Sportlich ist Borussia Dortmund erster Anwärter auf einen Platz in der Tischtennis-Bundesliga. Den Zweitligaklubs fehlt meist das Geld. Nicht so beim BVB - dennoch bleibt Dortmund in Liga 2.

Dortmund

, 18.03.2019, 17:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einen Platz im Mittelfeld hatte sich die Zweitliga-Mannschaft der Tischtennisabteilung von Borussia Dortmund vor der Saison zum Ziel gesetzt. Und mit heutigem Blick auf die aktuelle Tabelle tiefgestapelt. Denn der BVB hat zwei Spieltage vor dem Saisonende beste Chancen auf die Meisterschaft der 2. Liga.

Nächste Saison dürfte die Borussia also in der höchsten deutschen Spielklasse antreten. Aber das wird der BVB nicht tun. Ebenso wenig wie der aktuelle Tabellenzweite Mainz 05 - oder der Rest der Liga. Kein einziger Verein aus dem Unterbau der Bundesliga hat einen Lizenzantrag für die Beletage im nationalen Tischtennis gestellt.

Es mangelt beim BVB nicht unbedingt am Geld

20.000 Euro müsste der BVB beim Deutschen Tischtennis Bund (DTTB) für die Teilnahme an der Bundesliga hinterlegen. Doch das ist nicht die größte Herausforderung für die Borussia. Bernd Möllmann bemängelt die hohen Bundesliga-Auflagen: „Die größte Herausforderung ist die Logistik“, sagt der Tischtennis-Abteilungsleiter von Borussia Dortmund.

Und damit ist man ganz schnell wieder bei der Hallenproblematik in Dortmund angelangt. Beleuchtungsvorschriften, eine verlässliche Internetverbindung in der Halle, ein roter, rutschfester Bodenbelag oder die Einrichtung eines VIP-Bereichs mit Catering. Voraussetzzungen, die die Brügmannhalle, in der der BVB seine Heimspiele austrägt, nicht erfüllt.

Die Liga wird aufgestockt

In der kommenden Bundesliga-Saison wird also kein Zweitligist dieser Spielzeit teilnehmen. Dennoch werden 2019/20 zwölf, und damit die vom Verband angestrebte Anzahl an Mannschaften, statt der bislang elf Vereine antreten. Der DTTB stattet TTC Ebner Ulm mit einer Wildcard aus.

„Dass Mannschaften nur durch die Vergabe von Wildcards an der Bundesliga teilnehmen, ist natürlich nicht wünschenswert. Wir wollen sportliche Auf- und Abstiege.“
PATRICK FESTEL, DTTB-FUNKIONÄR

Dieser Schritt ist nicht neu. Schon vor dieser Saison wagte der TTC indeland Jülich auf demselben Weg den Schritt in die Bundesliga. Gewollt ist diese Art von Qualifikation so nicht. „Dass Mannschaften nur durch die Vergabe von Wildcards an der Bundesliga teilnehmen, ist natürlich nicht wünschenswert. Wir wollen sportliche Auf- und Abstiege“, sagt Patrick Festel, DTTB-Spielleitungsbeauftragter der Bundesligen.

Für den BVB schließt Möllmann eine Wildcard als Option aus: „Man sollte sich sportlich qualifizieren. Wir würden diesen Weg nicht gehen.“ Jülich hat in dieser Saison noch kein Spiel gewonnen und in den 20 Partien überhaupt erst neun Duelle für sich entscheiden können.

Alberto Mino (v.l.), Erik Bottroff, Krisztian Nagy, Evgeny Fadeev und Trainer Wencheng Qi spielen eine starke Saison mit dem BVB - und können sich trotzdem nicht mit dem Aufstieg belohnen.

Alberto Mino (v.l.), Erik Bottroff, Krisztian Nagy, Evgeny Fadeev und Trainer Wencheng Qi spielen eine starke Saison mit dem BVB - und können sich trotzdem nicht mit dem Aufstieg belohnen. © Stephan Schütze

Ein Schicksal, das dem BVB in der aktuellen Besetzung wohl auch drohen würde. „Der aktuelle Kader ist nicht erstligatauglich. Wir müssten sicher drei neue Spieler verpflichten, um in der Bundesliga bestehen zu können. Mit der jetzigen Mannschaft hätten wir keine Chance auf den Klassenerhalt“, sagt Möllmann.

Auflagen schrecken die Vereine ab

Die Lücke zwischen erster und zweiter Liga ist also auch sportlich immens. Doch am Beispiel Jülich zeigt sich, dass eher die Verbandskriterien die Vereine von der Bundesliga abschrecken. „Wir versuchen seit mehreren Jahren, die Barrieren zu reduzieren. Den Vereinen noch weiter entgegenzukommen, ist aber schwierig“, sagt Festel.

„Bei uns liegt es nicht an den finanziellen Möglichkeiten, sondern das Drumherum passt einfach nicht. Bei den anderen Vereinen ist es umgekehrt.“
Erik Bottroff, Spieler BVB

Erik Bottroff, bundesligaerfahrener Spieler bei Borussia Dortmund, bedauert, dass äußere Umstände einen Aufstieg des Vereins verhindern: „Bei uns liegt es nicht an den finanziellen Möglichkeiten, sondern das Drumherum passt einfach nicht. Bei den anderen Vereinen ist es umgekehrt“, sagt er. Und meint damit vor allem die unwürdigen Zustände in der Brügmannhalle.

Möllmann berichtet immerhin, er habe in Gesprächen mit BVB-Präsident Reinhard Rauball positive Signale erhalten: „Wir hoffen, dass sich mit der Renovierung der Brügmannhalle die Lage verbessert.“ Das sei ohnehin notwendig, sagt Bottroff. Die Brügmannhalle sei ein „abgeranzter Bunker“ und der Zustand „für den BVB einfach peinlich“, so Bottroff.

Aufstieg hängt auch von der Hallensituation ab

Bei der Borussia hoffen sie durch die geplante Renovierung der Brügmannhalle auf eine baldige Verbesserung der Heimstättensituation. Dann soll der Aufstiegswunsch erfüllt werden. Erik Bottroff nimmt die Renovierungspläne der Stadt ohne große Emotionen zur Kenntnis: „Ich habe schon mindestens zehnmal gehört, dass sich die Situation in der Brügmannhalle verbessert. Ich glaube aber erst daran, wenn sich wirklich etwas tut.“

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