Ein Junioren-Nationalspieler für den TuS Hannibal: Bezirksligist landet Transfercoup

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Der TuS Hannibal landet kurz vor dem Saisonstart noch einen Transfercoup. Aus dem Nachwuchs von RW Essen wechselt Ayoub Boulila zum Bezirksligisten. Doch sein Engagement ist wohl nicht von Dauer.

Dortmund

, 08.08.2019, 15:31 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine Schambeinentzündung ist wohl schuld daran, dass der TuS Hannibal wenige Tage vor dem Saisonstart noch einmal einen echten Transfercoup landen konnte. Ayoub Boulila, bis zu diesem Sommer für Rot-Weiss Essen in der A-Junioren-Bundesliga unterwegs, steht seit ein paar Tagen beim Fußball-Bezirksligisten aus Dortmund unter Vertrag und wird das Team von Trainer Hamsa Berro in den kommenden Monaten verstärken. „Wir freuen uns, dass es geklappt hat“, sagt Berro. „Er ist er ein offensiv ausgerichteter Außenverteidiger, schnell und hat viel Zug zum Tor. Er wird uns definitiv weiterhelfen.“

Dass er nun ausgerechnet beim TuS Hanibal gelandet ist, überrascht dennoch und führt wieder zurück zur angesprochenen Schambeinentzündung. Er habe Angebote auch von höherklassigen Vereinen erhalten, sagt Boulila, der lange auch auf ein Arbeitspapier bei Rot-Weiss Essen spekuliert hatte, für die Regionalliga-Mannschaft wohlgemerkt. „Mir geht es jetzt aber erst einmal darum, wieder richtig fit zu werden.“

Seit der Winterpause hat Boulila kein Pflichtspiel absolviert

Seit der Winterpause der vergangenen Saison, als sich Ayoub Boulila eine Schambeinentzündung zugezogen hat, hat der 19-Jährige kein Pflichtspiel mehr absolviert. Ein Umstand, der wohl auch seinen Abgang von der Hafenstraße forciert haben dürfte.

Lange sah es nämlich so aus, als würde Boulila dem Verein treu bleiben, bei dem er seit 2015 gespielt und die Jugendmannschaften bis zur U19 durchlaufen hat. Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung hatte ihm noch im Januar dieses Jahres in ihrem Kandidaten-Check bei RW Essen positive Chancen auf eine Übernahme in den Regionalliga-Kader eingeräumt. Nun, es kam anders.

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„Eigentlich hatte ich ganz gute Karten“, sagt auch Boulila, der neben dem Fußball gerade sein Fachabitur macht. „Ich war immer Stammspieler, aber dann kam meine Verletzung dazwischen. Und ich habe relativ lange darauf gewartet, ob Essen jetzt ja oder nein sagt.“ Essen sagte nein, und Boulila hatte vielleicht etwas zu lange gewartet. Ein passender Verein fand sich auf die Schnelle nicht, und das Abwehrtalent stand plötzlich ohne Klub da.

Ayoub Boulila beklagt fehlende Unterstützung

Dass sich die Wege nun trennen, sei einerseits schade, aber nachtrauern will der 19-Jährige seinem alten Verein auch nicht. „Ich hätte mir schon gewünscht, dass sich Essen während meiner Pause ab und zu mal bei mir meldet und nachfragt, wie es mir geht“, sagt er. Der Verein tat es Boulila zufolge allerdings nicht – zur Enttäuschung des Spielers. „Mir hat einfach so ein bisschen die Unterstützung gefehlt.“

Seit zwei Wochen trainiert Ayoub Boulila nun beim TuS Hannibal. Was auch damit zu tun hat, dass sein Onkel im Vorstand des Dortmunder Vereins sitzt. „Ich kenne auch Hamsa schon länger“, sagt Boulila. „Ihn als Trainer zu haben – besser geht es eigentlich kaum. Und ich hoffe, es bringt mich sportlich weiter.“

„Eine Halbzeit schaffe ich. Auch wenn ich immer noch leichte Probleme habe.“
Ayoub Boulila

Bis zur Winterpause ist das Projekt vorerst angelegt. Sollte sich dann die Möglichkeit auftun, zu einem passenden Klub wechseln zu können, wolle der Bezirksligist ihm keine Steine in den Weg legen, wie Berro erklärt. „Er wird jetzt erstmal ein halbes Jahr bei uns bleiben und versuchen, sich für höher spielende Mannschaften zu empfehlen“, sagt der Trainer.

Einsatz gegen Türkspor ist möglich

Ob es bereits am Wochenende zum Saisonstart gegen Türkspor (Sonntag, 15 Uhr) reicht, ist noch offen. Boulila sagt, 45 Minuten traue er sich ohne Bedenken zu. „Eine Halbzeit schaffe ich. Auch wenn ich immer noch leichte Probleme habe.“

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Für Berro sei der Transfer eine absolute Win-Win-Situation. Boulila kann in Ruhe fit werden und Spielpraxis sammeln, „und wir haben eine weitere Alternative auf den Außenverteidigerpositionen“, sagt Berro. Wie hoch es am Ende für den Offensivverteidiger gehen soll? „Er hat sicher das Potenzial, in höheren Ligen zu spielen“, betont er. Boulila selbst will dagegen nichts überstürzen.

„Der erste Schritt kann vielleicht in die Oberliga führen … Wenn es dann Jahr für Jahr eine Klasse hoch gehen würde, wäre das toll.“
AYOUB BOULILA

Natürlich träume er davon, irgendwann vielleicht 3. Liga spielen zu können. „Aber ich habe mir vorgenommen, erst einmal einen Schritt nach dem anderen zu machen“, sagt er. „Der erste kann vielleicht in die Oberliga führen … Wenn es dann Jahr für Jahr eine Klasse hoch gehen würde, wäre das toll.“

Jugend-Nationalspieler für Marokko

Boulila, und das ist durchaus erwähnenswert, wenn es um das Talent des jungen Spielers geht, hat übrigens mehrere Einsätze als Juniorennationalspieler in der U17 von Marokko zu verzeichnen. Bei einem Turnier in Frankreich erzielte er in der Partie gegen Peru mal das 1:0 für Marokko. 2016 ist das gewesen.

Es folgten Spiele gegen Frankreich und Brasilien. Große Namen im Fußball, die in der Regel Spielerherzen etwas höher schlagen lassen als gewöhnlich. Natürlich seien das besondere Ereignisse und Eindrücke, sagt Boulila. „Momentan werde ich aber nicht mehr berücksichtigt.“ Jetzt heißen die Gegner erst einmal Türkspor Dortmund, Westfalia Wethmar, Mühlhausen-Uelzen, Sölde, Germania oder Mengede.

Fußball-Alltag in der Bezirksliga 8, und ein Alltag, mit dem sich Boulila gut anfreunden kann. Denn manchmal muss man ein paar Schritte zurückmachen, um wieder nach oben zu kommen.

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