André Fuhr übernimmt beim BVB und ist heiß auf Titel - doch was wird aus Gino Smits?

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André Fuhr ist neuer Trainer von Borussia Dortmund. Am Dienstag hat der Handball-Bundesligist den neuen Coach vorgestellt. Was aus seinem Vorgänger wird, bleibt vorerst abzuwarten.

Dortmund

, 04.06.2019, 21:04 Uhr / Lesedauer: 3 min
André Fuhr übernimmt beim BVB und ist heiß auf Titel - doch was wird aus Gino Smits?

Andreas Heiermann, Abteilungsvorstand des BVB, der neue Trainer André Fuhr und Andreas Bartels, stellvertretender Abteilungsvorstand (v.l.) © Foltynowicz

Für gekränkte Eitelkeiten war diesmal kein Platz bei Borussia Dortmund. Natürlich habe er zum Hörer gegriffen, als es hieß, André Fuhr könne möglicherweise die TuS Metzingen verlassen, gestand Andreas Heiermann am Dienstag bei der Vorstellung des neuen Trainers erstaunlich offen ein. Nur, weil der 48 Jahre alte Handballlehrer dem BVB vor einem Jahr, nach seinem Abschied von der HSG Blomberg-Lippe, einen Korb gegeben habe, sage man doch nicht: „Wir rufen ihn nie wieder an.“

„Manche sagen, ein Jahr zu spät“

Und so rief Heiermann, Abteilungsvorstand von Borussia Dortmund, André Fuhr eben auch in diesem Jahr wieder an. Mit dem Ergebnis, dass die Liaison zwischen Fuhr und den Schwarzgelben mit zwölf Monaten Verzögerung nun doch noch zustande kommt. Er freue sich, hier in Dortmund zu sein, erklärte Fuhr. „Manche sagen, ein Jahr zu spät. Aber manchmal ergeben sich die Dinge eben so, wie sie sich ergeben.“

Borussia Dortmund hat den Übungsleiter gleich mit einem Drei-Jahres-Vertrag ausgestattet. Und vielleicht könne man auch daran erkennen, „dass wir aus Fehlern lernen“, sagte Heiermann, der in Fuhr nach Norman Rentsch und Gino Smits den nunmehr dritten Trainer innerhalb von zwölf Monaten präsentierte. „Für uns ist André der Trainer, der am besten zu Borussia Dortmund passt“, sagte Heiermann. „Wegen seiner Erfahrung. Und wegen seiner Kontinuität.“

„Heiß auf Titel“

Zudem sei Fuhr, der vor seinem Engagement bei Metzingen 16 Jahre lang in Blomberg gearbeitet hatte, „genauso heiß auf Titel, wie wir es sind“. Auch wenn der Abteilungsvorstand später relativierte: „Keiner von uns hier ist so vermessen, dass wir jetzt sagen: Wir wollen nächstes Jahr schon Deutscher Meister werden.“ Er sehe beim BVB ein „riesiges Potenzial“, betonte Fuhr.

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„Ich denke, dass ausreichend PS zur Verfügung stehen. Und es wird spannend, wie wir diese PS auf die Straße bringen.“ Dass der Verein den Kader noch in enger Abstimmung mit seinem Vorgänger Gino Smits zusammengestellt hat, ist für den neuen starken Mann im sportlichen Bereich kein Problem. „Wir haben eine super Mischung aus Nationalspielerinnen und jungen Talenten. Alle Positionen sind doppelt und mit guter Qualität besetzt. Das ist ein hochinteressanter Kader, der hätte auch von mir sein können. Ohne Frage“, sagte Fuhr.

Gerüchte führten zur Verpflichtung

Dass der 48-Jährige überhaupt auf der Pressekonferenz saß, eingerahmt zwischen Heiermann und Stellvertreter Bartels, sei auch ein bisschen dem Zufall geschuldet. Sie beide seien vor einigen Wochen auf Gerüchte angesprochen worden, ob Fuhr tatsächlich ein Thema für den Trainerposten sei. Zu diesem Zeitpunkt aber, beteuerte Heiermann, „hat keiner von uns mit ihm verhandelt“.

Es sei jedoch ein Anlass zum Nachdenken gewesen. „Wenn diese Gerüchte schon in der Welt sind, dann muss man ja mal hinterfragen: Will der wirklich aufhören in Metzingen?“ Er wollte. Am 28. Mai, nach dem Final Four, bei dem Fuhr mit Metzigen am Ende Platz drei belegte, folgte die Bekanntgabe der Vertragsauflösung. Die Entscheidung, beim Tabellendritten nicht weiterzumachen, habe aber nichts mit dem BVB zu tun gehabt, betonte Fuhr. Alles sei ziemlich spontan innerhalb weniger Tage passiert, was im Geschäft Bundesliga durchaus überraschend klingt, zumal Verträge in der Regel nicht zwischen Tür und Angel gemacht werden. Aber „für mich war es gut, dass es so schnell eine neue Möglichkeit gab. So hatten wir alle Glück im Unglück.“

Smits Zukunft offen

Alle, bis vielleicht auf Gino Smits. Der Niederländer hatte erst im Dezember seinen Vertrag als Trainer bis 2020 verlängert. Zudem verfügt Smits über ein gültiges Arbeitspapier als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Ob er letztere Aufgabe in der kommenden Saison übernimmt, ist noch offen. Er habe eh einen Vertrag bis 2020, sagte Heiermann. „Das ist der Vertrag, der uns vorliegt, und der aus unserer Sicht auch zwingend einzuhalten sein sollte. Wobei man Reisende nicht aufhalten kann.“

Eine Saisonanalyse mit Smits habe es am Montag vergangener Woche gegeben. Mit dem Ergebnis, dass der Verein dem Niederländer die Wende bei der ersten Mannschaft nicht mehr zutraut. Erst, nachdem die Verantwortlichen die Gespräche mit Smits beendet hatten, betonte Heiermann, „haben wir mit André Fuhr das letzte Gespräch geführt“.

25 Minuspunkte kommen beim BVB nicht gut an

Als Gründe nannte der Vorstand vor allem die sportliche Entwicklung. „Wir haben nicht nur Ziele klar definiert, wir haben auch einen Plan“, erklärte Heiermann. „Und wir müssen ganz ehrlich sein: Mit dem Saisonverlauf in der Rückserie sind wir nicht zufrieden.“ Noch vor der Partie beim VfL Oldenburg am 11. Mai (24:32) hätten Vorstand und Trainer die Situation erstmals zu analysieren versucht. Man sei damals zu dem Ergebnis gekommen, es laufe „suboptimal“ (Heiermann) – und zwar nicht nur sportlich, sondern auch hinsichtlich der Entwicklung einzelner Spielerinnen. „Wir sind dann nur Siebter geworden und hatten 25 Minuspunkte. Und jedem muss klar sein, dass 25 Minuspunkte bei Borussia Dortmund nicht so gut ankommen.“

Nun liegt es an André Fuhr, die Bilanz wieder aufzufrischen, damit aus der Liaison eine langfristige Beziehung wird. Denn nach einem Jahr schon wieder umzuziehen, so wie in diesem Sommer, „darauf habe ich keine Lust.“

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