Corona: Kreis Unna fordert Saisonpause, Fußballkreis Dortmund verschärft die Masken-Regel

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Der Kreis Unna wird wohl ab Sonntag Corona-bedingt den Spielbetrieb aller Sportler für zwei Wochen unterbrechen. Der Fußballkreis Dortmund nimmt die Zuschauer mehr in die Pflicht.

Dortmund

, 10.10.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In Deutschland klettern die Zahlen der Corona-Infektionen wieder nach oben. Am Freitag sind deutschlandweit über 4500 Neuinfektionen gemeldet worden. Die Sportlerinnen und Sportler im besonders betroffenen Kreis Unna müssen sich offenbar auf umfassende Konsequenzen durch die Corona-Pandemie einstellen.

Wie reagiert der Fußballkreis Dortmund auf die steigenden Fallzahlen und auf die Entwicklungen im Nachbarkreis? Eine Entscheidung überrascht.

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Kontaktsportarten, die mehr als zwei Personen umfassen, sollen von Sonntag 0 Uhr bis zum 25. Oktober untersagt werden, heißt es vom Kreis Unna. Der Kreis warte nur noch auf die Bestätigung durch die Bezirksregierung. Der Fußballkreis Unna/Hamm hingegen teilte schon am Freitagabend auf eigene Initiative mit, dass der kommende Spieltag am 10. und 11. Oktober auf Kreisebene komplett abgesagt wird - für die Senioren und die Junioren. Hat all das das Auswirkungen auf die Regelungen im Fußballkreis Dortmund?
Andreas Edelstein, Vorsitzender des Kreis-Jugendausschusses, glaubt nicht daran: „Was das Infektionsgeschehen betrifft, liegen wir ja gerade bei der Hälfte im Vergleich zu Unna - auch wenn sich da nach oben sicherlich noch was tun wird in Dortmund.“

Edelstein: Maßnahme des Kreis Unna nicht nachvollziehbar

Darüber hinaus ist Edelstein davon überzeugt, dass nicht der Sport der Faktor ist, der die Zahlen der positiv Getesteten in die Höhe treibt: „Wir haben bislang ein Prozent abgesagte Spiele im Fußball. Die 22 Spieler auf dem Platz sind sicher nicht verantwortlich für den Anstieg.“

Für ihn sei die Maßnahme des Kreis Unna daher nicht ganz nachvollziehbar. „Der Sport leidet darunter. Auf der anderen Seite ist es natürlich eine Beschränkung, die sehr leicht umzusetzen ist“, so Edelstein weiter.

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Ein unnötiges Risiko will Edelstein allerdings ebenso wenig eingehen. So bleibt im Kreis Dortmund die bisher geltende Regelung für Freundschaftsspiele bestehen. Obwohl die neueste Corona-Schutzverordnung vom 30.9. die Anzahl der Spieler nicht mehr begrenzt, hält der Kreis an der Regelung fest, dass weiterhin nur 30 Spieler beteiligt sein dürfen (je Mannschaft elf Spieler plus je vier Ergänzungsspieler).

„Wir gehen bei der Neuregelung des Landes nicht mit“, sagt Edelstein. Man sei gerade in einem Geschehen, in dem die Gesundheitsämter ohnehin schon „japsen“ würden, sagt Edelstein. „Die können sich auch schöneres vorstellen, als nach einem Freundschaftsspiel 40 oder 50 Personen nachzuverfolgen.“

„Wir Fußballer sind nicht der Nabel der Welt“

Es gehe dabei nicht um Panik, betont Edelstein. „Aber da muss auch mal der Weitblick herrschen. Wir Fußballer sind nicht der Nabel der Welt.“ Zudem werden die Pflichtspiele mit Saisonstart zeitlich so angesetzt, dass nach Abpfiff von Spielen der Altersklassen G- bis C- Jugend eine Pause von 60

Minuten vorgesehen ist. Nach Spielen der Altersklassen B- und A- Jugend und allen Seniorenspielen ist eine Pause von 75 Minuten verpflichtend, schreibt der Fußballkreis in einer Mitteilung.

Edelstein würde sich wünschen, dass gerade in dieser Zeit auch mal Pause gemacht wird und weniger Freundschaftsspiele abgemacht werden. Auch wenn er findet, dass der Fußball die Umsetzung der Regeln das gut hinbekomme. „Klar werden die Vorgaben gerne bis zur Grenze ausgereizt, aber nur selten darüber hinaus“, sagt Edelstein.

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Es werde gerne vom verantwortungslosen Fußball gesprochen. „Im Gegensatz zu anderen gesellschaftlichen Bereichen, läuft es aber ausgezeichnet“, findet Edelstein. Mit den steigenden Zahlen werde es natürlich ein bisschen schwierig. „Es steckt sich aber keiner auf dem Platz an. Die Infektionen treten woanders auf“, sagt er.

Deshalb findet er eine neue Regelung sinnvoll, die auch im Kreis umgesetzt wird. Die Spieler ausgenommen, durften sich bislang maximal 300 Zuschauer auf der Anlage aufhalten. Dazu gehören unter anderem auch Trainer, Betreuer, Schiedsrichter, Ordner und Vereinsmitarbeiter.

Spiele mit mehr Zuschauern werden erlaubt

Neu ist nun, dass auch Spiele mit mehr als 300 Zuschauern zugelassen sind. Vereine müssen dann aber ein besonderes Hygienekonzept vorlegen. „Wir haben in der Umgebung ja auch große Sportanlagen, auf denen die Abstände problemlos eingehalten werden können“, sagt Edelstein.

„Wenn ein Oberligist wie der ASC 09 Dortmund bei einem Spitzenspiel mehr Zuschauer ins Waldstadion lassen möchte und ein entsprechendes Hygiene-Konzept und genügend Helfer hat, die es kontrollieren, dann sollen sie das tun,“ findet der Vorsitzende des Jugendausschuss. Von diesem Vorhaben will Edelstein auch angesichts der neuen Entwicklungen im Kreis Unna nicht abweichen: „Mehr als 300 Zuschauer - das betrifft ohnehin nur eine Handvoll Vereine in Dortmund.“ Bisher, so sein Eindruck, gehe man mit viel Bewusstsein für die Situation und gewissenhaft mit den Schutzmaßnahmen um.

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Dortmunder Amateur-Fußballfans werden sich aber daran gewöhnen müssen, von nun an auf den Sportanlagen deutlich häufiger ihre Maske zu tragen. In der vorherigen Fassung der Corona-Regeln war das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes lediglich empfohlen. Jetzt steht dort: „Zum Schutz aller Zuschauer ist außerhalb des Zuschauerplatzes ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen.“

Konkret bedeutet dies, sind Zuschauer an ihrem Platz, dürfen sie die Schutzmaske abnehmen, ansonsten gilt auf dem gesamten Gelände Maskenpflicht. Auf dem Weg zum Bratwurst- oder Bierstand darf man sich also nicht ohne bewegen. „Das gilt auch für Spieler“, sagt Edelstein. Nach seiner Erfahrung würde dies aber ohnehin auch schon so gehandhabt.

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