Christina Hammer hat eine bittere Niederlage gegen Claressa Shields einstecken müssen. Im Vereinigungskampf verlor sie klar nach Punkten - befindet sich aber weiter im Angriffsmodus.

Dortmund

, 21.04.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Christina Hammer ist wieder zurück in Deutschland. Früher als gedacht, aber dafür mit jeder Menge Kampfeswillen im Gepäck. Nach ihrer Punkt-Niederlage im Weltmeisterschaftskampf im Mittelgewicht gegen die US-Amerikanerin Claressa Shields und dem damit verlorenen WBO-Titel blickt die Dortmunderin nach ihrer ersten Niederlage als Profi-Boxerin wieder optimistisch in die Zukunft.

Revanche-Kampf noch dieses Jahr?

Der eigentlich geplante Kurzurlaub in den USA fiel aus. Noch in diesem Jahr soll ein Revanche-Kampf gegen Shields über die Bühne gehen. „Ich habe aus meiner Niederlage gelernt, ich lasse mich nicht unterkriegen“, kündigt Hammer selbstbewusst an, die nach einer grundlegenden Analyse zunächst eine mehrwöchige Pause einlegen wird.

Erzählen Sie doch bitte, wie die Atmosphäre war in der Boardwalk Hall in Atlantic City?

Natürlich waren einhundert Prozent der Zuschauer für Shields, sie haben sie lautstark unterstützt. Das war schon eine verrückte Atmosphäre, unglaublich laut. Aber ich kannte das ja schon von meinem ersten Kampf in den USA. Ich glaube aber, mein Trainer Dimitri Kirnos war schon etwas aufgeregt. Ansonsten ist das eingetreten, womit ich leider nicht gerechnet habe. Der Veranstalter hat alles getan, damit Shields Vorteile hat. Zum Beispiel einen weicheren Ringboden verlegt, damit meine Vorteile in Sache Beinarbeit nicht so zum Tragen kommen. Wir haben gedacht, das hätten wir verhindern können.

Die ersten beiden Runden und die Schlussrunde gingen auf Ihr Konto, was war dazwischen los?

Der Fehler lag bei mir, es war nicht mein Tag. Technisch kann ich viel mehr, als ich gezeigt habe. Ich habe meine Vorteile nicht genutzt. Ich muss mir allerdings eingestehen, dass Claressa besser war als ich. Sie war aggressiv, ist aber auch nicht die Super-Heldin, als die sie immer dargestellt wird.

Anders als von allen angenommen suchte die sieben Zentimeter kleinere Shields nicht die Nahdistanz, sondern bereitete mit dem linken Jab ihre Attacken vor. Sie wirkten etwas ratlos.

Ich muss mir eingestehen, dass ich nicht wirkungsvoll darauf reagiert habe. Beim nächsten Mal muss ich mich einfach besser auf Claressa einstellen.

Dass es hätte besser laufen können, haben Sie dann in Runde 10 bewiesen...

Ja, das stimmt. Mein Trainingspartner Nick sprang fast in den Ring und schrie mich an. Da wusste ich, ich muss sie hart treffen, muss alles auf eine Karte setzen. Wichtig war für mich, dass ich bis zur letzten Sekunde gekämpft habe.

Wie fühlt man sich nach der ersten Niederlage in acht Jahren und in der Gewissheit, zum ersten Mal ohne einen WM-Titel dazustehen?

Ganz schlecht, das war wirklich bitter, das gebe ich zu. Andererseits habe ich danach ein gutes Feedback bekommen, die Zuschauer in der Arena haben mir applaudiert. Trotz der Niederlage habe ich viel gelernt. Es hört sich vielleicht komisch an. Aber ich weiß, dass ich sie schlagen kann. Und ehrlich gesagt ist eine Niederlage auch kein Weltuntergang. Das gehört zum Sport dazu und ist keine Schande. Insgesamt war das ein Mega-Kampf, eine Mega-Bühne für das Frauenboxen.

Sie haben sofort gesagt, der Blick gehe nach vorn. Was passiert in den kommenden Wochen und Monaten?

Ich mache jetzt zunächst eine Pause, fahre in den Urlaub. Danach werde ich mir ernsthafte Gedanken machen, was ich ändern muss. Auch im Training. Es kommt alles auf den Prüfstand Ich muss schonungslos analysieren, was war gut und was war schlecht. Die Analyse muss ganz ehrlich ausfallen. Noch steht zwar nicht fest, wann ein Rückkampf ansteht, aber ich hoffe, dass er noch in diesem Jahr zustande kommt. Ich habe einen großen Willen, die vier WM-Titel waren und sind noch immer mein Traum.

Die Atmosphäre im Vorfeld war ja reichlich vergiftet, Claressa Shields war auch verbal sehr aggressiv. Wie war es nach dem Kampf?

Wir haben uns die Hand gegeben, ich habe Claressa gratuliert, und sie hat gesagt, dass auch ich super gekämpft habe. Alles war sehr freundlich und respektvoll.

Hat die Niederlage in Atlantic City jetzt etwas an Ihren Plänen für die angedachten Olympischen Spiele 2020 in Tokio geändert?

Nein, nichts. Ich habe einen Olympiastart 2020 in Tokio noch immer auf meinem Plan. Daran hat sich absolut nicht geändert. Ich kenne auch die Voraussetzung, wir haben ja mit DBV-Sportdirektor Michael Müller darüber gesprochen. Aber zunächst kommt der Rückkampf. Und nochmals: Ich weiß, dass ich Claressa Shields schlagen kann.

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