Kreispokalsieg und danach? Eichlinghofen in der Krise: „Es macht im Moment wenig Spaß“

hzFußball in Dortmund

Im Sommer hätte die Stimmung beim TuS Eichlinghofen nicht besser sein können. Der Kreispokalsieg überstrahlte alles, ließ die Erwartungen hoch schnellen. Davon ist nicht mehr viel übrig.

Dortmund

, 28.10.2019, 14:47 Uhr / Lesedauer: 3 min

Salomon Tshitungu wirkte wie ein Puzzleteil, das noch fehlte. Ein schneller, abschlussstarker Angreifer, der die gute taktische Vorarbeit des TuS Eichlinghofen mit Toren veredelt. Der Neuzugang sollte das Bezirksligateam auf eine neue Ebene hieven. Und zunächst schien das auch zu klappen.

Beste Offensive, Rang eins - und dann der Einbruch

Nach drei Spieltagen war der TuS Tabellenführer, spielte aufregenden Fußball, schlug Wethmar mit 6:1, den Lüner SV II mit 6:4 und thronte dank der bis dahin besten Offensive der Liga auf Rang eins.

Exakt zwei Monate und magere fünf Punkte später, ist die Euphorie verflogen: „Wir hatten schon gehofft, dass wir den Schwung des Pokalsieges mitnehmen können“, sagt Eichlinghofens Vorsitzender Thomas Janßen. Nach der 0:3-Niederlage am Wochenende beim TuS Hannibal ist allerdings das Gegenteil der Fall: „Es ist mittlerweile eine Kopfblockade“, sagt Trainer Marc Risse.

„Nicht aufgeben“

Der Coach hatte nach einer starken Hinrunde und dem Parforce-Ritt im Kreispokal selbst vor dieser Saison angekündigt, dass er mit seinem Team nun den nächsten Schritt machen woll und müsse: „Das hat auch nach wie vor Bestand“, sagt Risse, „und im Moment gibt es auch wenig, was Spaß macht. Aber es entspricht nicht meiner Mentalität, aufzugeben.“

Denn es gibt ja durchaus logische Erkläransätze wie die teilweise elf verletzten Spieler - darunter jener Schlüsselspieler im Sturmzentrum, aber auch hochveranlagte Akteure wie Patrick Pöhl: „Ich habe für die Aufstellung Woche für Woche nur die zusammengesetzt, die anwesend waren“, sagt Risse, der zusammen mit seinem Trainerteam normalerweise sehr taktisch arbeitet, aber „so bekommst du keine Abläufe rein.“

Stimmung ist trotzdem gut

Natürlich habe sich sein verbliebenes Team „auch oft nicht gut angestellt“, aber es kam nicht selten vor, dass die siegreichen Mannschaften hinterher geäußert hätten, „dass wir die spielerisch stärkste Truppe gewesen sind, gegen die sie bis dahin gespielt hatten“, so Risse, dem selbst vollkommen bewusst ist, dass er sich von Lob auch in der Bezirksliga nichts kaufen kann.

Andererseits geht es in Eichlinghofen nicht immer nur um den maximalen Erfolg: „Natürlich wollen wir nicht absteigen“, sagt TuS-Chef Janßen, „aber für den Verein als Ganzes ist die gesamte Entwicklung mit den vier Seniorenmannschaften und den beiden Damenteams erstmal das, was zählt.“ Zudem ist die Stimmung in der Mannschaft nach wie vor gut: „Die Trainingsarbeit unter der Woche ist super“, sagt Risse, „selbst die verletzten Spiele sind meistens anwesend.“

Charakter ist wichtiger

Bei der Kader-Zusammenstellung achten Risse & Co. ohnehin deutlich mehr auf Charakter als rein auf fußballerische Klasse: „Manchmal wäre es schön, ein paar Arschlöcher dabei zu haben“, sagt Janßen, der aber den Weg von Risse voll mitgeht: „Wir sind im Trainerteam außergewöhnlich gut aufgestellt.“

Trotzdem schließt der TuS Neuzugänge im Winter nicht aus, ist im Gegenteil aktuell vor allem offensiv auf der Suche: „Wer Bock auf Eichlinghofen hat, auf das Stadion, auf das Umfeld, der darf sich gerne melden“, sagt Janßen, weiß allerdings auch, „dass die wirklich Guten sich oft nicht allein vom Umfeld beeindrucken lassen: „Am Ende ist die Frage immer: Was bekomme ich pro Einsatz?“ so Janßen.

Das Trainerteam bleibt

Unabhängig von der Kaderplanung ist Fakt, dass das Trainerteam bleibt: „Der Kredit, den Marc hier hat, ist schon sehr groß. Und außerdem halte ich nichts von Trainerdiskussionen“, sagt Janßen. Risse weiß, dass das nicht selbstverständlich ist: „Es sind ja schon viele Trainer in der Bezirksliga entlassen worden. Und wenn selbst ungeschlagene Tabellenführer nicht vor Entlassungen gefeit sind, dann wird‘s schwierig“, sagt er, „da bin ich schon froh, dass wir - trotz der momentan frustrierenden Phase - in Ruhe arbeiten können.“

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Schließlich gibt es ja auch gute Nachrichten für den TuS: Salomon Tshitungu hat sich fit gemeldet, wird am kommenden Wochenende gegen den starken Tabellendritten Mühlhausen wieder spielen können. Generell, sagt Risse: „Das Lazarett lichtet sich.“ Dann muss jetzt nur noch die Kopfblockade weg.

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