„Breitbeinig wie ein Cowboy“

DORTMUND Andreas Beikirch hat den Weltpokal der Steher dominiert in den vergangenen Jahren. Der Radprofi vom Team Sparkasse gewann zwischen 2001 und 2005 fünf Mal in Folge. 2006 wurde er vom Schweizer Peter Jörg enttrohnt.

von Von Dirk Krampe

, 14.12.2007, 15:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Breitbeinig wie ein Cowboy“

„Fahre, so lange ich mithalten kann“: Andreas Beikirch.

Eine Niederlage, die gewurmt hat, wie der 37-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung verrät.

Herr Beikirch, der zweite Weihnachtstag rückt näher. Freuen Sie sich schon? Andreas Beikirch: Ja. Es ist in jedem Jahr ein ganz besonderes Rennen, das eine ganz besondere Atmosphäre auszeichnet. Es gibt viele Steher-Rennen, das in Dortmund aber ist ein ganz spezielles.

Sie galten beinahe als unschlagbar. Bis der Schweizer Peter Jörg kam ... Beikirch: Na ja, es war ja klar, dass irgendwann auch mal ein anderer gewinnt. Aber ich bin wieder besonders motiviert. Das stimmt.

Was ist das Besondere an einem Steher-Rennen? Beikirch: Es ist schwer vorhersehbar. Ich hatte, auch in Dortmund, mal ein Rennen, da ging es mir eigentlich gut, doch plötzlich bin ich regelrecht eingebrochen. Da habe ich auf 50 Runden sechs verloren. Man ist nie vor Überraschungen gefeit.

Sie bekommen den Spagat aber ganz gut hin als Straßen- und Bahnfahrer ... Beikirch: Man muss die Saison genau planen. Es gibt ganz wenige, die beides gleichwertig nebeneinander her und gut machen. Mein Schwerpunkt liegt schon mehr auf dem Winter. Ich habe halt meine Pause dann im August und bereite mich dann langsam auf die 6-Tage-Rennen vor.

Ohne despektierlich sein zu wollen: Mit 37 ist man ja auch nicht mehr der Jüngste ... Beikirch: Das ist wohl wahr (lacht). Im Ernst: Es wird immer schwerer. Fragen Sie mich mal zwei Tage nach dem Steher-Championat. Da laufe ich breitbeinig rum wie ein Cowboy.

Schon Gedanken gemacht über die Zeit nach der aktiven Karriere? Beikirch: Natürlich tauchen diese Gedanken immer öfter auch. Wie jetzt wieder, wenn ich in Holland ein 6-Tage-Rennen fahre. Dann spricht man mit den Älteren wie Bruno Risi oder Andreas Kappes. Und stellt fest, es werden immer weniger. Aber einen konkreten Zeitpunkt gibt es noch nicht. Ich fahre, so lange ich mithalten kann. Und Vollgas bis zur letzten Runde.

Haben Sie deshalb auch einen ganz jungen 6-Tage-Partner gewählt? Erik Mohs ist gerade mal 21 ... Beikirch: Das ist schon eine spezielle Situation. Sportlich klappt es gut, da kommen wir gut miteinander klar. Aber er gehört einer ganz anderen Generation Radfahrer an. Das merkt man auch an den Gesprächs-Themen, da geht es manchmal um schnelle Autos und Frauen. Wenn das aufkommt, gehe ich raus (lacht).

Trotzdem sind Sie der beruhigende Gegenpol? Beikirch: Genau. Ich hoffe, ich kann ihm sportlich so einiges beibringen. Der Rest kommt von selbst.

Ohne das Thema Doping kommt leider kein Radsport-Gespräch aus ... Beikirch: Woran Sie ja eine Mitschuld tragen. Also nicht Sie persönlich (lacht). Aber mir scheint es so, als interessiere einen Teil der Medien nur die negative Schlagzeile.

Empfinden Sie es als ungerecht, dass es Doping in der Leichtathletik und anderen Sportarten gibt, aber der Radsport extrem am Pranger steht? Beikirch: Ein wenig schon. Man muss aber zugeben, dass der Radsport sich vieles selbst zuzuschreiben hat.

Glauben Sie an eine saubere Zukunft? Beikirch: Schwer zu sagen.

Weil es Täter geben wird, so lange es die Versuchung gibt? Beikirch: Weiß ich nicht. Wichtig ist, dass man die richtigen Konsequenzen zieht und Programme installiert, die die Basis bieten für einen sauberen Radsport. Da sind wir auf einem guten Weg. Schwarze Schafe kann es immer geben.

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