Ehemaliger Hombruch-Kicker holt bei Fritz-Walter-Wetter WM-Medaille im Bob-Schlitten

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Eigentlich sollte ein Dortmunder Wintersportler und Olympionike gar nicht an den Bob-Weltmeisterschaften teilnehmen. Doch dann lief es bei den Titelkämpfen überraschend gut.

Dortmund

, 25.02.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Weltmeisterschaften im eigenen Land will jeder Bob-Sportler mal miterleben. Von den heimischen Fans angefeuert werden und die besondere Stimmung aufsaugen. Gerade im sächsischen Altenberg sind die Anhänger besonders frenetisch – dann, wenn es darum geht, die eigenen Athleten nach vorne zu bringen.

Bereits am Morgen wusste Christopher Weber, dass der Tag gut wird. „Ich bin aufgestanden und habe gesehen, dass es regnet. Das hat mir noch einen zusätzlichen Push gegeben“, sagte der Anschieber, der am Sonntag im Zweierbob mit seinem Piloten Johannes Lochner die Silbermedaille in Altenberg gewann.

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Schon früher war der Regen genau seine Bedingungen. „Als ich noch für den Hombrucher SV Fußball gespielt habe, fand ich es geil, bei Fritz-Walter-Wetter zu kicken“, meinte der gebürtige Dortmunder.

Christopher Weber: „Der Lauf war geil und einfach perfekt“

Dementsprechend war alles angerichtet, um den Bob auf der Bahn im sächsischen Altenberg auf der Ideallinie bei Geschwindigkeiten von über 130 Kilometern pro Stunde hinuntergleiten zu lassen. Vor dem letzten der vier Läufe lag das Duo Lochner/Weber auf Rang drei.

Die beiden hatten zwei Hundertstel Vorsprung auf den Letten Oskars Kibermanis und einen Rückstand von 0,15 Sekunden auf den bis dato Zweitplatzierten Nico Walther. Was dann folgte, beschrieb Weber nur mit den Worten „geil und einfach perfekt“. Nach einem starken Start traf Pilot Johannes Lochner alle Kurven und auch den schwierigen Kreisel perfekt und verbesserte sich auf den zweiten Rang.

Johannes Lochner und sein Anschieber Christopher Weber freuen sich mit den Drittplatzierten Matiss Miknis und Oskars Kibermanis aus Lettland (v.l.n.r.) über ihre Medaillen bei der Bob-Weltmeisterschaft.

Johannes Lochner und sein Anschieber Christopher Weber freuen sich mit den Drittplatzierten Matiss Miknis und Oskars Kibermanis aus Lettland (v.l.n.r.) über ihre Medaillen bei der Bob-Weltmeisterschaft. © dpa

„Ich denke, der vierte Lauf war unser bester Lauf. Am Start haben wir gegenüber Nico und Richard [Oelsner, am Ende WM-Fünfter, Anm. d. Red.] nochmal einiges gut gemacht“, sagte Weber, der auch meinte: „Wir haben auch die richtige Kufenwahl getroffen. Durch den Regen waren es schwierige Bedingungen. Es war schon wild!“

Christopher Weber: „Wir haben uns riesig gefreut“

Bereits während der Fahrt spürte der 28-Jährige, dass es super läuft. „In Altenberg merkt man durch die Kontakte mit der Bande auch als Anschieber, ob man einen guten Lauf gehabt hat oder nicht. Als uns dann angezeigt wurde, dass wir vorne liegen, haben wir uns riesig gefreut. Wir wussten, wir haben eine Medaille sicher!“

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Und am Ende wurde es Silber hinter dem Übermächtigen Fransesco Friedrich, der letztlich mit 1,65 Sekunden Vorsprung gewann. „Franz fährt in einer anderen Welt – er ist der FC Liverpool des Bobsports. Deswegen fühlt sich unsere Verbesserung vom dritten auf den zweiten Platz an wie ein Sieg“, freut sich Weber.

„Francesco fährt in einer anderen Liga.“

Auch Pilot Johannes Lochner meinte: „Ich werde ein paar Wochen brauchen, bis ich das verarbeitet habe“, sagte er. An eine bessere Platzierung hatte er nie gedacht: „Francesco fährt in einer anderen Liga.“

Die Medaille musste natürlich auch gefeiert werden. „Wir haben den Abend ganz gemütlich mit der Familie und dem Team von Francesco verbracht. Es wäre gegenüber den Kollegen im Viererbob unfair gewesen, wenn wir es übertrieben hätten“, meinte der Anschieber.

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Das Kuriose beim Erfolg des Dortmunders: Eigentlich war Christopher Weber mit seinem Piloten Johannes Lochner für die WM gestrichen worden. Doch Ende Januar folgte dann der Weltcupsieg in St. Moritz. Nur weil das Duo das Rennen in der Schweiz gewann, qualifizierten sich die beiden Athleten doch noch für den Wettkampf in Altenberg.

Nach dem Erfolg im Zweierbob steht nun bereits am kommenden Wochenende die Weltmeisterschaft im Viererbob auf dem Programm. Am Montag hatte Weber erstmal frei und genoss den Tag mit einer Fahrt nach Dresden. Dort stand ein gemütliches Mittagessen und eine kleine Tour durch die Landeshauptstadt an.

Ab Dienstag wird dann im Viererbob, bei dem der 28-Jährige zu den Anschiebern von Lochner gehört, getestet. Je zwei Probeläufe kann jedes Team pro Tag machen, ehe am Samstag und Sonntag wieder vier Läufe anstehen.

„Franz ist wieder Favorit“

Für das Wochenende erhofft sich Weber wieder eine Medaille. „Wir wollen es an der Spitze enger gestalten. Während der Saison haben wir gezeigt, dass wir im Vierer stark sind. Sicher ist der Franz wieder Favorit.“

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