Ist Vertrag auch im Lockdown Vertrag?

Corona-Lockdown

Für die reinen Amateure bedeutet der Lockdown einfach nur eine Pause. Für diejenigen, die mit dem Sport ihr gesamtes oder einen großen Teil ihres Einkommens bestreiten, birgt er ganz andere Probleme.

von Ralf Weihrauch

Dorsten, Schermbeck

, 05.11.2020, 06:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Geldscheine

Welchen Einfluss hat der Sport-Lockdown auf die Verträge von Spielern? © picture alliance / dpa

Der Lockdown für den Amateur- und Breitensport birgt auch dort Probleme, wo Spieler und Vereine durch Verträge aneinander gebunden sind. Die Situation bei den betroffenen heimischen Clubs ist aber bei weitem nicht so, dass sie nun hohe Lohnfortzahlungen zu leisten hätten. Auch für die betroffenen Sportler kommt es wohl nicht zu einer dramatischen oder existenzbedrohenden Situation.

Bryant Allen, BSV Wulfen

Bryant Allen (r.) vom BSV Wulfen hat in Deutschland auch noch einen 450-Euro-Job. © Joachim Lücke

Beim Basketball-Regionalligisten BSV Wulfen steht mit Bryant Allen ein Vollprofi im Team. Der Vorsitzende Christoph Winck kann aktuell noch nicht ganz genau sagen, wie der Verein mit dem Amerikaner verfahren wird: „Wir haben im Vorstand besprochen, dass wir die Möglichkeiten eines Kurzarbeitergeldes für Bryant prüfen, was wir beim ersten Lockdown nicht getan haben. Er hat einen normalen Arbeitsvertrag, sodass diese Möglichkeit besteht.“ Der BSV-Import hat zusätzlich zum Vertrag beim BSV noch einen 450-Euro-Job und geht dreimal pro Woche arbeiten. Daher ist es für die Wulfener auch kein Thema, dass Allen in der Corona-Pause in die USA fliegt.

Für Studenten kann es Engpässe geben

Wie schwer die Aussetzung des Spielbetriebs die übrigen BSV-Spieler trifft, konnte der Vereinsvorsitzende nicht sagen. Gerade bei Studenten könne es eventuell Engpässe geben: „In solchen Fällen sind wir natürlich zu Gesprächen bereit. Wir lassen keinen Spieler hängen, genauso wenig wie uns unsere Sponsoren hängen lassen. Das sind wir ihnen schuldig.“

Die BG Dorsten geht einen anderen Weg. Ihr Amerikaner Mark Gordon wird für den November zurück in die USA fliegen. Geschäftsführerin Lena Kemper hält das für die beste Lösung: „Mark hätte hier vier Wochen tatenlos in seiner Wohnung gesessen. Da ist er bei seiner Familie besser aufgehoben.“

Mark Gordon, BG Dorsten

Basketballer Mark Gordon (l.) hätte während des Lockdowns in Deutschland bestenfalls Waldläufe machen können und fliegt zurück in die USA. © Joachim Lücke

So sieht es auch Gordon selber: „Als ich die BG auf eine Heimreise ansprechen wollte, kam der Vorstand schon selber mit diesem Vorschlag auf mich zu.“ Gordon wird den November also bei seiner Familie in Eustis (Florida) verbringen: „Dort gibt es auch Corona-Beschränkungen, die aber nicht so streng sind wie hier. Ich kann dort in Studios gehen und mich fit halten.“ Für die Flugkosten kommt die BG Dorsten auf.

Situation im Fußball ist vielschichtiger

Beim Fußball-Oberligisten SV Schermbeck ist die Situation vielschichtiger. Der Vorsitzende Michael Steinrötter erklärt, dass etwa ein Drittel der Spieler Vertragsamateure sind: „Das bedeutet aber bei weitem nicht, dass sie wirklich viel Geld verdienen, und vom Profitum sind wir meilenweit entfernt.“ Der Status des Vertragsamateurs sei für die meisten Oberliga-Clubs nur wichtig, um Wechsel-Formalitäten zu vereinfachen und hohe Ablösesummen zu vermeiden. Zudem seien die Spieler Mitglieder in der Berufsgenossenschaft.

Bernad Gllogjani, SV Schermbeck

Für Bernad Gllogjani (M.) und seine Mitspieler vom SV Schermbeck fallen im Lockdown die Fahrten weg - und damit auch das Kilometergeld. © Joachim Lücke

Dennoch entstünden durch diese Verträge Fixkosten: „Die meisten Verträge lauten auf die Mindestsumme von 275 Euro. Die zahlen wir genauso weiter wie die darauf fälligen Sozialabgaben.“ Ansonsten zahlen die Schermbecker nur Aufwandsentschädigungen: „Alle Spieler bekommen Kilometergeld für die Fahrt zum Training und zu den Auswärtsspielen. Eine Sieg- oder Auflaufprämie gibt es nicht. Da wir im November nicht trainieren oder spielen, fallen diese Zahlungen nicht an.“

Lesen Sie jetzt