ball treten zu können, wird in den Gesprächen mit Trainern und Spielern deutlicher denn je – und wen wundert das?

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