Ein Oscar und ein ASC-Aufstieg - zwei Ereignisse auf dem Weg zum BVB

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Oscar und der ASC – Warum ein gesunder mittlerweile sechs Jahre alter fröhlicher Junge und ein historischer Oberliga-Aufstieg im Einklang noch heute so viele Emotionen in einem Menschen auslösen.

Dortmund

, 31.05.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Der 40 Jahre alte Dortmunder, heute Co-Trainer der U19 von Borussia Dortmund, verbindet mit Frühjahr und Sommer 2014 die komplizierte Geburt seines Sohnes und den ersten Aufstieg seines damaligen Vereins, des ASC 09 Dortmund, in die Oberliga.

Daniel Rios, der oft früher eher schweigsam war und sehr bedächtig redete, nur auf und am Rande des Platzes richtig aus sich herausging, lässt es raussprudeln, wenn er sich an beide Ereignisse zu dieser Zeit vor sechs Jahren erinnert: „Ja, das war sehr, sehr intensiv. Mein Sohn war ein Frühchen, meine Frau mit ihm im Krankenhaus. Und dann schafften wir in Aplerbeck diesen Triumph. Es ist mittlerweile viel passiert. Aber diesen Tag, den 8. Juni, mit den vielen Emotionen vergesse ich nie.“

Der Coach wusste gar nicht mehr, wohin mit seinen Gedanken und Gefühlen in seinem persönlichen Sommermärchen. Denn beide Geschichten fanden ein glückliches Ende. Und da er nicht gestorben ist, lebt er ja noch heute. Natürlich denkt keiner im entferntesten Sinne an das Ende, aber mit diesem Satz schließen ja Märchen. Dieses erzählen wir gerne weiter: „Daniel im Glück“ führt heute ein Leben auf der Sonnenseite. Welches aber auch ein Produkt des magischen Jahres 2014 ist.

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Sorgen und Freude lagen so dicht beieinander. Nach außen aber ging Rios zumindest das Fußballerische mit Geduld und Akribie ans Werk, womit er die Aplerbecker Vereinsverantwortlichen und Spieler oft auch an ihre Grenzen brachte: „Gerade in Sachen Erwartungen an meine Spieler habe ich es rückblickend vielleicht manchmal etwas übertrieben“, blickt der Aufstiegstrainer heute mit einem lachenden Unterton zurück. Da war er nicht so gelassen - was die Erwartungshaltung insgesamt an das Team anging aber schon.

Daniel Rios ist heute Co-Trainer beim BVB

Daniel Rios ist heute Co-Trainer beim BVB © Ludewig

Gebetsmühlenartig wiederholte er seine Rechnung: „Wenn wir an unseren Fünf-Spiele-Plänen festhalten und jeweils daraus zehn Punkte holen, mischen wir am Ende doch oben mit.“ Der Verein habe damals länger forsch den Aufstieg in die Oberliga als Ziel ausgegeben. Fast wirkte es wie ein Selbstverständnis, dass Dortmunds Pionier in der Westfalenliga als erster Klub nach dem Rückzug des VfR Sölde 1997 das Oberliga-Vakuum der Westfalen-Metropole schließen wollte.

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2008 war der ASC in die Westfalenliga aufgestiegen und eroberte mit dem jungen und für den Dortmunder Trainer taktisch und menschlich fast revolutionärem Spielertrainer Hannes Wolf die Herzen viele Fußballfans dieser Stadt im Sturm. Es folgten mehrere andere Vereine in die höhere Liga, die Aplerbecker aber wollten Nummer zwei Dortmunds hinter dem BVB bleiben.

Dem ASC den Druck nehmen

Rios hingegen wollte dem Team den Druck nehmen. Er war im Winter 2013 gekommen. Der Ex-Borusse hatte seine erste Trainerstation beim TuS Eving-Lindenhorst hinter sich gebracht: „Das erste halbe Jahr, in dem ich die gestandenen Aplerbecker richtig kennenlernte und Zeit hatte, eine veränderte Mannschaft aufzubauen, war wichtig. In Eving waren wir, das Trainerteam, praktisch allein im Verein. In Aplerbeck waren viele Leute da.“

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Einen besonderen Stellenwert schreibt Rios seinem Co-Trainer Rafael Wrosok zu: „Er kannte die Aplerbecker Mentalität, die Älteren im Vorstand und im Umfeld. Er sagte, Daniel, um hier einen guten Start zu haben, brauchst du im Sommer einen gelungenen Hecker-Cup.“ Aplerbeck gewann – und startete zwar nicht komplett durch, schaffte die Rios-Vorgabe aber bis auf eine Fünf-Wochen-Ausnahme immer. „Nach einem Unentschieden war der Druck nie so groß, als hätten wir die ganze Zeit vom Aufstieg geredet. Punktverluste ließen sich im Rahmen unseres Nahziels immer kompensieren.“

Und so erspielte sich Aplerbeck ein großes Finale – ausgerechnet gegen den Lokalrivalen FC Brünninghausen. 3:1 endete die Partie. „Da passte im positiven Sinne alles. Mit einem Sieg gegen einen Nachbarn haben wir alles klargemacht. Da waren bestimmt mehr Leute auf der Anlage als erlaubt“, erinnert sich Rios an diesen 8. Juni 2014. Der junge Vater badete in Bierduschen seiner Spieler.

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„Hinter dem akribischen Arbeiter steckt ein Menschenkenner und ein Realist“, schrieb diese Zeitung damals über den Erfolgscoach, der sich dann an Teile des Abends danach später nicht mehr komplett erinnern konnte: „Ich wusste aber, dass die Jungs den Tag genießen. Sie waren nicht nur auf dem Platz super, sondern auch im Feiern.“ Im „U“ zelebrierte das Team „A“ (Aplerbeck).

Das war eine tolle Mannschaft

„Das war eine tolle Mannschaft“, sagt Rios. „Da waren Stützen wie Rafik Halim, Tim Schwarz, Francis Bugri oder Sebastian Stein. Und auch auf die Jungen, eigentlich auf alle, war Verlass.“ Rios fällt da Silas Lennertz ein, das Talent aus der Schalke-Jugend: „Der Junge war vor dem Derby so nervös. Wir haben ihm gesagt: „Du hast einen Riesenschuss. Versuch es doch! Und dann nahm der Junge Maß und traf aus 30 Metern in den Winkel.“ Es war eine von vielen Geschichten an diesem Tag.

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Als er wieder nüchtern war, war Rios stolz, „dass sich unter Rafa und mir viele Spieler weiter entwickelt haben. Als Trainer gibt es nichts Schöneres, als wenn dir die Jungs später sagen: „Das hast du uns damals erklärt.“

Es sollte später auch ein Verdienst sein, dass der ASC sich in der Oberliga etablierte. Nach dem 3:1-Auftaktsieg gegen den namhaften FC Gütersloh folgten weitere Erfolgsmomente. Aplerbeck, sagt Rios heute, war das Sprungbrett für seinen Job beim BVB. „Borussia hatte öfter Scouts zu unseren Spielen geschickt. Neben den guten Spielern aus der eigenen Stadt war dann auch ich als Trainer der höchstspielenden Mannschaft für sie interessant.“ Und als Rios Aplerbeck 2016 verlassen musste („vielleicht hatte ich es auch manchmal mit meiner offensiven Spielphilosophie übertrieben“), öffnete sich für ihn die neue schwarz-gelbe Tür.

„Wir sind eine gesunde, glückliche Familie. Und ich mag meinen Job sehr.“
Daniel Rios, Co-Trainer BVb U19

Heute, sechs Jahre später, sagt er über sich: „Das hat sich alles super für mich entwickelt. Wichtiger als alle Erfolge, wie auch der Deutsche Meistertitel als Co-Trainer mit Borussias A-Junioren, war die Geburt der Tochter Ava vor drei Jahren. „Wir sind eine gesunde, glückliche Familie. Und ich mag meinen Job sehr.“ Dieses Märchen wird Rios mal irgendwann seinen Enkeln erzählen. Und die Fortsetzung scheint auch schön zu werden.

Rios hat seinen Vertrag beim BVB wieder verlängert: „Ich bin ja mittlerweile der Platzhirsch in der U19. An der Seite von Mike Tullberg, den Rios schon gut kennt, bleibt er im Team. Im Übrigen hat sich an seiner Denke nur wenig geändert: „Ich verliere immer noch lieber 3:4 als 0:1, obwohl ich natürlich überhaupt nicht gerne verliere.“

Der traumhafte Aufstieg

Seinen Aplerbeckern wünscht er viel Erfolg: „Wenn sie weiter so kontinuierlich, seriös und bodenständig arbeiten, kommen bald weitere Erfolge. Dass sie zuletzt oben mitspielten, war schon die logische Konsequenz daraus.“ Trifft er die ASC-Weggefährten, räumt Rios aber ein, geht es schnell um nur ein Thema: „diesen unvergesslichen, traumhaften Aufstieg“!

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