Dortmunds erfolgreichster Meistermacher hört auf: „Das ist nicht mehr mein Fußball“

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Neben Samir Habibovic vom ASC 09 Dortmund gibt es einen zweiten prägenden Sportlichen Leiter in Dortmund. Aber der zieht sich jetzt aus dem Amateurfußball zurück.

Dortmund

, 07.10.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Derby zwischen dem FC Brünninghausen und dem TuS Bövinghausen war am zweiten Spieltag ausverkauft. Schon 15 Minuten vor Anpfiff ließen die Verantwortlichen keinen Zuschauer mehr auf den Platz. Eine Person, mit der jeder auf der Anlage gerechnet hat, fehlte aber. Ein Ticket hätte er gar nicht benötigt. Trotzdem war er nicht da. Er machte stattdessen eine Fahrradtour mit einem Freund.

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„Früher wäre das undenkbar gewesen, dass ich bei solch einem Spiel nicht dabei gewesen wäre“, erklärt Klaus-Dieter Friers. Der 62-Jährige ist aktuell noch Geschäftsführer Sport beim Fußball-Westfalenligisten FC Brünninghausen. Und das seit sechs Jahren. Er hat den Klub in die Oberliga geführt. Er ist der Architekt der Meistermannschaft gewesen. Er war es, der den Glücksgriff getätigt und Alen Terzic beim FCB als Trainer installiert hat.

Alen Terzic wechselt zum BVB

Nach zweieinhalb Jahren ist Terzic dann zum BVB gewechselt, arbeitet für den Klub im Scoutingbereich, war zwischenzeitlich auch als Trainer für die U23 verantwortlich. „Alen war der beste Trainer, den wir hier hatten. Mit ihm wären wir auch nicht abgestiegen. Er hat bei uns schon gearbeitet wie ein Profi“, gesteht Friers.

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Der 62-Jährige redet gerne über die Oberligazeit. Über Spieler wie Andreas Kluy, Dominik Behrend oder Benjamin Bielmeier. „Das waren tolle Jungs. Mit denen konnte ich mich gut unterhalten, mit ihnen nach dem Spiel auch mal ein Bier trinken. Das war die letzte Generation, mit der ich mich identifizieren konnte“, sagt Friers. Der Klub stieg ab und spielt jetzt das zweite Jahr in der Westfalenliga.

Klaus-Dieter Friers hört beim FC Brünninghausen auf.

Klaus-Dieter Friers hört beim FC Brünninghausen auf. © Foltynowicz

Friers sieht jetzt die Zeit gekommen, sein Amt niederzulegen. Das hätte er schon längst getan, aber durch die Corona-Pandemie war eine Mitgliederversammlung nicht möglich. Ein Termin steht noch nicht im Kalender. Friers hat trotzdem mit dem Fußball abgeschlossen. Das hat er dem Vorstand längst mitgeteilt.

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„Das ist einfach nicht mehr mein Amateur-Fußball. Ich habe mich immer gerne um die Jungs und die Trainer gekümmert und dafür gesorgt, dass es ihnen hier im Klub gut geht. Ich möchte aber nicht mehr. Ich merke, dass ich keinen Bezug mehr zu den aktuellen Spielern habe. Die Distanz ist zu groß“, sagt Friers. Er findet es beängstigend, dass die jungen Spieler sich heute davon abhängig machen, was sie im Amateur-Fußball verdienen.

Amateur-Fußball spielen, um überleben zu können

„Es gibt etliche Spieler, die Fußball spielen, um ihre Miete zu bezahlen, oder sich ein Auto kaufen zu können. Da gibt es Jungs, die kaufen sich von dem Geld Schuhe für 300 Euro. Ich habe ihnen immer gesagt, dass sie das Geld zur Seite legen und sich einen Urlaub mehr mit den Freundinnen gönnen sollen“, erklärt Friers.

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Ihn hat auch die Corona-Krise zugesetzt. Sechs Spielern musste er im April den Vertrag kündigen, damit die fehlenden Sponsorengelder aufgefangen werden konnten. Im Sinne des Vereins hat er so gehandelt. „Ich habe keine Lust mehr, bei der nächsten Corona-bedingten Pause wieder mit neuen Spielern darüber zu diskutieren, dass sie auf Geld verzichten müssen, weil es dem Verein ansonsten schlecht gehen würde.“

Er macht der neuen Generation keinen Vorwurf, es ist einfach nicht mehr seine. Was ihm schwerfällt, ist nicht mehr mit dem Trainer-Duo Rafik Halim und Florian Gondrum zusammenzuarbeiten. „Das sind zwei tolle Jungs und ein Glücksgriff für den Klub. Die bauen gerade eine junge, erfolgshungrige Truppe auf“, sagt Friers. Mit den beiden und Thomas Behlke zusammen, hatte Friers noch einmal den aktuellen Kader zusammengestellt.

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Es wird aber wohl der letzte sein, an dem er seinen Anteil hatte, auch wenn er betont, dass er dem Klub immer beratend zur Seite stehen werde. Friers hat mit seinen Kollegen Thomas Brümmer, Markus Kamrath und Rudi Zorn extrem viel bewegt in den vergangenen Jahren. Der Verein hatte natürlich auch das Glück, in Stefan Heinig einen potenten Sponsor zu haben. Die Verantwortlichen haben aber nicht nur in die Senioren investiert, sondern auch in die Jugend.

Für Klaus-Dieter Friers war Alen Terzic der beste FCB-Trainer.

Für Klaus-Dieter Friers war Alen Terzic der beste FCB-Trainer. © Nils Foltynowicz

Die A-Junioren kicken aktuell in der Landesliga. Davon profitiert auch das Westfalenliga-Team. Etliche Eigengewächse wie Jan Bachmann, Anis El Hamassi oder Baris Afsar stehen im Westfalenliga-Kader von Rafik Halim und Florian Gondrum. Neben dem BVB spielen eigentlich nur beim FC Brünninghausen und dem Hombrucher SV sowohl die Senioren als auch die Junioren hochklassig. Mit ein paar Abstrichen noch beim ASC 09 Dortmund.

Es ist also alles im Lot beim FCB und für Friers ist die Zeit gekommen, um zu gehen. Er kann auf eine extrem erfolgreiche Fußballerzeit zurückblicken. Als Spieler kickte er für RW Unna in der zweithöchsten Amateurklasse. Am erfolgreichsten war er als Sportlicher Leiter. Bevor er den FC Brünninghausen in die Oberliga geführt hat, hatte er Westfalia Wickede von der Kreisliga A bis in die Westfalenliga gebracht.

Ein bitterer Abschied für den Dortmunder Fußball

Und jetzt wirklich ganz ohne Fußball? „Ja, ich möchte nicht mehr. Wenn ich nicht mehr mit den Jungs in der Kabine sitze und den Trainern helfen kann, ist das nicht mein Fußball. Ich werde mich jetzt selbst zwingen, nicht mehr zum Fußball zu gehen. Corona ist auch ein Punkt, weil ich mich schützen möchte.“

Das ist ein bitterer Abschied für den Dortmunder Fußball. Klaus-Dieter Friers war kein Wandervogel. Er war jemand, der etwas langfristig aufbauen wollte. Aber nicht von oben herab. Er war immer Teil des Ganzen. Er wollte sich mit Spielern, Trainern und dem Vorstand immer gleich gut verstehen. Das ist ihm immer gelungen. Denn da wo Klaus-Dieter Friers war, war auch der Erfolg. Es gibt keinen aktuellen Sportlichen Leiter in Dortmund, der so viele Aufstiege im Seniorenbereich vorweisen kann.

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