Wie aus Preußen Dorsten der FC Rot-Weiss wurde

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Die ersten Versuche mit dem runden Leder machten die Gründerväter des FC Rot-Weiss Dorsten bereits zehn Jahre vor der Vereinsgründung. Und die erfolgte dann auch noch unter anderem Namen.

Dorsten

, 09.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Als 1909 in Dorsten erstmals der Fußball rollte, da war die Welt des Kaiserreichs auch in der Lippestadt noch in Ordnung, und die treuen Fußball-Untertanen seiner Majestät nannten sich „Preußen Dorsten“. Zehn Jahre und einen Weltkrieg später sah das bei der Gründung des eigentlichen Vereins schon anders aus. „SV Dorsten“ erkoren sich die 30 Fußball-Begeisterten bei der Gründungsversammlung im Café Langenstroer als Clubnamen und nahmen gleich mit drei Mannschaften den Spielbetrieb auf.

Die ersten Gegner in der A-Klasse kamen noch nicht von nebenan: Hamborn 07 und der Duisburger Spielverein waren darunter und ein gewisser SC Preußen Münster.

Fusion mit dem VfL Dorsten

Noch nicht ganz volljährig, schloss sich der junge Verein 1936 mit dem VfL Dorsten zusammen. Es waren braune Zeiten − von Rot-Weiss war auch da noch keine Rede, und dann brachte der 2. Weltkrieg den Spielbetrieb erneut zum Erliegen. Bomben pflügten den Jahnsportplatz um, und viele Unterlagen des Vereins waren für immer verloren. Ein Schlag für die Chronik, der sich Jahrzehnte später noch einmal wiederholen sollte.

Wie aus Preußen Dorsten der FC Rot-Weiss wurde

Das Vereinsheim (l.) und der Kabinentrakt (r.) am Jahnsportplatz konnten nur dank jeder Menge Eigenleistung der Mitglieder entstehen. © Privat

1951 schließlich betrieben die Mitglieder der Fußballabteilung des VfL Rot-Weiß Dorsten die Gründung des FC Rot-Weiß Dorsten, wollten das aber nicht als Neugründung, sondern nur als Namensänderung verstanden wissen. Gründungsdatum des Vereins blieb weiterhin das Jahr 1919.

Drei Jahre später durfte der FC sich über die Einweihung seines neuen Platzes freuen. Gerade zur rechten Zeit, denn es herrschte Fußball-Begeisterung in Deutschland und in Dorsten − es war der 31. Juli 1954, 27 Tage nach dem Wunder von Bern.

Erstmals Aufstieg in die Bezirksklasse

Auch die erste Mannschaft des FC Rot-Weiß schwamm auf der Woge der Begeisterung und wurde in der Saison 54/55 Meister der Gruppe Dorsten/Borken. Nach einem Jahr Bezirksklasse ging es aber bereits wieder zurück nach unten. Das sollte sich in den nächsten Jahren wiederholen, bevor der FC Anfang der 70er Jahre zu einem dauerhafteren Höhenflug ansetzte.

Vielleicht auch dank der verbesserten Infrastruktur, denn über die Jahre waren am Jahnplatz neue Umkleideräume und eine provisorische Flutlichtanlage entstanden. Eine wichtige Rolle spielte auch das finanzielle Engagement des damaligen Technischen Leiters Walter de Beyer. Doch der Einkauf vieler auswärtiger Spieler und die Vernachlässigung der Jugendarbeit erwiesen sich als Bumerang, der den Verein schon Mitte der 70er Jahre einholte.

Durchmarsch bis in die 2. Kreisklasse

Dem Abstieg in die 1. Kreisklasse 1974 folgte 1975 prompt der Durchmarsch in die 2. Kreisklasse − der vorläufige Tiefpunkt der Vereinsgeschichte, an dem der FC viele Jahre zu knabbern hatte. Erst 1985 gelang die Rückkehr in die Kreisliga A. Dort gehörten die Rot-Weißen fortan viele Jahre zum sportlichen Inventar. In den Fokus gerieten in dieser Zeit − leider − wieder der Jahnsportplatz und die dortige Infrastruktur.

Wie aus Preußen Dorsten der FC Rot-Weiss wurde

Zum 90-jährigen Bestehen konnte der FC zahlreiche langjährige Mitglieder begrüßen. Das soll am kommenden Wochenende natürlich auch so sein. © Ralf Pieper

Am 9. Juli 1996 brachen Vandalen ins Vereinsheim des FC ein und legten Feuer. Das Gebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder. Doch in dieser schweren Stunde bewiesen die Fußballer vom Jahnplatz, was das Wort Verein bedeuten kann. Unter Führung des Vorsitzenden Walter Tusar packten alle mit an, und schon am 21. Dezember desselben Jahres konnte der FC Richtfest für sein neues Schmuckstück feiern.

Eigenleistung ist Trumpf

Auch bei weiteren Projekten erbrachte der Verein jede Menge Eigenleistung. So entstand 2006 ein komplett neues Kabinengebäude, nur ein Jahr später wurde der Tennenplatz erneuert, und auch für die Zukunft haben die Verantwortlichen um Walter Tusar und seinen Nachfolger Stefan Cremer noch Pläne wie den Bau eines Kunstrasenplatzes in petto.

Sportlich musste der FC Rot-Weiss zwischenzeitlich noch einmal den Gang in die B-Liga antreten. Doch Trainer Stefan Weffers schaffte den Wiederaufstieg, und unter seinen Nachfolgern spielt der 100 Jahre alte FC Rot-Weiss Dorsten in der Kreisliga A wieder eine Rolle wie ein Jungspund.

So feiert der FC am Wochenende

Vom Umtrunk bis zum Blitzturnier Den zweiten Teil der Jubiläumsfeierlichkeiten des FC Rot-Weiss Dorsten leitet am 12. Juli (Freitag) ein kleiner Umtrunk für alle Jubilare und langjährigen Mitglieder des FC ein. Los geht es im Vereinsheim am Jahnsportplatz in Anlehnung an das Gründungsjahr des Clubs um 19.19 Uhr. Tags darauf laden die Rot-Weißen um ihren Vorsitzenden Stefan Cremer dann am 13. Juli (Samstag) um 11 Uhr zum offiziellen Festakt auf ihre Anlage. Um 14.45 Uhr treten an diesem Tag die Cheerleader des BSV Wulfen auf, die eine Woche zuvor − also an diesem Wochenende − an den Europameisterschaften teilnehmen. Im Anschluss findet dann ein Blitzturnier mit den Herrenmannschaften der Gastgeber, des BVH Dorsten, des TuS Gahlen und des SuS Hervest Dorsten statt. Abends schließlich lädt der FC wiederum ab 19.19 Uhr alle Mitglieder, Freunde und Sponsoren zur großen Jubiläums-Abschlussparty mit DJ N-Ray ein. Bei kaltem Bier vom Fass und Softgetränken für jeweils 1 Euro soll dann im Vereinsheim kräftig gefeiert werden.
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