Sieg bei der Deutschen Meisterschaft: Dortmunder 5000-Meter-Läufer nicht zu stoppen

Leichtathletik

Es war brüllend heiß in Braunschweig. Ein LGO-Athlet ließ sich davon nicht beeindrucken und gewann die Deutsche Meisterschaft. Folgen jetzt die Olympischen Spiele 2021?

Dortmund

, 10.08.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Sieger nach 5000 Metern: Mohamed Mohumed jubelt beim Zieleinlauf.

Sieger nach 5000 Metern: Mohamed Mohumed jubelt beim Zieleinlauf. © picture alliance/dpa

Das 5000-Meter-Finale der deutschen Leichtathletik-Meisterschaften wurde bei 37 Grad Celsius, die auf Höhe der Kunststoffbahn sicher noch einige Grad höher lagen, zur Hitzeschlacht von Braunschweig und für Mohamed Mohumed (LG Olympia) vielleicht zum Beginn einer großen Karriere.

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„Mitschwimmen und hinten sehen, was möglich ist.“, mit dieser Vorgabe hatte der 21-jährige LGOer das Rennen aufgenommen. So „schwamm“ er zunächst einmal am Schluss des 15 Läufer starken Feldes und arbeitete sich nur allmählich nach vorne. Er bekam Kontakt zur Spitzengruppe, den er nie verlor. Als der renommierte Regensburger Florian Orth eingangs der letzten Runde, das Tempo verschärfte, zog Mohumed mit und attackierte rund 300 Meter vor dem Ziel.

Titelkämpfe ohne Zuschauer

Fast widerstandslos passierte er Orth und lief auf der Gegengeraden seinen Gegnern unaufhaltsam davon. Als die Konkurrenz realisierte, was geschah, hatte er sich bereits einen klaren Vorsprung erkämpft. „Für sie war es zu spät, um mich noch einzufangen.“, erinnerte sich Mohumed. Nach 14:02,76 Minuten wurde der Schützling von Trainer Pierre Ayadi vor schweigenden Rängen, denn die Titelkämpfe wurden ohne Zuschauer durchgeführt, erstmals deutscher Meister. „Ich hatte zwar damit geliebäugelt, aber man muss das auch erst einmal laufen, und da kann viel passieren, denn für den Titel kamen mehrere in Frage“, gestand er nach dem Rennen, von dem er sich erstaunlich rasch erholte.

Mohumed hätte noch zulegen können

„Ich habe erst nach hinten geschaut, als ich sicher war, dass ich einen klaren Vorsprung hatte und bin nur gerannt“, sagte er und fügte hinzu: „Unterwegs hatte ich nie das Gefühl, dass es angesichts der Hitze zu schnell für mich wurde, und ich hätte, wenn es nötig gewesen wäre, auch noch zulegen können.“ Im Laufe des Vormittags hatte er vier Liter Wasser getrunken und dennoch verspürte er nach dem Rennen unendlichen Durst. Eine Dopingprobe blieb ihm erspart und wäre sicher auch schwierig geworden, denn er hatte auch den letzten Tropfen ausgeschwitzt.

Die Vorbereitung auf die Titelkämpfe lief für Mohumed, dessen Eltern aus Somaliland stammen, optimal. Drei Wochen trainierte er mit seiner Gruppe von der LG Olympia auf der Höhe von St. Moritz und sammelte etwa 170 Kilometer in der Woche. Nach der Rückkehr konzentrierte er sich auf seine Schnelligkeit und bestritt mehrere schnelle 1500-Meter-Rennen. Diese hervorragende Grundschnelligkeit kam ihm in diesem ganz auf Taktik ausgerichteten Meisterschaftsrennen zu gute, und er konnte auf seine Spurtstärke vertrauen.

Der Deutsche Meister geht konsequent seinen Weg

„Als Mohamed die Führung übernahm, war ich sicher, dass ihm der Titel nicht mehr streitig zu machen war. Er ist taktisch hervorragend gelaufen, sollte die anderen erst einmal rennen lassen und dann seine Schnelligkeit ausspielen“, erläuterte Trainer Pierre Ayadi.

„Seit ich ihn betreue, geht er konsequent den Weg, den er gehen muss, um ein absoluter Weltklasseläufer zu werden.“, lobt Trainer Pierre Ayadi seinen Schützling. Mohamed Mohumed spielte zunächst im niederrheinischen Willich Fußball, ehe sein Lauftalent deutlich wurde. Ende 2016 zog er nach Dortmund, besuchte das Sportinternat und die NRW-Sportschule Goethe-Gymnasium, wo er in diesem Jahr das Abitur ablegte.

Bei Olympia 2021 dabei?

Von da an ging es steil aufwärts, denn er fand in Ayadi den richtigen Trainer und die passende Trainingsgruppe. Sein Traum ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen, und so kommt es ihm entgegen, dass die Spiele 2020 auf das Jahr 2021 verschoben wurden, denn die wären für ihn wohl noch zu früh gekommen. Aber über die EM 2020 in Paris hätte er nachdenken können, doch sie fallen ja bekanntlich aus.

Dem zweiten LGOer im 5000-Meter-Finale, Elias Schreml, setzte die Hitze schwer zu. Auf den letzten beiden Kilometern wusste er nicht mehr, was um ihn herum geschah. Für Ayadi war es unmöglich, ihn zu erreichen und aus dem Rennen zu nehmen.

Elias Schreml muss vom Arzt behandelt werden

Elias Schreml lief wie in Trance weiter, ging hinter dem Zielstrich zu Boden und musste durch die Ärzte behandelt werden. Er erholte sich jedoch rasch. Mohamed Mohumed kritisierte die Organisatoren: „Uns Langstreckler lässt man bei 37 Grad Celsius am späten Nachmittag laufen, aber die Sprinter sind erst in den kühleren Abendstunden dran. Das hätte man wirklich anders organisieren können.“

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