Er brachte Marco Reus zum Fußballverein: Jetzt will Viktor Pusch mit Körne 83 aufsteigen

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Viktor Pusch wohnte als Kind Haus an Haus mit Marco Reus und will nun als Spielertrainer mit dem B-Ligisten SV Körne endlich den Aufstieg in die A-Liga schaffen.

Dortmund

, 22.10.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer noch Zweifel daran hatte, dass der SV Körne 83 am Ende dieser Spielzeit in die Kreisliga A aufsteigen wird, der musste am vergangenen Wochenende in den Affenkäfig am Winkelried kommen. „Wir hatten elf Ausfälle und haben aus dem letzten Loch gepfiffen“ erzählt Spielertrainer Viktor Pusch. Trotzdem gewann sein Team mit 7:3 gegen die Spielvereinigung Berghofen. Mit einem Stürmer als Innenverteidiger.

Zweimal dramatisch gescheitert

Sie haben in Körne beschlossen, sich in den Wind zu stellen. Zweimal ist dem Pusch-Team der Aufstieg auf dramatische Weise entrissen worden. Am 6. Juni 2018 mit 2:3 beim FC Hellweg-Lütgendortmund und am 5. Juni 2019 auf immer noch unfassbare Weise bei Eintracht Dorstfeld, als Körne in der 78. Minute das 2:1 erzielte, nach 94 Minuten plötzlich 2:3 hintenlag, in der 96. noch einmal ausglich, um in der 99. Minute den endgültigen K.o. zu kassieren.

„Mittlerweile ist das aus den Köpfen raus“, sagt Pusch. Doch damals lag Körne nicht nur am Boden, sondern hätte sich am liebsten eingegraben: „Es gab nur zwei Möglichkeiten: Entweder du sagst: ‚Jetzt erst recht‘ oder du sagst: ‚Oh nee‘. Bei uns ist es ‚Jetzt erst recht‘ geworden“, sagt Pusch.

Elf Spieltage, neun Siege, keine Niederlage

Nach elf Spieltagen stehen die Körner, deren Kader fast komplett zusammengeblieben ist, mit neun Siegen, zwei Remis und der besten Offensive aller B-Ligisten (79 Tore) auf Rang eins: „Wir haben nur zwei Spieler verloren und konnten uns sogar punktuell verstärken“, sagt Pusch, der am Wochenende allerdings mit Angreifern in der Defensive spielen musste: „Wir haben vier Innenverteidiger - das reicht in der B-Liga eigentlich. Die waren am Sonntag aber alle verhindert.“

Offensiv ist Körne die Creme-de-la-Creme des Kreisliga-Mittelbaus, mit 22 Treffern - davon fünf am Sonntag beim 7:3 gegen Berghofen - ragt Tomas Rucinskas aus dem Team heraus: „Er wollte im Sommer weg“, gibt Pusch zu, „höher spielen.“ Der Coach, der die Situation aus eigener Erfahrung kannte und nach zwei Jahren beim SV Brackel inklusive Kreuzbandriss zurückkehrte, setzte sich daraufhin lange mit ihm zusammen: „Ich habe ihm gesagt: Natürlich hast du das Potenzial, höher zu spielen. Aber du hast es auch, diese Mannschaft hochzuschießen.“

Haus an Haus mit Marco Reus

Rucinskas blieb und knipst seitdem beständig: „Er ist wie ein Neuzugang, weil er weiß: Wenn er vorangeht, geht nicht nur er hoch, sondern die ganze Mannschaft.“ Für Pusch gilt das genauso, der sich mit 15 Treffern ebenfalls nicht zurückhält und dessen vielleicht größtes Geschenk an die Stadt der Beginn der Karriere eines gewissen Marco Reus ist: „Wir haben Haus an Haus gewohnt“, erzählt Pusch, „und immer draußen zusammen mit Dawid Zukowski gepöhlt. Irgendwann wollte er in einen Verein - und da ich mit Dawid bei Post gespielt habe, ist er so dahingekommen.“

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Der Post SV Dortmund spielte damals auf der heutigen Anlage des SV Körne. Der Kontakt zum BVB-Kapitän brach ab, als beide aus Körne wegzogen. Nun könnten sie am Winkelried bald wieder aufeinandertreffen, denn Reus ließ sich zuletzt häufiger dort blicken: „Ja, er ist hin und wieder mal am Platz, aber bin noch nicht in den Genuss gekommen, ihn wiederzusehen“, sagt Pusch.

Pusch ist seit 25 Jahren im Verein aktiv

Mit Ausnahme der beiden Jahre in Brackel ist Pusch seit 25 Jahren im Verein aktiv, erst in der Jugend, dann als Spieler in den Senioren, seit 2011 als Spielertrainer: „Bis 2016 habe ich das mehr schlecht als recht gemacht“, sagt Pusch, da legt er ein halbes Jahr Pause ein, kehrt dann zurück und seitdem läuft es hervorragend - bis das Saisonende vor der Tür steht.

Den Horror einer erneuten Relegation würden sie in dieser Saison gerne umgehen. „Ich wäre ja unglaubwürdig, wenn ich nach zwei verlorenen Relegation jetzt sagen würde, wir wollen Platz zwei bis fünf erreichen“, sagt Pusch. Nein, die Zeiten der Zurückhaltung sind vorbei, sie wollen hoch, als Erster, dieses Jahr.

In der stärksten der vier B-Ligen

Dass das noch scheitern könnte, müssen sie sich in Körne einreden. Natürlich ist mit dem BV Lünen ein Konkurrent in die Liga gewechselt, der ebenfalls aufsteigen will. Natürlich muss man auch die „Zweiten“ vom TuS Körne, Brackel 61 und Sölde auf dem Zettel haben. Und es stimmt wohl auch, wenn Pusch sagt: „Wir sind in der stärksten der vier B-Ligen.“

Andererseits ist der SV Körne 83 in dieser Saison einfach mal dran. „Das Geile ist“, sagt Viktor Pusch, „wir sind alle hungrig.“ Und auch wenn er damit den Hunger auf Tore meint, wie beim 16:0 gegen Wickede oder beim 15:1 gegen Zagreb, gilt das auch für den Aufstieg in die A-Liga, selbst wenn noch so viele Spieler verletzt oder verhindert ausfallen: „Das Mannschaftsgefüge ist unser größtes Plus“, sagt Pusch, „die Jungs wollen hoch.“

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