Unkollegial beim Dienstagstraining: Alemannia Scharnhorsts Kurz-Urlaub in der Bezirksliga

hzFußball-Rückblick

Der Jubel 2018 war riesig. Alemannia Scharnhorst hatte den Sprung in die Bezirksliga geschafft. Doch nach 12 Monaten ist das Abenteuer schon vorbei. Dabei war die Chance zum Überleben da.

Dortmund

, 07.06.2019 / Lesedauer: 4 min

In unserem Fußball-Rückblick schauen wir eine Woche lang auf alle überkreislich spielenden Teams der abgelaufenen Saison. Teil 14: Alemannia Scharnhorst (Bezirksliga, Platz 14, 22 Punkte, 5 Siege, 7 Unentschieden, 16 Niederlagen).

Aufsteiger und schon wieder Absteiger - Alemannia Scharnhorst hat alles versucht. Doch am Ende fehlten zwei Punkte zum Klassenerhalt in der Bezirksliga. Wo sein Team die überall hat liegen lassen, das weiß Trainer Markus Wedemann ganz genau.

Das Spiel der Saison: Besonders gerne erinnert sich Wedemann an das Spiel beim TuS Eichlinghofen - nicht unbedingt wegen des Ergebnisses, aber vielleicht auch wegen der perfekten Dramaturgie. „Ganz ehrlich, wir hätten schon zur Halbzeit 4:0 führen müssen“, erinnert sich der Trainer. Stattdessen der Stimmungskiller: 1:0 für Eichlinghofen gut zehn Minuten vor Schluss. Ein Elfmeter in der 90. rettete Scharnhorst letztlich doch noch einen Punkt und die Stimmung.

Das Highlight der Saison: Es hätte die Wende zum Besseren werden können: Gleich das erste Spiel in der Liga war für Scharnhorst voll daneben gegangen. 0:4 gegen Viktoria Kirchderne. Beim Rückspiel in Kirchderne Anfang Dezember war Widergutmachung angesagt. Und tatsächlich zeigten die Scharnhorster diesmal, dass sie in der Liga angekommen waren. Mit 3:1 nahmen sie die drei Punkte aus Kirchderne mit. „Das war das erste Spiel, in dem alles gepasst hat. Wir könnens, haben wir damals gedacht“, sagt Markus Wedemann heute.

Der Wendepunkt der Saison: Es war der 28. April und rückblickend der Tag der Entscheidung gegen Alemannia Scharnhorst. Bei Union Lüdinghausen führten die Scharnhorster bis zur 91. Minute mit 1:0 durch ein Tor von Mathias Bergner gegen den unmittelbaren Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt. Die drei Punkte schienen sicher, doch dann bekam Lüdinghausen aus heiterem Himmel noch einen Elfmeter zugesprochen. 1:1 und zwei Punkte futsch, die am Ende für den Klassenerhalt gereicht hätten.

Kuriosum der Saison: Kurios, aber auch bezeichnend ist die Heimbilanz der Alemannia. Nur 6 Punkte zuhause geholt. Schlechter war keiner in dieser Liga. Obwohl „schlecht“? Das Wort will Wedemann so nicht stehen lassen. „Es war eher so, dass die Mannschaften, die bei uns angetreten sind oft einfach mit unverschämtem Glück die Punkte mitgenommen haben. Mit Blick auf unsere Leistung, wäre schon das Doppelte dringewesen.“

Das Lowlight der Saison: Für Wedemann ist es das mangelnde Engagement mancher Spieler in Krisenzeiten - nicht auf dem Platz, aber daneben. Die Trainingsbeteiligung sei zum Teil richtig schlecht gewesen - gerade in der Zeit als es hart auf hart ging. Der Trainer erinnert sich: „Dienstags war immer Analyse. Ich bereite das über Stunden vor und stehe dann letztlich im Training gerade mal vor sieben Leuten.“ Viele der guten Fußballer hätten es einfach massiv an Trainingsfleiß fehlen lassen, offenbar auch in dem Bewusstsein, am nächsten Wochenende sowieso aufgestellt zu werden. „Kollegial ist das nicht“, sagt Wedemann rückblickend.

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Der Spieler der Saison: Jonas König -die Alemannia darf sich vor allem bei Torwart Jonas König bedanken, dass sie bis zum letzten Spieltag im Rennen um den Klassenerhalt dabei war. Der Scharnhorster Keeper zeigte über Monate konstant gute Leistungen und verhinderte beim 0:2 im Heimspiel am letzten Spieltag gegen Landesliga-Aufsteiger Bövinghausen in zahlreichen Szenen Schlimmeres.

Die Maschinen der Saison: Marian Stiefel und Mustafa Bajramoski - zwei Spieler, die in der zurückliegenden Saison durch unbändigen Trainingsfleiß einen gewaltigen Sprung gemacht haben. Stiefel kam aus Alemannias 2. Mannschaft, die in der C-Liga spielt, und entwickelte sich in wenigen Monaten zum Stammspieler, ehe ihn ein Kreuzbandriss drei Spieltage vor Saisonende zurückwarf. Mustafa Bajramoski gelangte über die 2. Mannschaft des VfL Kemminghausen nach Scharnhorst. Mit wenig Spielpraxis im Gepäck etablierte auch er sich nach kurzer Zeit. Urteil des Trainers: Beide waren immer da.

Die Saison als Film oder Serie: Die Zeit nach Mitternacht (After Hours). Eine wilde Nacht oder ein wildes Jahr, was macht das für einen Unterschied? Wie der brave Bürger Paul Hackett in dem grotesken Thriller von 1985 in seinem Alltag feststeckt, so schien Alemannia Scharnhorst in der Kreisliga A festzusitzen. Aber Hackett entkommt für eine wilde Nacht voller Abenteuer in New York. Die Alemannia entkam sogar für ein ganzes Jahr. Doch am Ende hat beide der Alltag wieder.

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