Chef-Richter: „Wenn auf Schiedsrichter eingetreten wird, haben wir einen Tiefpunkt“

hzFußball

Die Fußball-Saison pausiert aufgrund der Corona-Pandemie. Wir haben mit dem Kreisspruchkammer-Vorsitzenden Frank-Bernd Meyer über das Verhalten der Spieler in die letzten Monate gesprochen.

Dortmund

, 13.11.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Frank-Bernd Meyer ist seit 1992 Mitglied der Fußball-Kreisspruchkammer und seit einigen Jahren hat er den Vorsitz inne. Er erzählt im Interview, wie die ersten drei Monate aus Sicht der Kreisspruchkammer abgelaufen sind.

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Herr Meyer, die Amateur-Saison pausiert aktuell. Waren es bisher drei normale Monate für die Kreisspruchkammer?

Das, was da so alles auf den Plätzen abgelaufen ist, war bestimmt nicht normal. Wir haben Sperren von acht, fünf und zwei Jahren ausgesprochen. Manchmal hat man das Gefühl, dass Spieler ihre Hemmschwelle aufgehoben haben. Der Respekt, vor allem gegenüber Schiedsrichtern, lässt immer mehr nach.

Schütteln Sie nur noch den Kopf, wenn Sie die Ausführungen der Schiedsrichter und Staffelleiter bekommen?

Ich schüttle schon lange nicht mehr den Kopf. Seit 1992 bin ich jetzt Teil der Kreisspruchkammer in Dortmund und habe schon so viel mitbekommen. Aber ich bin weiterhin erschrocken, wenn ich die Intensität der Gewalttaten sehe.

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Was meinen Sie?

Wenn es jetzt schon Spieler gibt, die Schiedsrichter zusammenschlagen und dann noch auf sie eintreten, wenn sie am Boden liegen, dann haben wir einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Sind es denn mehr Spielabbrüche geworden?

Nein, Spielabbrüche gab es schon immer. Aber diese Gewalt auf dem Platz nimmt einfach zu. Aber eins darf man nicht vergessen.

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Und zwar?

Diese Gewalttäter sind nicht der Maßstab für alle Fußballer. Es gibt so viele besonnene Leute im Fußball, die sich vernünftig verhalten und in brenzlichen Situationen deeskalierend einwirken. Mir macht noch etwas große Sorgen.

Ja?

Die Vereine betrügen mehr. Sie setzten Spieler ein, die nicht spielen dürften. Es ist aus meiner Sicht ein großer Fehler der Verwaltung gewesen, die Passkontrollen der alten Form abzuschaffen.

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Müssen Sie eigentlich aktuell häufiger Recht sprechen als früher?

Zuletzt waren es echt viele Sitzungen. Im Schnitt treffen wir uns schon zweimal die Woche. Das war nicht immer so.

Wird durch die Corona-Pandemie jetzt nur schriftlich verhandelt?

Die Vereine haben das Recht, selbst zu entscheiden, ob sie gehört werden wollen oder ob sie das Verfahren schriftlich abwickeln möchten. Wir können kein schriftliches Verfahren vorgeben.

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Man hört häufig nach Aussetzern von Spielern, dass Vereine diese rausschmeißen. Ist das ein cleverer Schachzug?

Wenn sie die Spieler rausschmeißen, dann bitte nach dem Urteil. Sind die Spieler nämlich nicht mehr Mitglied im Verband, können wir nicht verhandeln. Dann haben wir keine Rechtsgrundlage.

Verfällt dann die Strafe?

Es gibt erstmal keine. Aber die Spieler müssen nicht glauben, dass sie dann irgendwann wieder spielen können. Wenn sie sich später bei einem neuen Klub anmelden, können wir auch dann noch verhandeln und sie bestrafen.

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