Handballer schießt Fußball-Team mit drei Toren zum Last-Minute-Sieg

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Drei Tore in der Fußball-Kreisliga C fallen häufiger. Eigentlich ist der Torschütze dann aber kein Handballer. Es ist die Geschichte eines Last-Minute-Siegs und die einer sportverrückten Familie.

Dortmund

, 10.10.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Drei Tore in der C-Liga wären gewöhnlich vielleicht auf der Vereinshomepage einen Jubeltext wert. Wenn aber ein ehemaliger-Landesliga -und immer noch aktiver Kreisliga-Handballer diese erzielt, steckt dahinter eine Geschichte. Es ist die Geschichte einer sportverrückten Familie und zweier Sportvereine in einem eher dörflichen Vorort, die sich blendend verstehen.

Jürgen Albert ist stolzer Vater von drei Söhnen. Tim, Jan und Robin. Offenbar muss der Papa, der 20 Jahre Handballer war und noch heute aktiv Tischtennis spielt (Robin: „Mit 63 steht er noch an der Platte, er kann es nicht lassen.“), oft und gerne mit seinen Jungs Ball gespielt haben. So ist zu erklären, dass sie im Umgang mit Bällen ziemlich flexibel sind.

Und vielleicht auch, dass der jüngste Sohn, Robin Albert, die vierte Mannschaft des SC Husen-Kurl mit drei Treffern zum 3:2-Erfolg über Neuasseln 3 schoss.

Die jüngeren Brüder erfüllen den Wunsch des Ältesten

Es passt in eine sportbegeisterte Familie, in der der älteste Bruder Tim, heute 37, den unspektakulärsten Weg wählte. Nachdem er es mal genossen hatte, mit seinen jüngeren Brüdern für die ÖSG Viktoria Handball zu spielen, zog es ihn vor fünf Jahren zum TVE Husen-Kurl. Hier blieb er, und hier wird er wohl seine Karriere beenden. Was aber noch dauern kann.

Wieder möchte Robin etwas ergänzen: „Der ist mir manchmal noch zu fit. Er lässt mich oft beim Laufen stehen.“ Dass Jan und Robin dem großen Bruder Tim den großen Wunsch, dass alle noch einmal vereint für ein Team spielen, erfüllen, sind dann die kurioseren Geschichten.

Jan, heute 32, wechselte vor fünf Jahren auch nach Husen, aber zum SC Husen-Kurl. Und der ist ein beliebtes Sammelbecken für gute Fußballer aus dem Ort. Im rot-schwarzen Trikot avancierte der mittlere Bruder zum Leistungsträger. Obwohl er durch Hilfseinsätze für die Handballer auch immer wieder am TVE-Ball blieb, kehrte das Doppel-Vereinsmitglied jetzt zum Handball als Hauptsportart zurück.

Robin, 27, der Dreifachtorschütze für die SC-Vierte, wählte nun den anderen Weg – vom Handball zum Fußball. Als sich vor fünf Jahren die Wege der Brüder trennten, zog es den jüngsten Albert zunächst zu einem höherklassigen Handballverein, und zwar in den Dortmunder Süden zum Landesligisten TuS Borussia Höchsten.

Robin Albert kann sich nicht nur mit dem Ball in der Hand, sondern auch am Fuß durchsetzen.

Robin Albert kann sich nicht nur mit dem Ball in der Hand, sondern auch am Fuß durchsetzen. © TVE Husen-Kurl

Auf dem Höchsten entwickelte er sich im Rückraum zu einer festen Größe. Aber Familie geht vor: Um das Albert-Trio zu komplettieren, geht er jetzt auch den Schritt zurück zum TVE, aber eben nicht nur dahin.

In den Sportarten getrennt, in der Begeisterung vereint

Wer zuletzt die beeindruckende Unterstützung durch die Handballer bei den Hallenfußball-Stadtmeisterschaften für die Fußballer sah, wusste spätestens, dass SC und TVE eine Einheit bilden. In den Sportarten getrennt, in der Begeisterung vereint.

Und so existieren nicht nur Kontakte, sondern Freundschaften zwischen beiden Klubs – auf Vorstandsebene und auf Spielerebene. „Hier kennt jeder jeden“, sagt Robin. Hier hilft auch jeder jedem. Da trifft es sich gut, dass auch Robin Albert Mitglied beider Vereine ist. Und wenn der eine mal die Unterstützung des anderen nicht nur auf den Rängen braucht, sind auch die Alberts zur Stelle.

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Also zog Robin am Samstag das grüne TVE-Trikot an und am Sonntag zum ersten Mal das rot-schwarze des SC. Am Samstag gegen den ATV Dorstfeld 2 traf er schon achtmal beim 36:19-Sieg. Es sollte ein zweistelliges Albert-Wochenende mit zwei Erfolgen werden.

Am Sonntag feierte er dann um 13 Uhr seinen Einstand für die Fußballer. Ganz so einfach war die Umstellung nicht. Den Rückraum neben Linksaußen Tim und Mittelmann Jan spielt er fast blind, auf dem größeren Feld benötigte er die Unterstützung seiner neuen Teamkollegen, zu denen übrigens noch weitere Handballer zählten. Auch Pascal Scholten und Sascha Sieberg waren dabei.

„Die langen Wege sind für einen Handballer ziemlich anstrengend“

„Als ich während der ersten Hälfte den rechten Flügel übernehmen sollte, fehlte mir schon etwas die Orientierung. Meine Kollegen mussten mir immer wieder sagen, wo ich zu stehen und wie ich zu laufen hatte. Die langen Wege sind für einen Handballer auch ziemlich anstrengend“, sagte Robin Albert.

Als er dann nach dem Seitenwechsel in die Spitze durfte, spielte der jüngste Albert plötzlich so, als wäre er nie weggewesen. 0:1 stand es, da schlug Albert in der 52. Minute zum ersten Mal zu, das 2:1 glückte ihm in der 75. Minute. Die Neuasselner glichen aus.

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Und in der Schlussminute avancierte der Nachbarschaftshelfer zum Matchwinner. Hatten die TVE-Anhänger den SC schon zu so manchem Sieg geschrien, so schossen die Spieler ihn nun zum Erfolg. Für Robin Albert war es ein Traum-Einstand. „Das war ein schönes Erlebnis. Ich habe Lust auf mehr“, sagte er.

Robin beruhigt die Handballer aber. Verlassen wird er sie jetzt nicht, zu sehr genießt er das Spiel mit seinen Brüdern. „Und Handball war immer meine Nummer eins. Ich trainiere auch nur beim TVE. Sollte es an den Wochenenden Überschneidungen geben, bleibt Handball meine erste Wahl.“ Und so dürfen sich Handball-Kreisligist und Fußball-C-Ligist in friedlicher Eintracht auf weitere Treffer der sportverrückten Alberts freuen.

Die Tore an sich wären vielleicht keine große Story. Im Falle der Alberts aber sind sie ein schönes Stück Husener Sportgeschichte.

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