LGO-Präsident: Leichtathletik hat die gleiche Sorge wie die Fußballer

Leichtathletik

Michael Adel hat ein Jahr in seiner Doppelfunktion als LGO-Präsident und Kreisvorsitzender hinter sich. Er alle Hände voll zu tun - vor allem im Ringen um Sponsoren und Anerkennung.

Dortmund

, 27.05.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Michael Adel (l.) hier bei der offiziellen Eröffnung der sanierten und umgebauten Helmut-Körnig-Halle, hat ein ereignisreiches Jahr hinter sich.

Michael Adel (l.) hier bei der offiziellen Eröffnung der sanierten und umgebauten Helmut-Körnig-Halle, hat ein ereignisreiches Jahr hinter sich. © imago images/RHR-Foto

Seit einem guten Jahr bekleidet Michael Adel den Vorsitz im Kreis-Leichtathletik-Ausschuss und wurde zum Präsidenten der LG Olympia gewählt. Im Gespräch mit dieser Redaktion hat Adel über die Situation in der heimischen Leichtathletik und die Ereignisse während des zurück liegenden Jahren gesprochen.

Herr Adel, als Sie diese Positionen an der Spitze der Dortmunder Leichtathleten übernahmen, hatten Sie eine Vorstellung davon, wie viel Arbeit auf Sie zukommen würde?

Dass Arbeit auf mich zukommen würde, war mir schon klar. Wir haben uns im Vorstand der LGO bewusst neu aufgestellt und im letzten Jahr viele Weichen für die Zukunft gestellt. Wir verfügen über ein gut funktionierendes Team, so dass sich alles bewältigen lässt. Auch als Vorsitzender des Kreis-Leichtathletik-Ausschusses kann ich auf sehr engagierte und teilweise sehr erfahrene Mitarbeiter zurückgreifen. Das ist wichtig, gerade wenn man, wie ich, neu hinzukommt. An vielen Stellen ist man natürlich Repräsentant der Leichtathletik und erster Ansprechpartner. Aber die Kontakte zur Stadt, dem SSB und zur Politik machen viel Spaß und sind eine Bereicherung.

Welche Aufgaben erforderten den meisten Arbeitsaufwand?

Am aufwändigsten waren zwei Punkte: Als erstes war das die Übernahme der Helmut Körnig-Halle nach dem Umbau. Die Vorgaben der Stadt und die Vorstellungen der Vereine waren leider nicht immer unter einen Hut zu bringen. Verständlicherweise ist man dann manchmal auch der „Böse“ und der Ruf nach „früher war alles besser“ kam bei manchem Vereinsvertreter auf. Aber letztlich haben wir für alle vertretbare Lösungen gefunden, und das ist letztlich entscheidend. Zum zweiten gab es bei der Organisation der Wettkämpfe viel zeitaufwändigen Gesprächsbedarf. Hier haben wir Lehrgeld bezahlt. Das war aber wichtig und von Veranstaltung zu Veranstaltung waren Fortschritte erkennbar.

Wie können Sie den Arbeitsaufwand für den Sport mit Ihrem Beruf vereinen?

Mit einem guten Team, sowohl im KLA als auch in der LGO geht alles.

Für die meisten Vereinsvertreter waren Sie ein Unbekannter. Standen sie Ihnen skeptisch gegenüber?

Ich hatte den Eindruck, positiv aufgenommen worden zu sein. Ich habe mit vielen Vereinsvertretern Gespräche geführt und nicht den Eindruck gehabt, dass eine besondere Skepsis vorhanden war. Ein Vorteil war sicherlich, dass ich nicht „vorbelastet“ bin. Ich habe festgestellt, dass es enorm wichtig ist, zwischen den beiden Aufgaben zu differenzieren. Es darf nicht der Eindruck entstehen: „Der macht alles nur für die LGO“. Aber bisher, meine ich, ist mir das ganz gut gelungen. Letztlich kämpfen wir doch alle mit den gleichen Schwierigkeiten.

Welche sind das?

Ganz weit vorne steht dabei die Entwicklung des Ehrenamtes. Wir müssen unbedingt mehr junge Menschen gewinnen, die bereit sind, Aufgaben im Verein zu übernehmen. Da stehen wir in einer Reihe mit den Fußballern, was ich persönlich erst gar nicht glauben konnte. Wir können hoffentlich eine Strategie entwickeln, wie wir die Vereine dabei unterstützen können.

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Wie vorteilhaft ist es die Führung des Kreises und der LGO miteinander zu verbinden?

Ich halte die Verknüpfung für extrem wichtig. Die LGO und ihre Stammvereine bilden mit Abstand die größte Gruppe in der Dortmunder Leichtathletik. Da kann man sich nicht aus der Verbandsarbeit heraushalten. Das wäre der völlig falsche Ansatz. Als einer der führenden Leistungssportvereine muss man Präsenz zeigen, und dazu zählt nun mal auch die Verbandsarbeit. Nur dann wird man wahrgenommen und zwar auf allen Ebenen. Darüber hinaus, und dies ist ein Vorteil, bekommt man Informationen aus erster Hand und kann frühzeitig reagieren.

Wie beurteilen Sie rückblickend, die Saison 2019? Welche Erfolge bewerten Sie am höchsten?

Der Europameistertitel von Elias Schreml war sicher am wertvollsten. Aber auch insgesamt war es eine tolle Saison unserer Athletinnen und Athleten. Manchmal konnte ich die Entwicklungssprünge einzelner Athleten kaum glauben, dann sind Platzierungen zweitrangig. Das zeigt aber, welche gute Arbeit das Trainerteam leistet.

Welche Enttäuschungen gab es?

Trotz der Erfolge findet die Leichtathletik in der Öffentlichkeit nicht die Beachtung, die ihr eigentlich zusteht.

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Mit viel Elan wurde im Vorstand der LGO ein Team installiert, das dafür sorgen sollte, die finanzielle Situation zu verbessern. Ist das gelungen?

Die Coronakrise macht es natürlich nicht einfacher. Wir hoffen, dass uns die großen und kleinen Sponsoren weiterhin unterstützen. Wir haben in den vergangenen Wochen auf unserer Webseite versucht, unsere Sponsoren zu unterstützen und dies schafft sicherlich Vertrauen auf beiden Seiten. Wir haben mit der Leichtathletik und tolles Produkt, das natürlich gern auch auf weitere Unterstützer baut.

Bekanntlich wird das PSD-Bank-Meeting in Düsseldorf durch das dort geplante ISTAF nicht mehr geben. Ist es denkbar, dass sich die PSD in Dortmund mehr engagiert und das Dortmunder Sportfest eine Aufwertung erfährt?

Es ist noch verfrüht schon eine endgültige Aussage zu treffen. Als Meetingdirektor wünsche ich mir einen höheren Status des Dortmunder Meetings, damit wir weitere Athleten erreichen können. Das wäre gerade im kommenden Jahr mit einer Hallen-WM und -EM extrem wichtig. Allerdings müssen dann auch noch weitere Sponsoren an Bord, um den höheren Status in ein vielversprechenderes Teilnehmerfeld umzusetzen. Wir arbeiten daran.

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Wie sehen Sie die weitere Zukunft der heimischen Leichtathletik?

Wir sind froh, dass zumindest der Trainingsbetrieb wieder anlaufen kann. Allerdings sind wir noch weit weg von der Normalität, es fehlen die Wettkämpfe. Ein Lichtblick ist die jetzt mögliche Nutzung des Stadions Hacheney, das neben dem Stadion Rote Erde eine weitere Heimstatt für die Athleten sein wird. Darüber hinaus wurde bekanntlich mit dem Bau der Anlage in Lanstrop begonnen, und das ist ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der leichtathletischen Infrastruktur.

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