Deutschland-Achter trainiert wieder in Dortmund - mit kleinen Tricks

Rudern

Nach vier Wochen Trockentraining kehrt das Team Deutschland-Achter in kleinen Booten auf den Ems-Kanal zurück und trainiert für die EM, die tatsächlich dieses Jahr noch stattfinden soll.

Dortmund

, 03.05.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Fahrrad-Touren zum Dortmund-Ems-Kanal: Riemen-Bundestrainer Uwe Bender (M.), hier beim Weltcup in Linz mit Richard Schmidt (r.) und Torben Johannesen, verbringt seinen Zwangs-Urlaub „zufällig“ dort, wo seine Ruderer trainieren.

Fahrrad-Touren zum Dortmund-Ems-Kanal: Riemen-Bundestrainer Uwe Bender (M.), hier beim Weltcup in Linz mit Richard Schmidt (r.) und Torben Johannesen, verbringt seinen Zwangs-Urlaub „zufällig“ dort, wo seine Ruderer trainieren. © Seyb

Normalerweise hätte Uwe Bender seinen 61. Geburtstag am 11. April im Kreise der internationalen Ruder-Familie beim ersten Weltcup der Saison im italienischen Sabaudia gefeiert. Normalerweise... Tatsächlich saß der Bundestrainer der besten deutschen Riemenruderer allein zu Hause in Lünen. Alle Weltcups und auch die Weltmeisterschaft sind Corona-bedingt abgesagt, fern am Horizont schimmert noch die in den Oktober verlegte EM im polnischen Poznan.

„Es sind schwierige Zeiten gerade – für alle von uns“, sagt Bender, der vom Deutschen Ruderverband (DRV), wie andere Trainer auch, in den Zwangsurlaub geschickt wurde, während seine Athleten aus dem Team Deutschland-Achter daheim auf dem Balkon, auf Parkplätzen oder im Garten auf dem Ruder-Ergometer individuell an ihrer Fitness arbeiteten.

Mehr als vier Wochen Trockentraining, vier Wochen Motivation per Whatsapp-Gruppe statt direkter Olympia-Vorbereitung in der Gemeinschaft der großen Gruppe – das schlägt aufs Gemüt. Doch die Zeit der Solisten ist jetzt vorbei. Seit dem 21. April ist im Training endlich wieder Wasser im Spiel, das Ruder-Leistungszentrum am Dortmund-Ems-Kanal hat unter strengen Auflagen die Pforten für die Weltmeister geöffnet.

Trainer Uwe Bender: „Ein kleiner Schritt in Richtung Normalität“

„Wir können rudern und haben damit einen kleinen Schritt in die Normalität gemacht“, nennt es Trainer Uwe Bender und klingt wirklich erleichtert, „ich hoffe, dass wir eine weitere Entwicklung in den nächsten Wochen erleben. Am wichtigsten ist aber natürlich die Gesundheit – wir halten uns an die Regeln“.

Trainiert wird zeitversetzt in Zweiergruppen, entweder im Kraftraum oder auf dem Wasser. Die Trainingszeiten sind so gestaffelt, dass die jeweiligen Duos keine Berührungspunkte mit anderen Sportlern haben. So kommen die Ruderer bereits umgezogen zum Stützpunkt und duschen sich nach dem Training zu Hause.

Die Zeit des Trocken-Trainings im Vorgarten ist für Malte Jakschik vorbei.

Die Zeit des Trocken-Trainings im Vorgarten ist für Malte Jakschik vorbei. © picture alliance/dpa

Die Besprechungen finden per Telefon statt, und auch das Essen wird nach Hause verlagert. Im Stützpunkt wird darüber hinaus streng auf die Hygiene-Maßnahmen geachtet, der Sicherheitsabstand wird eingehalten, die verwendeten Geräte werden nach jeder Einheit desinfiziert.

Uwe Bender selbst hat nach der überstürzten Rückreise aus dem Trainingslager in Portugal Mitte März immer noch Urlaub, und seine tägliche Fahrradtour führt ihn bei diesem einladenden Wetter – natürlich rein zufällig – von Brambauer aus an den Ems-Kanal nach Dortmund, wo seine Schützlinge in Kleinbooten ihre Bahnen ziehen.

Uwe Bender: „Die Mannschaft hat das relativ schnell abgeklopft und sich entschlossen, noch ein Jahr dranzuhängen“

Alle aus dem Team Deutschland-Achter sind an Bord – und sie bleiben es auch. Das war die frohe Botschaft, die sich nach der Verlegung der Olympischen Spiele in Tokio ins kommende Jahr nach anfänglichen Zweifeln – besonders bei den älteren Athleten – herauskristallisierte.

„Die Mannschaft hat das relativ schnell abgeklopft und sich entschlossen, noch ein Jahr dranzuhängen. Es sind nur noch Kleinigkeiten abzuklären, zum Beispiel die Verlängerung der Freistellung von Sportlern bei der Bundespolizei von 2020 auf 2021“, berichtet Bender.

Olympiasieger Richard Schmidt (32), mit sechs Welt- und acht Europameister-Titeln im deutschen Prestigeboot dekoriert und seit zwölf Jahren ununterbrochen mit einem Achter-Rollsitz ausgestattet, erklärte: „Ich habe jetzt fast vier Jahre durchgezogen, dann mache ich das eine Jahr jetzt auch noch weiter“

. Die Pause zuletzt hat der Wirtschaftsingenieur genutzt, um an seiner Promotion im Bereich Energietechnik zu arbeiten. Mit Blick nach vorn sagte der Familienvater der dpa: „Ich hoffe, dass sich 2021 nach Olympia auch die wirtschaftliche Lage erholt hat und sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt wieder verbessert.“

Europameisterschaft in Polen soll im Oktober starten

Aktuell sind Schmidt und seine Kollegen froh, wieder ins Boot klettern zu dürfen, auch wenn es noch nicht das große, grüne ist. „Wir sind Mannschaftssportler, von daher ist es super, dass wir wieder zusammen trainieren können. Auch wenn es nur zu zweit ist. Für uns geht es jetzt darum, das richtige Bootsgefühl wiederzubekommen“, sagt Felix Wimberger aus dem DRV-Vierer, der offiziell noch nicht für Tokio qualifiziert ist, da alle Quali-Wettkämpfe abgesagt wurden.

Die Verlegung der Spiele selbst hält Trainer Bender für alternativlos, „direkt nach der Absage sind die Corona-Zahlen in Japan plötzlich in die Höhe geschnellt, jetzt ist der Notstand ausgerufen. Da wurde wohl vorher nicht alles bekanntgegeben“, vermutet er. Wenigstens ein sportliches Ziel hat sein Team Deutschland-Achter in diesem verrückten Jahr 2020 noch: die in den Oktober verlegte Europameisterschaft im polnischen Poznan.

„Das ist – bei aller aktuellen Ungewissheit – unser Zielwettkampf, darauf trainieren wir jetzt hin, in der Hoffnung, dass sich die Lage nach und nach normalisiert. Meine Sportler brennen auf jeden Fall schon. Es ist schön, dass die EM verlegt und nicht abgesagt wurde“, sagt Uwe Bender, der schon weiß, was er die nächsten Tage tun wird: Er wird zum Ems-Kanal radeln und ein paar Hochleistungssportlern ganz zufällig bei der Wasserarbeit zusehen...

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