Deutschland-Achter, Eisadler und noch viel mehr - Das Coronavirus trifft den Sport hart

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Überblick über den Sport: Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf Hockey, Basketball, Tischtennis, Eishockey, Amateurfußball, BVB-Handball, Rudern und den Signal-Iduna-Cup?

Dortmund

, 12.03.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Sachlage ist klar. Zumindest scheinbar. Alle Sport-Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Zuschauern fallen in NRW wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus aus. So die Weisung der Landesregierung vom Montagnachmittag. Doch was passiert bei Ereignissen unter dieser Marke?

Und wie verhalten sich die Sportler selbst in den sogenannten Kontaktsportarten wie Fußball, Handball oder Basketball? Fazit: Eine allgemeine Sorge, vom Gegenspieler oder von der Gegenspielerin infiziert zu werden, besteht offensichtlich nicht.

Grundsätzlich gilt: Je kleiner die Gruppe, desto geringer die Gefahr einer möglichen Ansteckung. Da ist so mancher Vereinschef auch mal froh, nicht so viele Zuschauer begrüßen zu dürfen.

Reiten, Rudern, Stadtsportbund Dortmund

Ein Überblick über die Situation im Dortmunder Sport:

Reiten: Das am Donnerstag beginnende internationale Reitturnier Signal Iduna Cup in Dortmund findet statt, wird aber zum Schutz vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus streng reglementiert.

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Danach können die Sportprüfungen des CDI/CSI stattfinden. Es können 1000 Besucher täglich das Turnier in der Westfalenhalle verfolgen. Damit berücksichtigt der Cup den Erlass, der Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern untersagt.

Rudern: Richtig hart trifft es die Ruderer aus dem Team Deutschland-Achter. Nachdem das März-Trainingslager von Gavirate (Italien) kurzfristig nach Lago Azul (Portugal) verlegt werden musste, hat der Weltverband Fisa bekanntgegeben, dass die beiden Weltcups im italienischen Sabaudia und Varese gestrichen wurden.

„Das wirft allerhand durcheinander. Wir müssen nun komplett neu planen. Aber letztlich plant man ins Blaue, weil man nicht weiß, wie sich die Lage in den nächsten Tagen und Wochen entwickelt“, sagte Bundestrainer Uwe Bender.

Infolge der Absagen bestreiten die Mannschaften erst Mitte Mai in Luzern ihre ersten internationalen Wettkämpfe. Das trifft besonders die Boote, die in der Nach-Qualifikation (17.-19. Mai) noch ums Olympia-Ticket fahren – darunter der Vierer und der Zweier ohne Steuermann. Für den Achter verschiebt sich der Saisonstart somit auf den Weltcup in Luzern (22.-24. Mai). Mit diesem Rennen und der EM in Posen (5.-7. Juni) reduziert sich das Wettkampfprogramm vor den Olympischen Spielen in Tokio auf nur zwei Regatten.

Stadtsportbund Dortmund: Mathias Grasediek, Geschäftsführer des SSB: „Für uns als Dachverband ist es äußerst schwierig, eine Empfehlung zu geben. Deshalb schließen wir uns den Empfehlungen der Gesundheitsbehörden an. Die Verantwortung liegt bei den Menschen vor Ort.“

BVB-Handball, Amateurfußball, Eisadler

Handball: Andreas Bartels, Abteilungs-Vize der BVB-Handballerinnen, sagt: „Sicherheit und Gesundheit zuerst, ganz klar. Wir wollen nicht in Panik verfallen, aber wir nehmen die Informationen sehr ernst und haben für jede Entscheidung, in welche Richtung auch immer, größtes Verständnis“.

Die nächste Woche ist Länderspiel-Woche, da sind die „Internationalen“ des BVB unterwegs. Bartels: Wir stehen mit allen Verbänden in Kontakt“. Trainer André Fuhr spricht von „schwierigen Entscheidungen“ und einer „gewissen Verunsicherung“, schließlich sei Handball ein Kontaktsport, da könne man nicht mit angezogener Handbremse in die Zweikämpfe gehen.

Fußball: Der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen – und damit auch der Kreis Dortmund – hat folgende Regelung an die Vereine ausgegeben. „Die Gefahr bei einem Fußballspiel im Freien ist wesentlich geringer als in geschlossenen Räumen“, so Manfred Schnieders, Vizepräsident Amateurfußball im FLVW.

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Aktuell plant der FLVW die Saison 2019/2020 wie vorgesehen bis zum Sommer 2020 zu Ende zu spielen. Das bestätigte auch der Kreisvorsitzende Jürgen Grondziewski: „Wir setzen die Vorgaben des FLVW um, prüfen alles im Einzelfall. In der Regel besuchen ja weniger als 1000 Zuschauer die Spiele in Dortmund.“

In Gelsenkirchen hingegen sagte die Stadtverwaltung kategorisch alle Veranstaltungen in städtischen Sporthallen und Sportanlagen ab.

Eishockey: Das letzte Qualifikationsrundenspiel der Eisadler am Freitagabend gegen Bergisch Gladbach wurde gestern abgesagt. Der NRW-Verband folgte damit der DEL, die bereits am Dienstag die Saison vorzeitig beendet hat. Sportlich bleiben noch einige Unklarheiten.

„Wir wissen noch nicht, ob wir jetzt Erster der Qualifikation bleiben oder nicht. Aber Landesliga-Meister sind wir ja auf jeden Fall“, erklärte Bernd Schnieder, 1. Vorsitzender der Eisadler: „Wir können aktuell noch nicht sagen, in welcher Liga wir uns in der nächsten Saison wiedersehen werden. Hier sind auch durch das kurzfristige Saisonende in den ersten drei Ligen noch viele Fragen offen“.

BVB-Tischtennis, Hockey, Basketball

Tischtennis: Dass zu den Heimspielen der BVB-Tischtennisspieler mehr als 1000 Zuschauer kommen, sei ja nicht zu befürchten, schmunzelte BVB-Abteilungschef Bernd Möllmann. Während die Tischtennis-WM im südkoreanischen Busan ausfällt, läuft in der 2. Bundesliga bislang alles ganz normal. Am Sonntag steht das Heimspiel gegen Passau auf dem Programm.

Grundsätzlich ist sich Bernd Möllmann aber der schwierigen Situation bewusst. „Natürlich können wir uns auch untereinander anstecken, der Ball ist ja ein Transportmittel für das Virus“, so Möllmann. Intern begrüßt man sich beim BVB im Training nicht mehr per Handschlag.

Und setzt auf das Prinzip Hoffnung: „Bei uns ist ja immerhin noch die Platte zwischen den einzelnen Spielern.“ Beim Westdeutschen Tischtennisverband (WTTV) geht man ebenfalls nicht von generellen Absagen von Spieltagen aus. „Weiterhin gehen wir davon aus, dass alle angesetzten Punkt- und Pokalspiele auch stattfinden“, sagt WTTV-Geschäftsführer Michael Keil.

Hockey: Mit Blick auf den letzten Spieltag der Hallensaison am Wochenende meint Marcus Küppers vom Westdeutschen Hockeyverband: „Alle Rückmeldungen, die wir bekommen haben, gehen in die Richtung, dass es keine generelle Absage geben wird.“ Allerdings habe sich der Verband dazu entschieden, dass Spiele, die keinen Einfluss auf Auf- oder Abstieg mehr haben, nicht mehr stattfinden müssen.

Für die ranghöchsten Dortmunder Teams vom TSC Eintracht heißt das: Das Spiel der 1. Herren gegen Uhlenhorst Mühlheim 4 am Sonntag fällt aus. „Sowohl für uns als auch für den Gegner hat das Spiel keine sportliche Relevanz mehr“, sagte TSC-Spieler Alex Roltsch.

Basketball: Volker Berg, der Vorsitzende des Basketballkreises Dortmund, hat bislang noch keine Infos vom Westdeutschen Basketball-Verband, verweist aber auch auf die eher geringen Zuschauerzahlen. „Die meisten Fans kommen wohl zum Spiel Barop gegen den SVD, aber mehr als einhundert Zuschauer sind das auch nicht“, so Berg, der in den kommenden Tagen die Vereine per Mail kontaktieren will, um sich über die jeweilige Situation ein Bild zu machen.

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