Türkspor-Neuzugang Kalpakidis im Interview: „Ich kann Reza und Kevin nicht verstehen“

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Dimitrios Kalpakidis ist neuer Sportdirektor bei Türkspor Dortmund. Da daraufhin das TSD-Trainerteam zurücktrat, ist Kalpakidis nun auch Interimstrainer. Über all das hat er mit uns gesprochen.

Dortmund

, 17.09.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Dimitrios Kalpakidis hat eine neue Aufgabe gefunden. Rund einen Monat nach seinem Rausschmiss beim TuS Bövinghausen hat der 41-Jährige beim Landesligisten Türkspor Dortmund ein neues Amt übernommen - das des Sportdirektors. Die Verpflichtung von Kalpakidis löste bei Türkspor allerdings eine Kettenreaktion aus. Das Trainerteam um Coach Reza Hassani wollte mit Kalpakidis nicht zusammenarbeiten und hat daraufhin den Klub verlassen.

Die Ruhr Nachrichten haben mit Dimitrios Kalpakidis über die aktuellen Entwicklungen und seine persönliche Zukunft bei Türkspor Dortmund gesprochen.

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Herr Kalpakidis, vor gerade einmal einem Monat sind Sie beim TuS Bövinghausen als Trainer entlassen worden. Nun haben Sie schon wieder eine neue Aufgabe gefunden. Haben Sie so schnell damit gerechnet?

So schnell nicht, nein. In der Regel kann man auch nicht davon ausgehen, dass es zu so einem frühen Zeitpunkt der Saison schon zu solchen Maßnahmen kommt.

Sie haben sich für Türkspor Dortmund entschieden. Warum?

In Dortmund kann man an einer Hand abzählen, wie viele Vereine auf einer gewissen Position Bedarf haben. Es gibt nicht viele Vereine, die so eine Vision haben. Das Gespräch mit Türkspor hat mich motiviert und überzeugt. Das Gesamtpaket hat gepasst.

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Wie ist der Kontakt zu Türkspor zustande gekommen?

Es ist so, dass ich mich mit den Verantwortlichen von Türkspor getroffen habe. Der Verein hatte Interesse an mir. Ich hatte ein offenes Verhältnis zu allen - auch zu Reza und Kevin und habe die beiden sofort darüber informiert, dass ich als Sportlicher Leiter im Gespräch bin.

Was ist dann passiert?

Ich habe mir dann das Spiel von Türkspor gegen Wattenscheid (Endstand: 3:3, Anm. d. Red.) angeguckt. Am Montag habe ich noch einmal Reza kontaktiert und ihm mitgeteilt, dass ich gerne mit ihm und Kevin sprechen möchte. Das Gespräch sollte am Dienstag vor dem Training stattfinden. Türkspor wollte mich schon im letzten Jahr haben, da hatte ich aber erst frisch beim Kamener SC zugesagt und wollte da auch bleiben.

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Und?

Zu dem Gespräch kam es dann nicht, weil mir die beiden mitgeteilt haben, dass sie unter meiner Regie nicht arbeiten wollen. Das fand ich schade, weil wir uns kennen und uns gegenseitig respektieren.

Sie sagten zuletzt in unserem Podcast noch, dass es schwierig sei in einem Klub zu arbeiten, wo der Präsident Geldgeber ist. Was ist bei Türkspor denn anders als bei Bövinghausen?

Türkspor hat auch einen Präsidenten, der Geldgeber ist, das stimmt. Es ist aber auch so, dass mehrere Leute im Vorstand arbeiten, die ein Mitspracherecht haben. Wir haben jetzt auch einen neuen Geschäftsführer (Gökhan Aksoy, Anm. d. Red.) bekommen. Ihn kenne ich seit zig Jahren. Es ist also nicht so, dass einer im Alleingang eine Entscheidung trifft.

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Also haben Sie keine Sorge, dass es zu einer ähnlichen Entwicklung mit Ihnen wie beim TuS Bövinghausen kommt? Immerhin musste Ihr Vorgänger Tim Eibold auch vorzeitig gehen...

Wenn es so ist, dann ist es so. Ich mache mich nicht verrückt. Ich bin ein Dortmunder Junge und habe ein gutes Netzwerk. Daher wäre es auch nicht verkehrt gewesen, mit den beiden Jungs (Hassani und Großkreutz, Anm. d. Red.) zusammenzuarbeiten. Wir hätten zusammen philosophieren können, das hätte gut funktionieren können. Man muss aber auch immer kritisch und kritikfähig sein, wenn Vereine Ambitionen haben. Es kann dann sein, dass Entscheidungen fallen, die nicht so schön sind. Wenn alle Kumpels oder Homies sind, wird es schwierig.

Hatten Sie den Eindruck bei Türkspor?

Am Dienstagabend hat mir die Mannschaft gezeigt, dass sie eine gute Mannschaft ist. Die Spieler wollten das Trainergespann noch überzeugen und haben gefragt, ob die beiden nicht weitermachen wollen. Sie sind zum Vorstand gekommen und zu mir. Wir konnten uns die Zusammenarbeit ja auch vorstellen. Das Signal war stark von der Mannschaft. Die Beiden sind ihrer Linie dann aber treu geblieben.

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Können Sie verstehen, dass Reza Hassani und Kevin Großkreutz mit der Entscheidung von Präsident Dr. Akin Kara nicht einverstanden waren?

Man muss immer offen und ehrlich sein. Ich bin entlassen worden, war jahrelang Trainer und jetzt wollte Türkspor mich als Sportlichen Leiter holen. So eine Aufgabe hatte ich vorher noch nie. Für mich war das aber eine reizvolle Geschichte. Ich bin wieder in einem Team, kann mich über den Fußball unterhalten, da hatte ich einfach Lust drauf. Ich liebe den Sport. Ich kann aber nicht verstehen, warum die beiden sich mit uns nicht an einen Tisch setzen wollten. Ich finde es sehr schade, dass man es nicht gemeinsam probiert hat und dem Projekt nicht eine Chance gegeben hat. Vielleicht hatten die beiden Angst, dass mit mir nun jemand im Team ist, der fußballerisch mitsprechen kann und beide auch kritisieren kann.

Können Sie denn nachvollziehen, dass das Duo Sorge hatte, dass Sie die Beiden im Misserfolg als Trainer beerben?

Nachvollziehen kann ich alles. Aber dann hätten wir als Verein ja ganz anders gehandelt. Der Erfolg ist ja gerade nun einmal nicht da. Wir wollten es im gemeinsamen Paket probieren.

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Nach dem Abgang von Hassani und Großkreutz sind Sie nun Interimstrainer. Wie geht es weiter?

Die Spieler müssen nun geführt werden und müssen sich fokussieren. Am Sonntag in Hilbeck erwartet uns ein Rasenspiel mit anderen Bedingungen. Unser Spieler Marcel Reichwein hat sich die Rippe geprellt und wird fehlen. Das macht die Sache nicht einfacher. Wir müssen nun an die Interessen des Vereins denken, das ist der Erfolg. Ich werde ab Donnerstag das Training leiten und will das Bestmögliche machen. Es müssen viele Gespräche stattfinden. Parallel schauen wir, was wir in Sachen Trainerfrage machen können.

Also wollen Sie nicht Trainer werden?

Es wäre eine Möglichkeit, aber wir haben uns darauf geeinigt, dass ich als Sportlicher Leiter starte. Ich wollte nie, dass es so rüberkommt, dass Reza und Kevin wegen mir gehen müssen. Wir müssen gucken, dass wir einen guten Trainer finden, der gut hier reinpasst. Das soll dann aber eine langfristige Lösung sein.

Der Saisonstart verlief wenig verheißungsvoll, das Team wirkt verunsichert: Wie wollen Sie dem Klub die nötige Stärke zurückgeben?

Wenn du Erfolg hast, dann hast du Ruhe im Verein. Wenn du Sonntag nicht gewinnst, dann ist die Unruhe noch größer. Wir müssen zusehen, dass wir schnellstmöglich die Kurve kriegen, dann ist alles einfacher. Die nächsten drei, vier Spiele werden brutal schwer. Das wird eine große Herausforderung.

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