Fußball in der Landesliga, Futsal in der Westfalenliga: Vier Brackeler fahren zweigleisig

hzFußball in Dortmund

Futsal hat in Dortmund einen schweren Stand. Vier Brackeler Landesliga-Fußballer finden die offizielle Hallenfußball-Variante der FIFA aber so gut, dass sie im Ligabetrieb aktiv sind.

Dortmund

, 27.11.2019, 13:22 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mats Hummels war begeistert. Der Innenverteidiger von Borussia Dortmund kam regelrecht ins Schwärmen, als er von seinem Besuch beim Futsal-Spiel der Panthers Köln in der höchsten Liga Nordrhein-Westfalens erzählte. Sein früherer Teamkollege bei den Bayern, Timo Heinze, gab dort sein Abschiedsspiel.

Preisende Worte für die Nischen-Sportart

„Der Gegner war Holzpfosten Schwerte (…) und die hatten ihren Fanclub dabei und die haben durchgehend Stimmung gemacht“, sagte er in seinem Podcast „Alleine ist schwer“. „Die hatten einen Trommler dabei, Fahnenschwenker und die haben das ganze Spiel Fangesänge gemacht. Und es war richtig witzig und cool anzuschauen.“ Preisende Worte des Weltmeisters von 2014 für die Nischen-Sportart, die es schwer hat im Schatten des großen Bruders.

Giovanni Schiattarella kann die Begeisterung von Hummels nicht wirklich teilen, er sieht das Hallenspektakel deutlich nüchterner: „Ich kenne Futsal zu wenig, um mir ein Urteil zu erlauben.“ Der Trainer des Fußball-Landesligisten SV Brackel 06 weiß aber, dass er einen Spieler hat, der ein Futsal-Enthusiast ist: Leon Lukas. Der im Sommer von Rot-Weiß Unna gewechselte Fußballer trainiert sogar das Futsal-Team von Deportivo Unna, das eine Liga unter den Schwerter Nachbarn in der Westfalenliga spielt.

Geht beides parallel?

Was Schiattarella bislang nicht wirklich auf dem Schirm hatte, ist die Tatsache, dass auch seine Spieler Patrick Sacher, Alexander Gowik und Simon Baehr sich für die Sportart begeistern. „Was die Spieler in ihrer Freizeit machen, ist mir egal“, erklärt Schiatarella, „ich würde das keinem verbieten.“ Begeistert ist er trotzdem nicht: „Ich glaube nicht, dass man beides parallel machen kann.“

Zu hoch sei die Intensität, die Anstrengung, um am Samstag 2x20 Minuten Netto Futsal zu spielen und Sonntags in der Landesliga ohne Verschleißerscheinungen nochmal 90 Minuten oben drauf zu packen. Dass Sacher und Gowik dennoch für Deportiva Unna spielen, etwa am vergangenen Wochende in Münster beim 14:11-Erfolg mit fünf Sacher- und einem Gowik-Tor, sei aber abgesprochen.

Lukas sieht viele Vorteile

Vor zweieinhalb Jahren kam Lukas zu dem Hallensport, war schnell begeistert. Lukas sieht viele Vorteile der Sportart für das große Feld: „Vom Futsal auf den Fußball kann man viel übertragen.“

Das schnelle und intensive Spiel, die Übersicht auf engem Raum, schnelle Entscheidungen in nur wenigen Bruchteilen von Sekunden treffen zu müssen, beschreibt er die Vorteile der Sportart. Er kommuniziert das offen, auch gegenüber den Verantwortlichen und seinen Mannschaftskollegen beim SV Brackel 06.

Lukas überzeugte Gowik

„Wenn die Jungs Probleme kriegen sollten, sollen die das mit mir klären“, stellt er sich schützend vor Sacher und Gowik, die mit ihm zusammen spielen. „Ich kenne keinen, der sich da groß verletzt hat. Es soll halt nur nicht so sein, dass wir so kaputt sind, das wir sonntags nicht mehr spielen können“, macht Lukas deutlich, der Gowik auch davon überzeugte, es mal auszuprobieren.

„Letzte Saison hat es noch nicht so gepasst, weil ich samstags beschäftigt war“, erzählt Gowik. „Da habe ich erstmal abgesagt.“ Jetzt hatte sich die Situation ein wenig verändert. Gowik war in dieser Spielzeit für vier Wochen rotgesperrt, hatte samstags entsprechend Zeit und Sonntags stand ja ohnehin kein Spiel an.

Sacher spielte vorher schon

Er wagte den versucht, ihm hat es gefallen: „Macht auf jeden Fall Spaß. Es ist ein bisschen ungewohnt zu Beginn, aber die anderen können echt super zocken.“ Gowik sieht sich selbst als ballsicheren Spieler, der da gut reinpasst.

Lediglich Sacher spielte bereits vor Gowik und Lukas Futsal. Mit zehn Saisontoren in der Westfalenliga ist er der treffsicherste Torjäger bei Deportivo. Sprechen will er darüber momentan nicht.

Kein Training

Dabei scheint es bislang gut zu funktionieren, dass die drei nebenher noch Futsal spielen. Trainingseinheiten standen nämlich bislang nicht an. Die Halle in der üblicherweise trainiert wird, stand nicht zur Verfügung. Demnächst soll eine Einheit am Montag dazukommen.

„Das Futsal-Training geht nur eine Stunde, da geht es um sehr viel Taktisches. Das fehlt uns noch ein bisschen“, sagt Lukas, der sich wünschen würde, dass zu den Spielen an den Samstagen mehr Zuschauer kommen würden.

Aufstiegs-Playoffs in Reichweite

Dabei helfen könnte der Aufstieg in die Regionalliga. Platz vier ist mindestens nötig, um sich für die Playoffs zu qualifizieren. Auf dem stehen Lukas und sein Team nach vier von zehn Spieltagen. Vielleicht kann sich ja Mats Hummels bald mal für ein weiteres Futsal-Spiel begeistern.

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Anm. d. Red.: In einer ersten Version des Artikels war von drei Brackeler Spielern die Rede. Wir haben die Anzahl nach einem Hinweis bei Facebook korrigiert.

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