Knoten geplatzt: Der neue Angriffsturm der U23 von Borussia Dortmund kommt aus den Startlöchern

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Von Zweitliga-Aufsteiger VfL Osnabrück gekommen, ist Angreifer Steffen Tigges für die U23 des BVB gleich eine Verstärkung. Offensiv wie defensiv.

von Leon Elspaß

Dortmund

, 04.09.2019, 14:33 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ingo Preuß, Dortmunds U23-Kaderplaner, hatte sogleich ein ausgesprochen gutes Gefühl. Steffen Tigges war erst zweimal für den BVB II in der Regionalliga aufgelaufen, beim 1:2 in Essen und beim 2:1 gegen Lotte, da formulierte Preuß schon voller Optimismus und Zufriedenheit, dass dieser 21-Jährige „genau der Typ ist, den wir gebraucht haben.“

Eine echte Verstärkung

Alle danach gesammelten Leistungsnachweise des Zugangs von Zweitliga-Aufsteiger VfL Osnabrück bekräftigen diesen frühen Eindruck des Managers. Preuß darf sich bestätigt fühlen: Tigges, der von ihm zu Borussia Dortmund gelotste Angreifer, ist sofort zur echten Verstärkung erwachsen.

Vier Treffer hat er in fünf Partien erzielt, zudem schon zwei unmittelbare Torbeteiligungen angehäuft. „Für mich persönlich“, sagt Tigges denn auch, „läuft es ziemlich gut.“ Wenngleich es durchaus schon mehr Tore hätten sein könnten; zuvorderst in Wuppertal beim unglücklichen 0:1 präsentierte sich der Linksfuß ebenso wie seine Kollegen arg unkonzentriert im gegnerischen Strafraum.

Für den Anfang aber sind diese sechs Scorerpunkte ingesamt „eine tolle Quote“, wie er selbst anmerkt. Gegen Aufsteiger VfB Homberg am Sonntag kann er sie weiter erhöhen.

Mindestens zehn Treffer

Tigges hat sich ein Ziel gesetzt vor Beginn dieser Saison. Das mache er immer so, sagt er. „Wenn man etwas formuliert, woran man sich messen kann, dann verbessert man sich nur.“ Für seine erste Spielzeit in schwarzgelber Dienstkleidung hat sich der für zwei Jahre unter Vertrag stehende Stürmer mindestens zehn Treffer vorgenommen. Gut möglich, dass er diese Zielsetzung recht zeitnah erreicht – und sie dann nach oben korrigieren darf.

„Ich muss mich logischerweise weiter steigern“, bekennt er. Sein rechter Fuß ist im Gegensatz zum linken wenig ausgeprägt, das Passspiel mit links wie rechts ab und an zu ungenau. Noch reichlich Verbesserungsmöglichkeiten sieht Tigges, ebenso wie der „hochzufriedene“ Preuß: „Wir werden noch viel Spaß an ihm haben. Er wird sich hier gut entwickeln können.“

Endlich wieder Mittelstürmer

Positioniert ist der athletische Blondschopf im Zentrum des Dreierangriffs, Kapitän Joseph Boyamba und der vom 1. FC Köln gekommene Chris Führich stürmen über die Außenbahn. „Das sind zwei sehr, sehr gute Spieler, die mich gut flankieren“, erklärt Tigges. Auch gegen Düsseldorf (4:2) habe das Zusammenspiel wieder funktioniert, bilanziert er. Während Tigges zweifach traf und einmal assistierte, war Führich an allen vier Toren beteiligt, erzielte seine ersten beiden Saisontreffer.

Dass Tigges in Dortmund endlich das Mittelstürmer-Mandat übernehmen darf, sei der Hauptgrund für den Wechsel von seinem Heimatverein Osnabrück in die viertklassige Regionalliga gewesen. Hatte er sich beim VfL in der dritten Spielklasse dauerhaft auf dem Verschiebebahnhof befunden und zwischenzeitlich sogar die defensive Außenbahn bespielt, darf er nun in der mittigen Sturmspitze für Unruhe sorgen. Dort, wo er seine „größten Stärken“, sein „größtes Potenzial“ ausgemacht hat.

Nicht zu fein für lange Wege

Kraft seiner 1,95 Meter langen Körpergröße ist Tigges dafür verantwortlich, die zuweilen eingestreuten langen Flugbälle aus der eigenen Hälfte zu verarbeiten, er leitet sie dann mit dem Kopf weiter oder sichert sie per Ballannahme. Tigges besetzt bei Flankenläufen seiner Mitspieler den Strafraum, lauert auf Hereingaben oder startet mit guter Grundschnelligkeit in sich auftuende Lücken.

Und bei gegnerischem Ballbesitz ist sich Tigges nicht zu fein dafür, lange Wege zu gehen. Exakt so wie Trainer Mike Tullberg fordert, läuft er die ballführenden Verteidiger zügig an, nervt sie beim Spielaufbau. Manchmal sprintet der Stürmer, einzig auf die Balleroberung fixiert, sogar weit zurück in die eigene Spielhälfte. „Außergewöhnlich“, lobt Preuß, sei seine Bereitschaft, „defensiv mitzuarbeiten.“

„Perfekter Wechsel“

Den Umzug nach Dortmund, obwohl er eben mit Osnabrück in die Zweite Bundesliga aufgestiegen war (25 Drittliga-Einsätze zuletzt, sechs über die volle Spieldauer), bezeichnet Tigges als „perfekten Wechsel in diesem Moment“. Sicher, „so einfach war es nicht, meinen Heimatklub zu verlassen“, sagt er. Grundsätzlich sei er von den Gesprächen mit Preuß und Fußballlehrer Tullberg allerdings „sehr begeistert“ gewesen, „vom gesamten Verein ebenfalls.“

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Als Rückschritt sieht er den Sprung in die Regionalliga nicht, betont vielmehr die Möglichkeit, sich „gut entwickeln zu können“ in einem „tollen Team mit talentierten Leuten“ und „viel Spielzeit“.

Nicht vom Radar

Vom Radar der Profivereine will er freilich nicht verschwinden. Für ihn, sagt Tigges, für ihn sei der Wechsel nach Dortmund „ein Anlaufnehmen für weitere Schritt nach vorn.“ Aus dem Startblock hat er es schon einmal schwungvoll geschafft.

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