FLVW-Präsident sorgt sich um Amateurfußball: „Sowas kann uns passieren“

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FLVW-Vizepräsident Manfred Schnieders hat im Moment alle Hände voll zu tun. Auch für ihn persönlich ist es keine leichte Situation, er macht sich außerdem Sorgen um die Zukunft des Amateurfußballs.

Dortmund

, 26.04.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für Manfred Schnieders ist die tägliche Arbeitszeit jetzt in der Corona-Krise erheblich angestiegen. Der ehrenamtliche Vizepräsident des Fußball- und Leichtathletikverbands Westfalen (FLVW) muss mit seinen Kollegen die Entscheidung treffen, wie es mit dem Amateurfußball weitergeht. Täglich gibt es neue Entwicklungen und Meldungen, das Telefon von Schnieders steht kaum still. Uns hat er verraten, wie die Situation für ihn persönlich gerade ist.

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Wie viele Anrufe bekommen Sie aktuell täglich zum Thema Amateurfußball, wie viel Zeit stecken Sie in Ihr Ehrenamt beim FLVW?

Das ist ganz schwer. Also man wundert sich manchmal abends, wenn man die Anrufliste sieht. Neben den Video-Konferenz habe ich im Durchschnitt so 15 bis 20 Telefonate. Zurzeit arbeite ich so 40 Stunden in der Woche. Mindestens.

Das ist also tatsächlich ein Vollzeitjob.

Ja, aber ich bin jetzt mittlerweile pensioniert, da geht das. (lacht) Aber sonst wäre das sicher grenzwertig.

Wie sehr müssen Sie aktuell auf Ihre Formulierungen achten?

Auf die Formulierungen muss man eigentlich immer achten. Aktuell natürlich noch mehr, weil man durch Äußerungen, die man macht, vermeintlich jemandem Nachteile zufügt. Solche Aussagen müssen immer sehr ausgewogen rüberkommen: Neutral, rechtssicher, sachlich.

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Achten Sie auch im Privaten auf Ihre Formulierungen?

Ich bin eigentlich auch ein Typ, der schonmal einen netten Spruch zwischendurch macht, aber das habe ich mir abgewöhnt, weil das kommt nicht gut an. Laxe Bemerkungen kann man sich im Moment überhaupt nicht erlauben, ich denke, es ist vielleicht auch der Zeit geschuldet. Dieses Virus hat sich ja keiner freiwillig gewünscht, das braucht auch keiner und es ist sicherlich eine schwierige Zeit. Aber trotzdem darf man den Humor nicht verlieren. Ich denke, das gehört immer mit dazu, weil das etwas Positives ist, was uns sicherlich auch hilft, solche Krisenzeiten zu überstehen. Also mir meinen Humor abzugewöhnen, das wird keiner schaffen, nicht mal das Virus. (lacht) Meine Freunde wissen das auch, da kommt immer mal ein Spruch von mir. Nur in der Öffentlichkeit mache ich es eben fast überhaupt nicht mehr.

Wie oft müssen Sie in dieser Zeit Paragraphen nachschlagen?

Paragraphen muss man immer mal nachschlagen, weil da ändert sich aktuell ja auch pausenlos immer wieder was. Ich sichere mich natürlich auch mit allen Dingen bei unseren juristisch vorgebildeten Kollegen ab.

Schaffen Sie es vom Thema Amateurfußball auch mal abzuschalten - außerhalb Ihrer 40-Stunden-Woche?

Es wird schwierig, es geht ja immer bis in den Abend hinein. Ich habe im Schnitt zwischen 21 und 22 Uhr Feierabend. Morgens geht es eigentlich noch, aber jetzt um 12 Uhr ist dieser Anruf, glaube ich, schon der neunte oder zehnte. (lacht) Aber ich bin heute morgen schon acht Kilometer gejoggt durch die Landschaft, das hat mich erstmal wieder ein klein wenig aufgebaut.

Acht Kilometer sind für einen Morgenlauf aber eine ordentliche Strecke.

Ach, viel ist das nicht. Ich bin früher auch Marathon gelaufen. Für acht Kilometer hätte ich mich früher gar nicht umgezogen. Aber man wird ja bescheiden, wenn man älter wird. Die Zeiten sind vorbei, aber das macht immer noch Spaß und gleicht ein wenig aus. Beim Laufen kann man einfach gut abschalten und auf ganz andere Gedanken kommen als Amateurfußball.

Sie arbeiten aktuell an der Lösung für das Problem, was durch die Corona-Krise im Amateurfußball entstanden ist. Dabei ist jetzt schon klar, dass die Lösung, die es irgendwann geben wird, nicht alle Vereine zufrieden machen wird. Wie unangenehm ist diese Aufgabe?

Das macht es ja so schwierig. Wir werden am Ende keine Entscheidung treffen können, bei der wir uns ganz sicher sind, dass die alle toll finden werden. Es gibt da immer ein paar Kriterien, an denen man sich orientieren muss. Zum einen sollte man ein möglichst geringes Klagerisiko haben, zum anderen - und das steht im Vordergrund - sollte man möglichst vielen Vereinen in dieser schwierigen Situation helfen.

Ist das gerade die schwierigste Situation in Ihrer Zeit beim FLVW?

Also wir haben da schon so einige Dinge überstanden. (lacht) Aber nein, wenn man sich die Dauer dieser Situation anschaut, dann ist das schon die längste und schwierigste.

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Wie laufen die Videokonferenzen mit den Vereinen denn ab? Müssen Sie sich viel Kritik gefallen lassen?

Also bislang gibt es da überhaupt keine Kritik - im Gegenteil. Die Vereine bedanken sich dafür, dass wir so vorgehen, wie wir vorgehen und eben sehr offen sind. Dafür haben sich auch schon ein paar Vereine schriftlich bedankt - für die ehrlichen und offenen Gespräche. Zumindest hatten die den Eindruck, dass ich sehr ehrlich war. Und ich meine es in diesen Gesprächen wirklich ehrlich. Ich möchte allen Vereinen helfen und deshalb machen wir auch diesen Marathon mit den ganzen Video-Konferenzen. Wir haben schon etwa 50 Video-Konferenzen hinter uns. Das tut man sich nicht an, wenn man es nicht ehrlich meint.

Wird die Corona-Krise den Amateurfußball nachhaltig verändern?

Da muss man sich sicher Regularien für die Zukunft überlegen, auch im Amateurfußball. Wir gehen ja ein relativ großes Risiko ein, die Sportler die am Ende auf dem Platz stehen wissen ja nicht, wer Ihnen da in der gegnerischen Mannschaft gegenüber steht. Die werden sich sicher auch Fragen stellen. Ist da jemand bei, der infiziert ist? Hat der das gewusst? Ist der vielleicht nicht zum Arzt gegangen, weil er sich nicht getraut hat, weil er lieber Fußball spielen wollte?All diese Dinge geistern ja in den Köpfen herum und vielleicht wird auch der ein oder andere sagen, Kontaktsportarten mache ich zukünftig nicht mehr. Sowas kann uns passieren.

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