Gibt es am Ende der Corona-Pause überhaupt noch Fußball-Schiedsrichter?

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Die Amateurfußballer dürfen aktuell nicht auf die Plätze und es steht immer noch nicht genau fest, wann es mit dem Spielbetrieb weitergeht. Die Lage ist auch für die Schiedsrichter nicht leicht.

Dortmund

, 13.11.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nichts läuft auf den Fußballplätzen. Zumindest bis Ende November ist Corona-bedingt Pause im Amateurfußball angesagt. Das gilt natürlich auch für die Schiedsrichter.

Wir sprachen mit Markus Schanz, Vorsitzender des Kreisschiedsrichter-Ausschusses Dortmund, über die Auswirkungen auf den Lehrbetrieb und darüber, wie man die Unparteiischen auch mit einem Online-Angebot bei Laune halten kann.

Die Unparteiischen haben es ja nicht ganz leicht. Zwar sind die Nachwuchssorgen im Kreis Dortmund nicht so stark ausgeprägt wie im ländlichen Bereich, doch die negativen Schlagzeilen, die Gewalt gegen Schiedsrichter immer wieder erzeugen, bleiben nicht ohne Folgen. Und jetzt ruht zum zweiten Mal im Jahr 2020 die Saison. Für Spieler wie für Schiedsrichter gleichermaßen. Eine echte Stresssituation.

Wie muss man sich das vorstellen, Online-Kurse für Schiedsrichter? Da denkt man doch zuerst an eine Playstation und FIFA 2000.

Nein, wir treffen uns zu Videokonferenzen und wollen demnächst einen Live-Stream auf Youtube ausprobieren. Das sind natürlich für alle ganz neue Erfahrungen. Das klappt bei den meisten aber ganz gut. Auch technisch. Das hört sich jetzt so selbstverständlich an. Aber immerhin haben wir es im Schulungsbetrieb mit mehr als 300 Schiedsrichtern zu tun. Im Alter zwischen 14 und 74. Und da kein Spielbetrieb herrscht, sitzen auch die Schiedsrichter zu Hause. Ich muss sagen, das ist unsere größte Baustelle. Wir haben keinen Präsenzunterricht und müssen die Schiedsrichter dennoch an uns binden, damit sie – wenn wieder alles normal läuft – auch weiter zur Verfügung stehen.

Haben Sie denn Sorge, dass Schiedsrichter abspringen, so lange es durch Corona weiter zu Einschränkungen kommt?

Sorge nicht, aber wir müssen uns kümmern, die Leute dabei zu halten. In der Vergangenheit hatten wir auch schon weitaus mehr als die von mir erwähnten 300 Schiedsrichter. Dennoch läuft es seit einiger Zeit einigermaßen konstant.

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Als Maßstab für die Attraktivität des Schiedsrichterwesens gelten die Anmeldezahlen bei Anwärterlehrgängen. Wie sieht es da aus?

Stimmt. Ende September hatten wir unseren letzten Lehrgang. Das Interesse war da. Allerdings muss ich auch sagen. Früher kamen 30 potenzielle Anwärter, im September waren es 20. Wichtig für uns ist aber auch die Frage, wie lange die Anwärter dabei bleiben. Wir versuchen alles, um sie bei der Stange zu halten.

Was passiert konkret?

Grundsätzlich pflegen wir durch Schulungen und Betreuung beziehungsweise Begleitung an Spieltagen den Kontakt. Aktuell gibt es nur den Weg der Videokonferenzen. Dort werden Regelfragen besprochen oder wir diskutieren einige aktuelle Fälle aus der Fußball-Bundesliga.

Hört sich gut an, kann aber auf Dauer dennoch etwas mühsam werden.

Natürlich, aber wir müssen den Spannungsbogen aufrechterhalten. Wir können uns jetzt nicht einfach zurückziehen und sagen: es gibt keine Spiele, also melden wir uns nicht. Wir müssen die Leute bei Laune halten. Gerade bei den Jüngeren kommt unser Angebot gut an. Die freuen sich, sich mal wieder zu sehen. Klar ist aber auch: Natürlich fehlt uns allen die Spielleitung auf dem Platz.

Wie gehen denn die Schiedsrichter mit der Pandemie um, wie ist die Stimmung?

Das ist wie ein Spiegelbild der Gesellschaft. Die meisten scharren schon mit den Füßen und wollen am liebsten am Sonntag wieder aufs Spielfeld. Relativ wenige sind da eher zurückhaltend und sagen: „Lass uns lieber noch etwas warten.“ Das respektieren wir natürlich. Zumal von Verbandsseite eine klare Ansage erfolgt ist: „Die Übernahme der Spielleitung während der Corona-Zeit ist absolut freiwillig.“

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Irgendwann werden die Einschränkungen wieder aufhören und der Spielbetrieb wird hoffentlich normal verlaufen. Was passiert dann? Wird das Online-Angebot dann wieder schnell eingemottet und ausschließlich Präsenzunterricht abgehalten?

Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Wir richten uns auf eine lange Zeit ein, zumal wir auch Probleme haben, geeignete Räumlichkeiten für Schulungsmaßnahmen zu finden. Bislang wurden wir da in Schulen oder an der Uni Dortmund fündig. Aber die machen in der Corona-Situation auch keine Luftsprünge mehr, wenn ich anrufe. Da stehen wir als Externe natürlich hinten an. Ich denke, unser Online-Angebot muss man mit dem Homeoffice im Berufsleben vergleichen. Auch das wird nicht in der Versenkung verschwinden. Da bin ich mir sicher.

Warum?

Zum Beispiel haben viele Schiedsrichter zeitliche Probleme, müssen von auswärts anreisen, um an einem Lehrgang teilzunehmen. Mit unserem Online-Angebot können wir diese Probleme etwas mildern.

Aber was passiert mit den traditionellen Veranstaltungen wie zum Beispiel der Vollversammlung im Dezember, wo ja zahlreiche Ehrungen anstehen?

Da müssen wir ehrlich sein. Mitte Dezember können wir solch eine Veranstaltung in der bisherigen Form mit mehreren hundert Teilnehmern nicht durchziehen. Die Vollversammlung wird ausfallen - hier kommt das Thema Live-Stream ins Spiel, um die große Gruppe zum Jahresende nochmal zu erreichen. Die Ehrungen werden wir in angemessenem Rahmen nachholen, wenn es die Umstände erlauben.

Eine persönliche Einschätzung zum Spielbetrieb. Wann geht’s Ihrer Meinung nach weiter?

Ich hoffe, dass das Training Anfang Dezember wieder startet. Mehr als ein reguläres Meisterschaftsspiel vor Weihnachten kann dann aber allein zeitlich nicht stattfinden. Zumindest kann ich mir das Stand heute nicht vorstellen. Daher glaube ich nicht, dass in diesem Jahr noch Fußballspiele im Kreis stattfinden.

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