Erfolge sind Stausbergs Anker

DORTMUND Als er sich richtig dreckig fühlte, hörte er jeden Morgen James Browns „I feel good“. Rückschläge akzeptiert Friedhelm Stausberg. „Anders schaffst du es nicht“, sagt der Trainer des Kreisligisten Hörder SC. Fußballer finden häufig über den Kampf ins Spiel. Der Trainer fand über den Kampf ins Leben zurück.

von Von Alexander Nähle

, 23.12.2007, 17:28 Uhr / Lesedauer: 2 min
Erfolge sind Stausbergs Anker

Friedhelm Stausberg lässt den Ball tanzen

Leukämie – nach dieser Diagnose „war nichts mehr, wie es vorher war“. Zwei Standbeine kannte Stausberg: „Meine Familie und meinen Sport. Ich war glücklich, wollte mit niemandem tauschen, hatte einen tollen Job. Um so schlimmer dann 1998 der Einbruch. Das Loch!“

Sieben Wochen in Quarantäne

Vor der Stammzellentransplantation vernichtete die Chemotherapie das gesamte Leben in seinem Körper. „Ich war körperlich hohl.“ Er lag sieben Wochen in Quarantäne und fühlte sich nur noch leer. Was machte Stausberg? Jeden Morgen hörte er James Browns Gute Laune-Hymne. „Obwohl mir nicht danach war.“ Die Situation kommt ihm selbst komisch vor. Er lacht herzlich. „Das war ein Ritual.“

Der aktive Modellathlet, Marathonläufer und Fußball-Trainer stand im übertragenen Sinne nur noch auf einem Bein. Er fiel aber nicht, die Leidenschaft für das Traineramt hält Friedhelm Stausberg aufrecht. „Mehr ist mir vom Sport nicht geblieben.“

Bleibende Erkrankungen, Nachwirkungen der Chemotherapie, Nebenwirkungen der Medikamente, jeden Tag schluckt er zwölf Pillen. Jeden Tag denkt der 51 Jahre alte Fußball-Lehrer an die Krankheit. „Wenn ich mich ausziehe, sehe ich meine dünnen Beine. Wegen des Cortisons habe ich keine Oberschenkelmuskulatur mehr.“

Momentan ist die Leukämie nicht mehr feststellbar, sie kann wiederkommen. „Das wäre kein Einzelfall.“ Friedhelm Stausberg ist vorbereitet. „Ich habe keine Angst!“Jeden Tag denkt er auch an Fußball. „Als Trainer bist du immer bei der Mannschaft.“ Sport bedeutet für ihn mehr als Ablenkung, er bedeutet für ihn Leben.

"Aus Erfolgen ziehe ich Kraft"

 „Gedanken daran heilen.“ Und Siege heilen noch mehr: „Wenn ich als Trainer keinen Erfolg hätte, müsste ich mir etwas anderes suchen. Aus Erfolgen ziehe ich Kraft. Das ist wie ein Anker“

Stausberg beschäftigte sich nie mit Psychologie, dabei stehen Begriffe wie Anker in zahlreichen Lehrbüchern. Die Kraft, um zu überleben, holte er aus sich selbst. Der Mann, der mit seiner Frau einer Selbsthilfegruppe namens „Berg und Tal“ angehört, akzeptiert Tiefen im Leben, aber nicht im Sport: „Niederlagen beschäftigen mich zwei bis drei Tage.“ Verlorene Punkte sind dann wichtiger als Blutwerte.

Beim Hörder SC fährt der Coach regelmäßig Erfolge ein, seine Vita zieren Aufstiege und gute Platzierungen. Dem Verein bleibt er treu: „Ich bin auch positiv nachtragend. Vertreter des HSC besuchten mich damals in Essen im Krankenhaus. Schon aus Dankbarkeit bin ich wieder im Jugendbereich eingestiegen.“

Vor mehr als einem Jahr übernahm er die 1. Mannschaft, wie sollte es anders sein: mit Erfolg. Im Aufstiegskampf hat der HSC gute Karten, der Rückstand auf den BSV Schüren beträgt fünf Punkte. „Wir haben noch alle Chancen, aufzusteigen. Ich möchte in die Bezirksliga.“ Einst kickte Stausberg unter Peter Walter bei SuS Hörde in der Landesliga. „Wenn ich einem anderen den Titel gönne, dann ihm, diesem seriösen, sympathischen Typen.“ Positiv nachtragend eben.

Familie und Sport sind die Standbeine

Wenn er über Sport redet, ist er in seinem Element. Familie und Sport sind wieder die Standbeine von Friedhelm Stausberg, selbst wenn er als Trainer seinen Jungs nur zusieht. Beides kombiniert er an seinem idealen Tag: „Erst gehe ich mit meiner Frau spazieren, dann holen wir wichtige Punkte im Aufstiegskampf.“

Ganz viele von diesen Tagen möchte er noch erleben: „Ich wünsche mir, alt zu werden, selbst wenn meine Lebenserwartung nicht so hoch ist wie bei anderen Menschen.“ Dann aber dringt der Fußball, dankbarerweise wie so häufig, in seine Gedanken ein. Es geht um das Nahziel: Die Finalrunde der Stadtmeisterschaft möchte er erreichen.

Dann fällt aber die Fahrt zur Karnevalssitzung in Köln, bei der er seit Jahrzehnten Stammgast ist, flach. Ganz egal: Ob am Rhein oder in Wellinghofen – wenn aus den Lautsprechern „I feel good“ kommen sollte, fühlt er sich wirklich gut.

Lesen Sie jetzt