Eine Sportart hat die Lösung für die Auf- und Abstiegsregelung, von der alle anderen träumen

Coronavirus

Die Basketballer machen vor, wie es gehen kann: Aufgrund der Corona-Krise hat der Westdeutsche Basketballverband den Spielbetrieb beendet - und eine Regelung getroffen, mit der alle zufrieden sind.

Dortmund

, 21.03.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
SVD-Trainer Felix Adami (M.) und seine Basketballer haben nun Gewissheit, wie es in der Liga weitergeht.

SVD-Trainer Felix Adami (M.) und seine Basketballer haben nun Gewissheit, wie es in der Liga weitergeht. © Folty

Der Westdeutsche Basketballverband (WBV) hat die Beendigung des Spielbetriebs für diese Saison verkündet. Eine Entscheidung, die für die heimischen Basketballer nicht überraschend kommt. Um Härtefällen und Ungerechtigkeiten zu entgehen, weil die derzeit gültige Tabelle nun als Abschlusstabelle gewertet wird und somit über Auf- und Abstieg entscheidet, hat sich der WBV eine Sonderregelung einfallen lassen: Teams, die entweder „unter realistischen Aspekten rechnerisch ebenfalls den ersten Platz hätte erreichen können“ oder die „bei normalem Verlauf der Saison rechnerisch einen Nichtabstiegsplatz hätten erreichen können“, wird die Möglichkeit gegeben, eine Wild-Card zu beantragen. Eine Regelung, die bei Dortmunds ranghöchsten Teams viel Lob einbringt.

„Das ist charmant und gut gelöst“, findet Thomas Käsler, der Trainer der Oberliga-Frauen des ASC, auch die Trainer beiden höchstspielenden Männerteams der Stadt äußern sich ähnlich. „Zur Entscheidung, die Saison jetzt zu beenden, gab es aus meiner Sicht keine Alternative“, sagt SVD-Trainer Felix Adami, „mit der Wild-Card-Lösung ist eine gute Entscheidung getroffen worden.“ Sein Trainerkollege Johannes Grote stimmt zu. „das ist eine gute Lösung, in dieser besonderen Situation, allen betroffenen Team gerecht zu werden.“

Die Männer des TVE Barop sind indirekt von der Regelung betroffen. Sie rangieren in der nun offiziellen Abschlusstabelle zwar auf einem Nicht-Abstiegsplatz, die letzten vier Spiele mit teilweise Begegnungen gegen direkte Konkurrenten hätte aber noch einiges an Bewegung im Tabellenbild verursachen können. Diesen Abstiegskampf erspart sich der TVE nun, „was für uns sicher eine glückliche Lösung ist“, wie Grote zugibt. „Natürlich wären wir lieber auf sportlichem Weg in der Liga geblieben“, sagt er, „aber das ist eben derzeit nicht möglich.“

TVE Barop könnte von der neuen Regelung profitieren

Wie lange nicht gespielt werden kann, kann derzeit niemand vorhersagen. Dass der WBV mit seinem Entschluss dieser Saison ein Ende gesetzt hat, begrüßt SVD-Trainer Adami. „Immerhin haben die Vereine nun Gewissheit und damit auch die Möglichkeit, längerfristig zu planen.“ Die Derner sind mit ihrer zweiten Mannschaft in der Oberliga direkt von der Wild-Card-Regelung betroffen.

Vier Spieltage vor dem Saisonende stand sie auf dem vorletzten Tabellenplatz, der Abstand zu den vor ihnen platzierten Teams beträgt vier Punkte. Womit der SVD II wohl durchaus unter die WBV-Voraussetzungen fallen sollte: Bei normalem Verlauf der Saison hätte für die Derner rechnerisch noch die Chance auf einem Nicht-Abstiegsplatz bestanden. „Ich gehe davon aus, dass das auf uns zutrifft und wir eine Wild-Card beantragen“, sagt deshalb SVD II-Trainer Peter Radegast.

Gleiches könnte auch für die Frauen des TVE Barop gelten – allerdings in die andere Richtung, also nach oben. Beim vorzeitigen Ende der Saison standen die Baroperinnen mit zwei Punkten Rückstand auf Tabellenführer Werne auf dem zweiten Rang ihrer Landesligastaffel. „Wenn wir die Chance haben, sollten wir sie wahrnehmen“, denkt Christian Podszuk, Co-Trainer des Frauenteams und Sportwart des TVE Barop über die Wild-Card nach. „Wir hatten uns vor der Saison das Ziel gesetzt, um den Aufstieg mitzuspielen und waren auf einem guten Weg.“

Neue Regelung könnte auch zu Problemen führen

Das Beispiel der Baroper zeigt aber auch, welche Probleme die neue WBV-Regelung mit sich bringen könnte. In der Staffel, in der der TVE spielt, gibt es theoretisch drei Mannschaften, die aufsteigen könnten, in der Parallelstaffel zwei. Macht fünf Teams, die möglicherweise als Aufsteiger in der Oberliga nachrücken könnten. „Es bleibt dann abzuwarten, wie groß die Liga wird und wie das in den Terminplan passt“, so Podszuk. „Vielleicht lässt sich das auch lösen, indem aus einer zu großen Oberliga-Staffel zwei kleinere werden, die dann in der Saison darauf wieder zusammengeführt werden“, schlägt Aplerbecks Trainer Thomas Käsler vor.

Dass die neue Regelung Veränderungen mit sich bringen wird, hat auch der WBV schon angemerkt. Die „Wild-Card-Regelung bedeute „auch eine hohe Belastung für den Spielbetrieb in der kommenden Saison“, teilt der Verband mit. Er hofft bei der Umsetzung auf die Mitarbeit der Vereine: „Alle sind aufgefordert, mit dieser Regelung verantwortungsvoll umzugehen und die Chancen auf eine andere, bessere Platzierung realistisch einzuschätzen.“ Der Verband hat damit sein Entgegenkommen gezeigt – nun sind die Vereine am Zug.

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