Aufrappeln, wenn man am Boden liegt: Die wundersame Auferstehung des BSV Schüren

hzFußball-Rückblick

Trainerwechsel, schlechte Stimmung, Abstiegsrelegation: Der BSV Schüren lieferte so viel Stoff, man hätte wohl eine ganz Trilogie daraus drehen können. Und am Ende gab‘s ein Happy End.

Dortmund

, 04.06.2019, 17:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

In unserem Fußball-Rückblick schauen wir eine Woche lang auf alle überkreislich spielenden Teams der abgelaufenen Saison. Teil 5: Der BSV Schüren (Westfalenliga, Platz 14, 26 Punkte, 7 Siege, 5 Unentschieden, 18 Niederlagen).

Das Spiel der Saison: In einer Saison mit wenigen Höhen und vielen Tiefen wird am Ende wohl für immer das Relegationsspiel gegen den SV Mesum in Erinnerung bleiben. Bis zur 90. Minute lag der Aufsteiger mit 0:1 zurück, der Sturz in die Landesliga schien unausweichlich. Aber wie sagte einst Alfred Pennyworth zu Bruce Wayne (Batman): „Warum fallen wir, Sir? Damit wir lernen können, uns wieder aufzurappeln.“ Und der BSV Schüren rappelte sich auf. Erst erweckte Zivko Radojcic sein Team mit dem Ausgleich zu neuem Leben, dann schwang sich Abdelkarim Bouzerda zum Helden auf, traf in der fünften (!) Minute der Nachspielzeit zum 2:1 und rettete in seinem letzten Spiel für den BSV dem Verein den Klassenerhalt. Was für ein Happy End...

Das Highlight der Saison: Arthur Matliks Worte an seine Mannschaft vor der Partie beim damals Tabellenletzten Marl-Hüls. Der Trainer wollte vor der richtungsweisenden Partie noch einmal alle Kräfte mobiliseren und malte die sportlich angespannte Situation so hinreißend in Worte, wie Vincent van Gogh einst seine Sonnenblumenbilder gestaltete: „Bei uns geht‘s ums Überleben. Egal, ob ein Brocken oder ein Krümmel vor uns liegt: Wir müssen ihn wegputzen.“ Nie hat Abstiegskampf schöner geklungen.

Wendepunkt der Saison: Die Trainerwechsel von Dimitrios Kalpakidis zu Daniel Dukic zu Arthur Mathlik. Gleich drei Trainer durften sich eim BSV in dieser Saison versuchen. Kalpakidis verließ den Verein bereits nach zwei Pflichtspielen. Sein Nachfolger Dukic blieb - im Gespann mit Matlik - immerhin sechs Partien an der Seitenlinie. Dann machte auch er Schluss. Die Kommunikation mit Matlik „hat einfach nicht gestimmt“, sagte er. Matlik übernahm in der Folge komplett. Die Mannschaft konnte auch er zwar nicht aus dem Abstiegskampf befreien, aber zumindest wieder Konstanz in den Verein bringen.

Kuriosum der Saison: Dimitrios Kalpakidis‘ Abrechnung mit der eigenen Mannschaft. Nach der 0:7-Niederlage im Westfalenpokal beim Drittligisten Preußen Münster folgte die Brachialabrechnung des ehemaligen BSV-Spielertrainers mit seinem Team. „Mein Kopf ist leer. So bin ich mit einer Mannschaft noch nie untergegangen“, sagte Kalpakidis nach der Niederlage im August des vergangenen Jahres. Und: „Es kann dann aber nicht sein, dass ich mir hier mit 39 Jahren den Arsch aufreiße und die Leute neben mir sich verstecken.“ Musste es dann ja auch nicht mehr. Vier Tage nach dem Debakel in Münster trennten sich die Wege von Kalpakidis und dem BSV Schüren.

Das Lowlight der Saison: Sportliche Tiefpunkte gab es viele in dieser verkorksten Saison. Sei es das 0:5 bei der DJK TuS Hordel oder das 1:5 gegen Horst-Emscher. Doch was der BSV bei der 0:3-Niederlage am 30. Spieltag im Derby beim Kirchhörder SC auf dem Platz veranstaltete, ließ sich kaum in Worte fassen. Ein Anblick, als hätte Paul Verhoeven sein Tanzfilmdrama „Showgirls“ noch einmal auf dem Fußballplatz verfilmen wollen. Irgendwie sei es so gewesen, sagte Matlik damals, „als würde der Tabellenführer, der den Aufstieg schon sicher hat, ein bisschen Fußball spielen wollen“. Statt den großen Schritt in Richtung Klassenerhalt zu machen, rutschte der BSV nur noch tiefer in den Abstiegskampf.

Jetzt lesen

Der Spieler der Saison: 81 Gegentore kassierte der BSV Schüren in 30 Liga-Spielen. Und doch war es Torhüter Sascha Samulewicz, der seiner Mannschaft in diesem Jahr so manchen Punkt rettete. In einem Team der Unkonstanten ragte Samulewicz als positive Kontante heraus. Nicht zuletzt im Endspiel gegen den SV Mesum, als der 33-Jährige ein ums andere Mal einen höheren Rückstand verhinderte und seinen Anteil am späten Glück des BSV hatte.

Die Maschine der Saison: Sotirios Stratakis. Auf 2576 Spielminuten bei 30 Einsätzen kommt der 30 Jahre alte Mittelfeldspieler in dieser Saison. Mehr hat keiner beim BSV auf dem Buckel. Zudem steuerte der Dauerbrenner noch sechs Tore bei. Seinen Urlaub hat sich Stratakis nun erst einmal redlich verdient.

Die Saison als Film oder Serie: Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Schüren zeigte die gesamte Saison über zwei Gesichter. Mal feierte der Klub zwei Siege in Serie wie gegen Wiemelhausen und Horst-Emscher und schien dem Klassenerhalt nahe zu kommen. Dann zeigte der BSV wieder unerklärliche Rückfälle und präsentierte sich wie ein echter Absteiger. Auf eine Fortsetzung können sie in Schüren gerne verzichten.

Die vorangegangenen Teile finden Sie hier:

Jetzt lesen
Jetzt lesen
Jetzt lesen
Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt